Herr Schmidt.

celebrating the irony since 1982

Bäm! Frauenfußball, go go go!

Wie Ihr, als treue Leser dieser unregelmäßig gepflegten Insel des geschriebenen Wortes, umringt von weiten Fluten aus bildlastigen Lifestyle-&-Fashion-Blogs, sicherlich wisst, habe ich eine historische Beziehung zu dem Thema „Frauenfußball“ (remember?!?). Damals™ (macht man das 2015 überhaupt noch so, mit diesem „tm“, oder oute ich mich damit als alter Sack von 2013? – Ach, egal, das bleibt jetzt da stehen!) galt meine Begeisterung zwar lediglich einer Vertreterin der regionalen Variante dieser Randsportart, doch aus diesem zarten Pflänzchen ist in diesem Jahr eine ausgewachsene Passion geworden.

Na ja, vielleicht war das mit der Passion doch etwas übertrieben. Aber ich erwische ich mich in den letzten Tagen immer wieder, wie ich beim orientierungslosen, nächtlichen Durchzappen der Fernsehkanäle irgendwann an den Punkt komme, an dem sich mein Siebhirn erinnert: „Es ist doch WM! Schalt mal auf ZDF.“ …oder Das Erste.

Ja, und da sind sie dann: Die Solos, Nécibs, Schelins und Goeßlings, die vor halb leeren Rängen spielen, während ihre männlichen Pendants bereits beim Schuhe schnüren mehr Zuschauer haben. Dann tun sie mir in der Tat etwas leid, denn die Ladies fighten auf dem Rasen mindestens so hart wie ihre männlichen Konterparts. Und bedenkt man dann auch noch, dass die Herren der Schöpfung – sobald sie drei Mal den Ball grob in die richtige Richtung getreten haben – mit Millionen-Verträgen und Quadrillionsablösen zugepflastert werden, selbst wenn sie dann im Endeffekt nur aufpassen dürfen, dass keiner die Ersatzbank klaut, während zum Beispiel eine Tabea Kemme neben dem Erstliga-Fußball und der Nationalmannschaft noch eine Ausbildung zur Kommissarin macht machen muss (FR vom 20.06.2015), dann kommt man doch ins Grübeln.

Gerade bei so Partien wie dem ersten Gruppenspiel unserer Nationalelf Nationalelfinnen Nationalelfen gegen die Elfenbeinküste hätten die Damen deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt. Denn das war – mal abgesehen von der Torflut – durch seine Spielfreude und dem schnellen Umschaltspiel nach vorne äußerst kurzweilig. Ebenso wie das Achtelfinalspiel gegen die Schwedinnen.

Klar, dass nicht alle WM-Partien so sein können. Manche sind auch eher so wie FC-Spiele unter Stale Solbakken oder die letzten gefühlten 100 Spiele des HSV. Zum Beispiel hätte das Eröffnungsspiel von Gastgeberin Kanada auch gut eine Drei-???-Folge sein können. Vielleicht nicht so spannend, taugte aber wunderbar zum Einschlafen. Dagegen war England gegen Norwegen wieder unterhaltsamer als alles andere im TV.

Ihr seht, alles so wie im (*huch* jetzt hätte ich beinahe „echten Fussball“ geschrieben) Männer-Fussball. Also, vielleicht gebt Ihr den Damen auch noch mal eine Chance außerhalb der Sexy Sport-Clips und schaut ihnen auch mal beim richtigen Sport auf dem Fussballfeld zu und nicht nur beim Höschenwechseldich.

Merci vielmals, dass Sie auch heute wieder eingeschaltet haben. Keep on rockin’! …und Tschüss!
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(…und nein, es gibt am Ende kein Trikot-Tausch. Weder hier, noch beim Frauenfußball.)

Von dem Versuch, ein Angebot wahrzunehmen

Freunde, ich fühle mich wie in einer Live Action Roleplay Variante von „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“.  Fehlt nur noch, dass Eduard Zimmermann um’s Eck kommt und mich korrigiert, dass die Sendung in Wahrheit „Vorsicht Falle!“ hieß.

