Die Weihnachtsgeschichte nach Schmidt

Teil 1: Zu viele Bobs für einen Scrooge
Teil 2: Der Geist der Retrospektive
Teil 3: Die Eintagsfliege der Jetztzeit
(unbedingt vorher lesen)

Teil 4: Die Zukunft mit den Worten eines Pantomimen

“DAS DARF DOCH ALLES NICHT WAHR SEIN!” fluchte Scrooge, als er sich aufrappelte und mit den bloßen Händen die Kotze aus dem Gesicht wischte.

Was war das für ein Tag?!? Erst besuchte ihn der Geist der Retrospektive, dann wurde er von der Eintagsfliege der Jetztzeit heimgesucht und dann waren da noch diese Kinder. Scrooge hatte die Suppe auf und so, wie er fluchte, müßte man wohl bald das Tourette-Syndrom in Scrooge-Syndrom umbennen. Worte, Halbsätze und Laute formten sich zu Hass-Tiraden, welche ich meiner Leserschaft an dieser Stelle lieber ersparen möchte. Es kamen aber Buchstabenfolgen dabei herum, die jeden Buchstaben des Alphabets ausnutzten, so viel sei verraten. Das war natürlich sehr kreativ, denn wem fällt schon ein Schimpfwort ein, das mit X beginnt, verhalf Scrooge aber nicht zur Beruhigung. Er fluchte und fluchte und fluchte, aber seine Aggressionen wollten einfach nicht nachlassen. Es kam, was kommen musste: Scrooge begann sich im Kreis zu drehen – schneller und schneller.

Plötzlich, ohne Vorwarnung, hielt er inne und versuchte eine seltsame Gestalt zu fixieren, die sich offensichtlich schon die ganze Zeit in seinem Wohnzimmer aufgehalten hatte. Zunächst konnte er sie nicht richtig erkennen, da sich die Welt um ihn unaufhörlich drehte. Erst nach zwei Minuten pendelte sie sich für ihn wieder ein und er sah, wer ihn beobachtete: Der schlaksige Mann trug einen schwarz-weiß gestreiften Rollkragenpullover, eine schwarze Hose, weißes MakeUp und eine schwarze Baskenmütze. Er tat so, als würde er auf einer Couch sitzen, was sehr faszinierend war, da in dem Zimmer weit und breit keine Couch existierte und der Hintern des Mannes deshalb in der Luft hing, während die Füße seiner ausgestreckten Beine auf einem imaginären Couchtisch lagen. Der Pantomine aß Chips aus einer nicht-existenten Tüte und zappte mit einer unsichtbaren Fernbedienung durch das Nachtprogramm eines Fernsehers, den man nicht sehen konnte.”WAS ZUR HÖLLE?!?” wunderte sich Scrooge lautstark “JETZT AUCH NOCH EIN PANTOMIME?”

Der Pantomime schreckte von seiner Couch auf und fuchtelte wild mit den Armen. Es war augenscheinlich, dass er Scrooge etwas erzählen wollte.

“HÖRE AUF HIER RUMZUZAPPELN, DU KASPAR, UND SPRECHE ZU MIR! ICH VERSTEHE DICH NICHT!”

Der Pantomime reagierte nicht auf den Wunsch Scrooges und versuchte weiter mit Händen und Füßen seine Botschaft zu vermitteln. Scrooge zog währenddessen seine linke Augenbraue hoch und kratzte sich am Kinn. Darauf ging er zu einem Schrank, der sich vier Meter von dem Ohrensessel entfernt befand und holte etwas heraus. Es handelte sich um ein Gewehr. Ein Schrotgewehr.

“WIR VERHANDELN NEU, KALKLEISTE!” schrie er durch das Wohnzimmer, wobei ihm einige Speichelreste entwichen “WAS WILLST DU?”

Der Pantomime imitierte mit seinen Händen einen Seufzer. Scrooge schoß.

Entgegen der Erwartung, zerplatzte der weißgeschminke Schlaks nicht blutig sondern verpuffte nur ein einer schwarz-weißen Rauchwolke. Das war Scrooge natürlich äußerst angenehm, da seine Putzfrau nach Stunden bezahlt wurde und sie eine riesige Blutlache schon immens aufgehalten hätte. Darauf ging er zum Schrank, stellte das Gewehr zurück und nahm wieder seinen Platz im Ohrensessel ein. Per Fernbedienung startete er die In Flames CD und öffnete danach eine weitere Dose Hansa-Pils.

“MERRY CHRISTMAS, IHR DRECKSSÄCKE!” prostete er der Stelle zu, an der ihn die Geister heimgesucht hatten und begann selbstverliebt zu grinsen.

Seines Sieges gewiß, bekam Scrooge allerdings nicht mit, wie hinter seinem Ohrensessel eine schwarz-weiße Rauchwolke auftauchte, welche die Ziffern zwei, null, null und acht bildete und wieder verschwand…


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