Mein Bio-LK-Lehrer

Ja, Ihr habt richtig gelesen, ich hatte einen Biologie-Leistungskurs. Und als ob das nicht schon ausreichen würde, war mein zweites Leistungskurs-Standbein Erdkunde. Dazu gab’ es dann noch die sympathisch stressfreie Fächerkombination Englisch & Sport. Wobei ich hier besonders Englisch oder besser gesagt meine Englisch-Lehrerin hervorheben möchte, die… ja, aber darum geht es hier eigentlich gar nicht.

Im Gegensatz zu meinen anderen Kursen, verlangte man mir ab, meinen Biologie-Kurs nicht an meiner Hauptschule (im Sinne von Haupt-Schule, also der weiterführenden Bildungseinrichtung, an der ich seit der fünften Klasse lernen durfte), sondern an einem anderen örtlichen Gymnasium absolvieren zu müssen. Das war natürlich eine bodenlose Frechheit, denn ich hatte ja eigentlich schon genug Bewegung in meinem Sportkurs. Da hätte man doch lieber Mitschüler mit der Fächerkombination Geschichte-Physik-Kunst-Religion durch Solingen hetzen können. Die sind heute nämlich mit Sicherheit alle fett und faul.

Sei’s drum, ich wurde also genötigt, drei Mal in der Woche eine nahezu doppelt so langen Schulweg auf mich zu nehmen, um eine ehemalige Mädchenschule zu besuchen. Dort erwartete mich zwar eine positive Mädchen-Jungen-Verteilung, aber auch ein Biologie-Lehrer, der wohl besser “Deutsche Geschichte in den Jahren 1933 bis 1945″ unterrichtet hätte. Oder besser mal an den Schulstunden teilgenommen! Da hätte er dann nämlich noch was lernen können.

Denn, Freunde, dieser Lehrer war eine richtig ausländerfeindliche Sau. Beispiele? – Bitte:

  • Wir hatten zu Beginn unseres LKs drei türkisch-stämmige MitschülerInnen im Kurs. Im Laufe der Zeit führte uns unser Lehrer die Selektion an deren Beispiel durch: Nach und nach wurden sie durch schlechte Noten wegselektiert. War das “Survival of the fittest”? – Für’n Arsch!
  • Zu mir, immerhin groß und blond, hat er immer respektvoll aufgesehen. Das hat mich rasend gemacht!!!
  • Einmal ist er mit seiner Klasse in das Beruf-Info-Zentrum unserer Stadt gefahren, in dem es drei verschiedene Ordnerfarben gab: grün = Berufe, die ein Studium voraussetzen, rot = Berufe, die eine Ausbildung voraussetzen und blau = Berufe, die keine Ausbildung voraussetzen. Unser Ausländerfeind erklärte seinen Schülern die ersten beiden Farben und schloss die Erklärung mit folgendem Satz ab: “Von den blauen Ordnern lasst Ihr die Finger weg! Die sind für de Ausländer!” – ohne Worte…

Dieser Fascho-Vollidiot war definitiv einer der Gründe, warum ich äußerst selten anwesend war. Heute würde ich die Konfrontation suchen und ihm die Meinung geigen, aber damals suchte ich mir den unproblematischeren Weg. Der mir dadurch noch vereinfacht wurde, freitags nur die sechste Stunde Unterricht zu haben. So fiel es mir natürlich sehr leicht, ein Substitut für diese Schulstunde zu finden.

Ich zog es also meistens vor, meine Zeit nicht im Biologiekurs, sondern in den Solinger Cafés zu verbringen. Oder besser, in einem Solinger Café: dem “Stadtgeflüster”. Bei meinem damaligen Kumpel Tasso, einem Griechen. Dort habe ich mich dann immer mit zwei, drei Freunden getroffen und… aber das ist wieder eine ganz andere Anekdote.


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