Die Weihnachtsgeschichte nach Schmidt

Teil 1: Zu viele Bobs für einen Scrooge
(unbedingt vorher lesen)

Teil 2: Der Geist der Retrospektive

Langsam öffnete Scrooge sein rechtes Auge. Danach noch langsamer sein linkes. Er stellte fest, dass er auf dem harten Holzboden seines Wohnzimmers lag. Sein Blick fuhr über die Holzlatten und erblickten einen kleinen Holzwurm, der vierzig Zentimeter von ihm entfernt, neugierig aus einem Astloch schaute.

“WAS WILLST DU? DU WURM!” fauchte Scrooge.

Unbeeindruckt gähnte der Holzwurm und reckte sich. Scrooge, der vorher noch nie einen gähnenden und sich reckenden Holzwurm gesehen hatte, war etwas verdutzt. Er rappelte sich soweit auf, dass er eine einigermaßen stabile Sitzposition halten konnte und bemerkte erst jetzt den starken Kopfschmerz, der sein Gehirn umgab.

“AUTSCH! VERDAMMT!” jammerte Scrooge brüllend “WARST DU DAS?”

Der Holzwurm schüttelte mit dem Kopf und blickte nach unten in sein Astloch. Kurz darauf nickte er und sprang in die Luft. Was Scrooge nun zu sehen bekam, war noch viel unglaublicher, als ein gähnender und sich reckender Holzwurm: An der Unterseite des Holzwurms war ein kindlicher Greis angewachsen. Dieses greisige Kind mit dem Holzwurm auf dem Kopf stand nun vor Scrooge und sprach:

“Ich bin der Geist der Retrospektive und” er machte eine Pause, um Spannung aufzubauen “ich habe einen Holzwurm auf dem Kopf!”

Den zweiten Satzteil sagte er nicht ganz ohne Stolz.

“Sein Name ist Wohlgemut und wir, Wohlgemut und ich, werden Dich jetzt mitnehmen.”
“WOHLGEMUT?!? DU HAST SIE NICHT MEHR ALLE!” meinte Scrooge.
“ICH WERDE DIR DEINEN WOHLGEMUT GLEICH AUSTREIBEN, DU HIMBEERGEIST!” setzte er fort.

Plötzlich wurde alles um Scrooge von einem dichten Nebel umhüllt und er war der festen Überzeugung, den Holzwurm lachen zu hören. Zumindest aber kichern.

Als sich der Nebel lichtete, konnte Scrooge sein Elternhaus erkennen. Er sprang auf und rannte zum Fenster, um einen Blick hinein zu werfen. Drinnen ging es zu, wie im Leben der Uschi Obermaier: Sex, Drogen und Rock’n'Roll. Seine Eltern feierten gerade eine unglaubliche Orgie mit zehn weiteren Personen. Scrooge drehte sich mit fragendem Blick zu dem Geist der Retrospektive um, der neben ihm am Fenster stand und sich gerade an seinem Holzwurm rubbelte.

“Huch! Ähm.” stotterte der alte Knabe ertappt und ließ von seinem Holzwurm ab. “Wie kann ich Dir helfen?”
“WAS ZUR HÖLLE IST HIER LOS? UND WIESO BIN ICH DA NIRGENDS?”
“Kannst Du Dich nicht mehr erinnern? Du warst Heiligabend doch nie bei Deinen Eltern.”
“ZÜND’ MICH NICHT AN, DU INKONTINENTE TRANSPARENZ. WO BIN ICH?”
“Ist ja gut. Ich bringe Dich zu dem Ort, an dem Du die Weihnachten Deiner Kindheit verbracht hast.”

Noch bevor Scrooge antworten konnte, umgab ihn wieder ein dichter Nebel, der sich genauso schnell, wie er gekommen war auch wieder lichtete. Scrooge war in dem Keller seines Elternhauses und blickte in das Antlitz seines fünfjährigen Ichs, das in einer dunklen Ecke saß und in ein Wasserglas mit Urzeitkrebsen starrte.

“Hier hast Du 15 Jahre lang das Weihnachtsfest verbracht.” erklärte der Geist der Retrospektive, während der Holzwurm wissend nickte.
“ICH ERINNERE MICH.” und das tat Scrooge tatsächlich “DIE DRECKS-KREBSE SIND NIE GEWACHSEN UND HABEN SICH IMMER NUR TREIBEN LASSEN!”
“Es waren keine echten Urzeitkrebse. Deine Eltern haben ein paar Haferflocken in ein Glas geworfen und Dir gesagt, es seien Urzeitkrebse.”
“WARUM SOLLTEN SIE SO ETWAS TUN?”
“Nun, sie wollten ein Mal im Jahr ungestört pimpern. Du hingst ja sonst immer am Rockzipfel Deiner Mutter.”

Scrooge bekam feuchte Augen. Die Nachricht, dass seine Eltern Geschlechtsverkehr hatten und seine Urzeitkrebse in Wahrheit nur Haferflocken waren, traf ihn hart. Doch gerade, als er etwas sagen wollte, verschlang ihn wieder dieser mysteriöse Nebel.

Fortsetzung folgt…

Teil 3: Die Eintagsfliege der Jetztzeit 


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