Rock am Ring 2008 – Der erste Tag

Wie Ihr wisst, war ich ja auch dieses Jahr wieder mit Captain Kück bei dem einzigartigen, oft kopierten aber nie erreichten und generell verregnetem Open-Air-Festival auf dem Nürburgring, dessen Namen (abzüglich “2008 – Der erste Tag”) den Titel dieses Beitrags schmückt.

Bereits um 8:30 Uhr, einer äußerst unchristlichen Uhrzeit, klingelt der Captain an meiner Türe und grinst mich vorfreudig an, während ich ihn aus verschlafenen Augen anblinzel und versuche, die vier Stunden Schlaf, die ich in der Nacht zuvor bekommen habe, wie acht aussehen zu lassen. Das gelingt mir eher schlecht als recht, weshalb ich aus dem Türrahmen mit einem hämischen Lächeln bedacht werde. Grund genug für mich, dem Captain meinen Schlafsack entgegen zu werfen, den er, als alter Handballer, natürlich fängt… geht ja schon mal gut los für mich. Während er also meinen Schlafsack zum “Riot Van” trägt, schleppe ich Camping-Stuhl, Sporttasche, Kopfkissen, Messenger-Bag und diverses anderes Zeug. Dafür habe ich mir eine Belohnung verdient. Ein Jever! Ja, richtig gehört, der Herr Schmidt macht um 8:45 Uhr seine erste Kanne Bier auf. Hell yeah!

Knapp zwei Stunden Fahrt und weitere zwei Jever später, erreichen wir unseren Stellplatz und richten uns häuslich ein: Niveauausgleich für den Bus, Grill auspacken und Feuer frei! Bier, Grillfleisch und aus den Boxen tönen Bullet For My Valentine. So muss das sein.

Das Festivalgelände selbst erreichen wir pünktlich zu The Streets und liegen damit optimal in unserem selbstauferlegten Zeitplan. Mike Skinner und seine Live-Band überzeugen durch eine große Spielfreude und bieten einen entspannten Start in das Festivalwochenende. Auch wenn es kein wirklicher Rock’n'Roll war, passt der Auftritt hier hin und macht Laune.

Nach The Streets wechseln wir zur Alterna-Stage und lassen uns von den Alt-Punkrockern Bad Religion mitreißen: Zunächst dritte Reihe und quetschen lassen; dann zwei Meter zurück mitten in den Pogo. Unfassbar was die Jungs Männer da abliefern. Technisch einwandfrei und voller Passion liefern sie ein halbstündiges Set mit allen Highlights aus knapp 30 Jahren Bandgeschichte. Besser kann man einfach nicht auftreten. Ja, und nach 30 Minuten bin ich kurzatmig, verschwitzt, habe blaue Flecken und bin glücklich wie ein kleines Kind im Spielzeugwunderland.

Etwas ruhiger geht es dann schon wieder auf der Center-Stage zu: Incubus feiern sich und ihre Songs selbst. Das ist musikalisch tadellos, bringt mir live aber leider gar nichts. Brandon Boyd und seine Mannen schaffen es nicht, mich zu überzeugen, auch wenn “Love Hurts” (Live @ Rock Am Ring 2008) oder “Anna Molly” großartige Songs sind.

Mittlerweile ist es dunkel geworden auf dem Nürburgring und es ist Zeit für das erste große Highlight des diesjährigen Festivals: Rage Against The Machine betreten die Bühne und starten mit “Testify” nach siebenjähriger Pause ihre Reunion. Eigentlich eine großartige Eröffnung, wären da nicht monströse Soundprobleme. Nur die bühnenseitigen Boxen sind angeschlossen und sämtliche Boxentürme, welche die hinteren Reihen beschallen sollen, sind still. Bei uns kommt so gut wie gar nichts an, was das Publikum mit “Lauter, lauter!”-Rufen quittiert. Drei Songs später ist das Problem behoben und auch der Captain und ich bekommen etwas von Zack de la Rocha und RATM mit.

Danach heißt es Abschied nehmen und zurück zum VW Bus. Die vier Stunden Schlaf und der konstante Bierpegel fordern ihren Tribut und ich habe nur noch ein Ziel vor Augen: Das Bett! Während wir also mit dem Shuttle-Bus in Richtung Stellplatz fahren, lasse ich den Festivaltag Revue passieren und komme zur Erkenntnis, dass Bad Religion mit Abstand am Besten waren.

[Fortsetzung folgt...]


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