Dabei fing alles so schön an: Ich blätterte durch das Prospekt einer weit verbreiteten Multimedia-Kaufhaus-Kette, während lauwarme Sonnenstrahlen meinen nackten Unterarm liebkosten und ein frisch gezapfter Kaffee seinen unwiderstehlichen Duft im Raum verbreitete. Im Fernsehen lief derweil ein Bericht über junge, tapsige Pandabären und das Gehalt war auch schon auf dem Konto. Alles war so perfekt! Und dann stieß ich auch noch auf ein wirklich, wirklich, wirklichwirklich, wirklichwirklichwirklich interessantes Angebot:

Mobilfunk-Angebot

LTE Internet-Flat 1000 für 4,99 €/mtl. ohne Anschlussgebühr + 75 € Gutschein Card

Diese kleine LTE-Bimmelbommelei war ideal für mein Tablet, welches sich bis dato von WLAN zu WLAN hangeln musste, um mit dem Mutterkonzern oder der NSA oder Tante Elfi ihrem Toaster zu telefonieren. Endlich unabhängig von Starbucks und dem Heimat-Funknetz der eigenen vier Wände nicht nur auf dem Handy über neue  Ergebnisse meiner Shpock-Suche nach gebrauchtem Feuerholz informiert werden. Oder sofort die aktuellen Fahrtzeiten zu Orten von Google angezeigt bekommen, zu denen ich gar nicht will. Mensch, dass wäre revolutionär! ….zumindest, wenn wir 1996 hätten. Heute wäre es nur eins: Endlich mal an der Zeit.

Also dübelte ich mein Tablet unter meine Achsel und wackelte zum offerierenden Breitband-Elektronik-Verhökerer.

Guten Tag. Ich interessiere mich für das 4,99 € LTE-Flatrate Angebot mit dem 75 €-Gutschein aus Ihrem gestrigen Prospekt.

Guten Tag. Da schaue ich doch gleich mal. … …kleinen Augenblick… … … …

Der Blick des Blauhelms Blauhemds schweifte vom Monitor zu mir und warf ein Fragezeichen in den Raum, welches er sogleich aufgriff und hinter eine Reihe Wörter stellte:

75 €, sagen Sie?

Ja, so stand es im Prospekt

Hmmm…. bei mir im System steht nur ein 60 €-Gutschein.

A-ha. Da ist mir der 75 €-Gutschein aus dem Prospekt irgendwie näher.

Hmmmm….

Der Mann in blau wechselte den Beratungstisch, fischte sich ein Prospekt vom Stapel, kam zurück, entfaltete dessen ganze Pracht, so dass seine Computerinsel fast komplett unter dem Papier verschwand und tippte auf das besagte Angebot.

Da haben wir es ja. …hm… tatsächlich: 75 €-Gutschein.

Er wandte sich wieder dem Monitor zu und begann zu tippen.

Ich kann Ihnen den gleichen Tarif – ebenfalls Vodafone – auch für 7,99 € im Monat anbieten. Dann würden Sie sogar eine Gutscheinkarte im Wert von 100 € von mir bekommen.

Seine Stimme war voller Begeisterung, seine Augen voller Erwartung. …mein Blick war voller „Willst Du mich verarschen, Du kleiner Rotzlöffel?!? 25 € mehr auf der Gutscheinkarte gleichen doch nicht mal ansatzweise 24 Monate 3 € Mehrkosten aus.„, aber meine Stimme sagte:

Warum sollte ich DAS tun?

So ganz wusste er das anscheinend auch nicht, denn er sagte mehr flüsternd als sprechend: „Na ja, höherer Gutscheinwert…“ und wandte sich wieder seinem PC-Terminal zu.

Da tippte er dann wieder fleißig auf der Tastatur, stellte mir die ein oder andere Frage nach Simkartenformat und Gerätetyp, tippte weiter herum, holte einen Umschlag mit entsprechender Simkarte, tippte weiter herum und sagte dann:

Hmmmm… das ist seltsam… Ich habe hier den Tarif – 24 Monate für 4,99 € – so wie er im Prospekt ist… …allerdings ist das dann nicht von der Anschlussgebühr befreit.

Der Verkäufer blickte mich mit großen Augen an, die direkt aus seinem blauen Hemdkragen zu kommen schienen.

Ja, dann ist da wohl was falsch in Ihrem System, würde ich mal sagen.

Das war nicht die Reaktion, mit der er gerechnet hatte, weshalb er sich lieber wieder dem Terminal widmete und auf der Tastatur rumtippte.

