Die Weihnachtsgeschichte nach Schmidt

Teil 1: Zu viele Bobs für einen Scrooge
Teil 2: Der Geist der Retrospektive
(unbedingt vorher lesen)

Teil 3: Die Eintagsfliege der Jetztzeit

Als der Nebel ihn wieder freigegeben hatte, fand sich Scrooge in seinem Ohrensessel wieder. Es stank nach Erbrochenem und Bier. Diesen Umstand führte Scrooge auf die riesige, 3 Liter umfassende, Lache an Hansa-Pils-Kotze zu seiner Rechten zurück. Seine Pfiffigkeit ließ ein Lächeln in seinem Gesicht entstehen.

Gerade als Scrooge sich aus seinem Ohrensessel erheben wollte, um seine Putzfrau anzurufen, damit sie sofort vorbei kommen und schleunigst diese Unansehnlichkeit aus seinem Wohnzimmer entfernen solle, setzte sich eine fette Fliege auf seine Nase.

„Tach auch!“
„VERPISS DICH!“
„Och, nö. Wundersssst du dich nicht, dassssss ich ssssprechen kann?“
„ICH FRAG MICH VIEL MEHR, OB DU PUTZEN KANNST, DU LISPEL-KASPAR.“

Die Fliege ließ sich von dieser harschen Reaktion nicht beeinflussen.

„Ich bin die Eintagssssfliege der Jetztzeit.“ wurde Scrooge aufgeklärt.
„UND ICH BIN DER GRÜNDER VON GOOGLE.“
„Sssseit 2007 Jahren gibt essss jedessss Jahr an Heiligabend eine Fliege, wie mich.“ setzte sie unbeeindruckt fort.

Noch bevor Scrooge etwas erwidern konnte, packte die Eintagsfliege der Jetztzeit Scrooges Nase und flog los. Hilflos, wie ein kleines Baby, das in ein Baumwolltuch eingewickelt im Schnabel des Storches klemmt, hing der Weihnachtsgriesgram an den feinen Beinchen der Fliege fest. Zusammen überquerten sie endlose Felder, Weiden, Wiesen, Flüsse und Auen. Das hatte keinen tieferen Sinn, machte der Fliege aber offensichtlich tierischen Spaß.

Nach gut einer Stunde landete X-Mas-Fly Airlines mitten in der weihnachtlich geschmückten Stadt. Überall hingen Lichterketten und der Duft von Lebkuchen und Glühwein strömte durch die Gassen.

„WAS SOLL DAS, DU GEFLÜGELTE WARZE?“
„Weißßßßt Du, wer in diessssem Haussss wohnt?“

Die Fliege deutete auf das Haus zu ihrer Linken.

„BOB?!“ vermutete Scrooge
„Bob!“ bestätigte die Fliege.

Er konnte es nicht begründen, aber Scrooge musste einfach zu dem Fenster gehen und in die staatlich subventionierte 15qm-Ein-Zimmer-Wohnung schauen, in der Bob mit seiner Frau und den vier Kindern lebte. Es wird wohl die perverse Neugier sein, die Menschen auch dazu bringt, die Super-Nanny anzusehen, vermutete er.
Scrooge konnte erkennen, wie Bob mit seiner Familie um ein Stück Holz saß, auf dem mit Filzstift das Wort „Weihnachtsbaum“ stand. Sie hatten sich gegenseitig an den Händen gefasst und sangen ein fröhliches Lied.

„ICH HALT’S NICHT AUS. DIE RAFFEN NICHT, DASS DAS KEIN WEIHNACHTSBAUM IST.“ rief Scrooge lachend.
„Doch, doch. Ssssie können ssssich aber keinen richtigen leissssten.“
„UND WENN SCHON. WARUM SIND SIE DANN SO FRÖHLICH?“

Bevor die Eintagsfliege der Jetztzeit antworten konnte, wandte sich Scrooge wieder dem Fenster zu.

„Auf meinen Chef! Er ist zwar ein Riesen-Arsch, aber ich kenne sonst Niemanden.“ verkündete Bob und seine ganze Familie erwiderte den Toast.

Scrooge konnte seinen Ohren kaum trauen.

„ABER, ABER…“ stammelte er “WARUM?”
„Dassss isssst essss, wassss du heraussss finden musssssst!”

Scrooge blickte fassungslos in das Fenster und dann wieder zu der Fliege, um dann wieder in das Fenster zu lugen, bevor sein Blick wieder auf die Fliege fiel, was einen erneuten Blick in das Fenster zur Folge hatte, worauf wieder ein Blick in Richtung Fliege folgte. Das Spielchen dauerte so circa 20 Minuten und erst als Scrooges Nacken zu schmerzen anfing, ließ er von dem albernen Kopfgedrehe ab und stellte seine Frage:

“ICH MUSS HERAUSFINDEN, WARUM DIE ARMEN AUF MICH TRINKEN?”

Er bekam jedoch keine Antwort. Dafür wurde er erneut von dem überaus mysteriösen Nebel umhüllt, der ihm langsam aber sicher mächtig auf den Sack ging.

“GAB’S DAS TROCKENEIS BEI LIDL ODER PENNY IM ANGEBOT?!? WIR SIND DOCH HIER NICHT BEI WETTEN DASS!” rief er erzürnt in die Nebelschwaden.

“Nein, sind wir nicht” antwortete die Stimme eines kleinen Mädchens
“Sind wir gaaaaaaaaaaar nicht!” bestätigte ein kleine Jungenstimme
“WAS’N NU LOS?”

Die beiden Kinder traten aus dem Nebel hervor und stellten sich links und rechts neben Scrooge. Das Mädchen hatte pechschwarze Haare, giftgrüne Augen und trug ein schwarzes Kleid. Der Junge hatte ein schwarzes Matrosen-Kostüm samt schwarzen Kniestrümpfen an und teilte Haar- und Augenfarbe mit dem Mädchen. Vermutlich handelte es sich um Geschwister, kombinierte Scrooge, während die Kinder jeweils eine Hand von ihm nahmen.

“Ich bin Igno Ranz.” stellte sich der Junge vor.
“Ich bin Mangela Nmenschlichkeit.” tat es ihm das Mädchen nach.
“Wir sind Deine Kinder. Deine und die der Menschheit.” fuhren sie im Chor fort.

Scrooge kratzte sich am Kopf.

“IHR DRECKS-ANALPHABETEN MEINT WOHL INGO UND ANGELA, WAS?”

Der Junge schaute traurig zu dem Mädchen rüber.

“Er rafft es nicht.”
“Nein, er kapiert es wirklich nicht.”

Scrooge fühlte auf ein Mal, wie er an seinen Händen in die Tiefe gezogen wurde. Der Boden war plötzlich nicht mehr da und Scrooge befand sich im freien Fall. Mit einer Geschwindigkeit von 12,5231 km/h knallte er auf den Holzboden seines Wohnzimmers. Rechts neben seinem Ohrensessel.

Fortsetzung folgt…

Teil 4: Die Zukunft mit den Worten eines Pantomimen 


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