Das Mädchen mit den roten Lackschuhen

…war den ganzen langen Weg gerannt. Die Hände auf die Oberschenkel gestützt, blickte sie nun, nach Luft ringend, über ihre Schulter. Ihr Haar war vom Schweiß durchnässt. Sie hatte Seitenstechen und als sie keuchend an sich herab schaute, musste sie feststellen, dass ihre Hose und ihr Pullover zerrissen waren. Die Haut, die sie durch die Löcher sehen konnte, war mit frischen, blutigen Kratzern übersät. Wieder warf das Mädchen einen panischen Blick über die Schulter, um sich dann aber doch wieder ihren Wunden zu zuwenden. Zu sehr war sie von ihnen überrascht. Sie konnte sich gar nicht daran erinnern unterwegs verletzt worden zu sein. Sie hatte sich nur auf das Rennen konzentriert. Schneller, immer schneller musste es gehen. Immer am Limit. So kann man in kurzer Zeit weit laufen aber eben nur für kurze Zeit. Und jetzt musste sie stehenbleiben. Durchatmen. Sie spürte, wie sie von dem, wo vor sie geflohen war, eingeholt wurde. Ein Gefühl, das ihr die Kehle zuschnürte. Hektisch fuhr ihr Blick nach vorne, dann langsam nach oben. Ein großer Berg und sie stand an seinem Fuße. Sie war erschöpft, verletzt, wollte am liebsten aufgeben.

Das Mädchen mit den roten Lackschuhen richtete den Blick gen Himmel. Ihre Augen wurden feucht, doch sie ließ keine Träne zu. Stattdessen ballte sie die Hände zu Fäusten und schaute erneut zu der felsigen Wand, die vor ihr lag. Zu ihrer Überraschung sah sie in das Gesicht eines Jungen.
“Hey! Ich bin den gleichen Weg entlang gerannt wie Du und ich kann Dir helfen diesen Berg zu überwinden.” sagte der Junge mit den schwarzen Chucks und streckte dem Mädchen seine Hand entgegen.
“Das muss ich ganz alleine schaffen!” antwortete sie trotzig und kletterte auf den Vorsprung, auf dem der Junge stand.
“Das waren damals auch meine Worte.” flüsterte dieser leise zu sich selbst während das Mädchen anfing den Berg zu erklimmen.
Er schaute sie an und sprach mit ernstem Blick: “Du wirst diesen Berg alleine überwinden. Das weiß ich! Manchmal wird es aber Stellen geben, die Dich zweifeln lassen. Genau dann werde ich für Dich da sein. Ich werde nicht von Deiner Seite weichen!”
Das Mädchen mit den roten Lackschuhen sah den Jungen mit den schwarzen Chucks mit funkelnden Augen an und lächelte.
Dann begannen sie gemeinsam mit dem Aufstieg…


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