Ich scannte derweil etwas gelangweilt meine nähere Umgebung ab und fand ein DIN-A4-Aktions-Schnuffi von dem Provider, dessen Angebot ich zu bestellen versuchte. Darauf wurde eine LTE-Internetflat für 9,99 € monatlich, die – dank der Aktion – 24 Monate lang um 5 € reduziert und so nur 4,99 € kosten würde, beworben. …Nachtigall, Du kleiner Lump, ick hör‘ Dir trapsen!

Guter Mann, ist dieses Angebot hier“ ich zeigte auf den frisch entdeckten DIN-A4-Aktions-Schnuffi „das gleiche, was im Prospekt beworben wird?

Ja, ganz genau. So ist es.

Aber in dem Prospekt steht doch gar nichts davon, dass sich die monatliche Gebühr nach 24 Monaten erhöht.

Irgendwie schien sich der junge Mann von Minute zu Minute in seinem blauen Hemd unwohler zu fühlen. Glücklich wirkte er jedenfalls nicht, als er das Kleingedruckte des Prospekts durchlas.

Nein, da haben Sie recht. Da steht das leider tatsächlich nicht drin.

A-ha. Das ist aber eine niiiiicht ganz so unwichtige Information, oder?

Ja.

Fassen wir es mal zusammen: Ich stand in dem Geschäft, um einen Vertrag abzuschließen, bei dem bis zu diesem Zeitpunkt außer der Laufzeit nichts so war, wie es im Prospekt angepriesen wurde. Außerdem wurde noch der Versuch unternommen, mir eine Vertragsvariante anzudrehen, bei der ich mich finanziell deutlich schlechter gestanden hätte…

In mir brodelte es! Das konnte einerseits das scharfe „Chili sin carne“ vom Mittag sein oder aber diese Wut, von der ich schon so viel gehört habe.

Hören Sie mal zu, Sie kleiner Schlumpfpimmel, jetzt ist der Spaß hier vorbei. Ihre Rumkasperei können Sie sich für Kunden aufheben, die „Malen nach Zahlen“ für Hochschulmathematik halten. Sie machen mir jetzt dieses Angebot klar oder sagen hier in einer Lautstärke, dass alle Kunden auf dieser Etage es hören „Ja, werter Herr Schmidt, Sie haben völlig recht und es ist mir furchtbar peinlich das zugeben zu müssen, aber dieses Angebot existiert in dieser Form gar nicht. Es ist ein reines Lockmittel, um Kunden in den Laden zu bekommen, damit wir sie dann hier über den Tisch ziehen können.“. Und dann, wenn alle es gehört haben, darf Ihnen hier jeder mal mit einem aufgeheizten Lockenstab auf die Schulter klopfen. Verstanden, Sie Eumel?“ blitzte es in meinen Augen auf, während ich mich mit einem versöhnlicheren „Ich glaube…, ich überlege mir das lieber nochmal.“ verabschiedete.

Dann halt doch wieder von Starbucks zu Starbucks hoppen, um E-Mails abzurufen. Da gibt es jetzt ja auch diese leckeren veganen Falafel-Wraps mit Oliven-Tapenade. …und so betrachtet, macht das dann ja auch wieder Sinn, irgendwie.

Merci vielmals, dass Sie auch heute wieder eingeschaltet haben. Keep on rockin’! …und Tschüss!
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(Platz für eigene Notizen)

3… 2…

…Ende! Keine „1“! Aber „meins“! Nämlich mein neues Alter. Woo-hoooust-hust-röchel!

Tja, Freunde, man wird nicht jünger (es sei denn man ist Benjamin Button) und so langsam ist die Zeit vorbei, in der man langhaarig rebellierend durch die Gegend teenagern kann. Ich werde mich wohl in Zukunft an den Gedanken gewöhnen müssen, meine Freizeit statt bechucked auf Rock-Konzerten, anzugtragend in dunklen Espressokapselautomatfachgeschäften zu verbringen. Was denn sonst?!? …oder „What else?“ wie der große Don Volluto zu fragen pflegt.

…andererseits: Bevor ich auch nur einen Schritt in einen dieser überteuerten Tierquäler-Wasserprivatisierer-Läden setze, um mir deren Müllvollautomaten anzuschauen, gefriert die Hölle, damit Satan höchstpersönlich im rosa Tütü seine Pirouetten drehen kann…
Dann also doch weiter Chucks und RockjundverflixtnochmalRoll. …und Kaffee aus frischen Bohnen. In diesem Sinne:

Merci vielmals, dass Sie auch heute wieder eingeschaltet haben. Keep on rockin’! …und Tschüss!
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(T-t-t-toooooorte!)

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