Eine Mitfahrgelegenheit

Und dann steht man mit herausgestrecktem Daumen am Straßenrand, während das Leben an einem vorbei fährt. Und man brüllt ihm hinter her “Halt an und nimm mich mit, Du Arschloch!”
Ja, und dann geht es in die Eisen und bleibt stehen. Es lässt sich nämlich nicht gerne als Arschloch bezeichnen, dieses Leben, denn es ist ja auch keins. Im Gegensatz zum Tod. Oder der Liebe. Das sind zwei Riesen-Arschlöcher.

Und dann steigt man ein, lässt sich den Fahrtwind ins Gesicht wehen und singt lauthals jeden Song mit, der aus dem Tapedeck kommt. So geht es dann etliche Kilometer, bis man bemerkt, dass sich die Songs nicht ändern. Man stellt erschrocken fest, dass dieses Leben nur eine einzige verfickte Mix-Kassette zu bieten hat.

Und dann hört man auf mitzusingen und die Songs, die vor nicht allzu langer Zeit noch gefeiert wurden, hängen einem zum Hals raus. Genau jetzt fängt das Leben an, Dich komisch anzuschauen. So kennt es Dich ja auch nicht. Ab diesem Moment hat man 3 Möglichkeiten:

Möglichkeit 1: Man grinst das Leben an und fängt an, wieder euphorisch die Songs mitzusingen. Denn egal wie einem das alles zuwider ist, man möchte weiter mitfahren.

Möglichkeit 2: Man greift dem Leben ins Lenkrad und zwingt es rechts ran zu fahren, damit man endlich aussteigen kann.

Möglichkeit 3: Man sagt dem Leben bei jedem Song, der einem nicht passt, dass man ihn hasst und fängt an die Radiofrequenzen nach seiner Musik zu durchsuchen. Das wiederholt man dann Lied für Lied. Bis einen das Leben hinaus wirft.


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