Rock Am Ring 2008 – Der zweite Tag

Die Nacht war viel kürzer als erhofft. Zwar waren der Captain und ich zeitig in den Kojen, wurden aber bis 5:00 Uhr mit Techno beschallt. TECHNO!!!! Bei Rock Am Ring! TECHNOOOOOO!!!! Hallohoo?!? Was soll’n des?!? Ich meine “Remmidemmi” ist ja ein guter lustiger Song, aber man muss ihn doch nicht die ganze Nacht spielen, oder?!?

Jetzt sitzen wir jedenfalls an unserem Frühstückstisch und warten darauf das der Kaffee durchzieht und die Spiegeleier fertig gebraten sind. Man kann auf so einem Festival ja schließlich auch nicht nur Nutella-Brot essen und Prosecco saufen.

Kaum ist das Frühstück verputzt, gilt der erste Griff einem kühlen Jever und der zweite einer Moods. So ausgerüstet nehme ich meinen Platz vor dem Bus ein und versuche das gestern noch vorhandene Panorame durch den dichten Nebel zu erkennen. Ein unmögliches Unterfangen, das ich recht schnell abbreche und mich lieber der Konversation mit unseren Camping-Nachbarn widme. Schräg hinter uns zeltet ein Vater mit seiner Tochter und deren Freundin, daneben sind sechs Mädels aus der Nähe von Karlsruhe und etwas weiter campen ein stilvoller Altrocker und sein Sohn. Verschiedene Generationen, die hier aufeinander prallen und sich blendend verstehen. Das ist auch einer dieser Gründe, warum ich Rock Am Ring so großartig finde!

Zusammen geht es dann auch zum Festivalgelände, wo sich unsere Wege aber dann doch verlieren. Mich zieht es zu In Flames nach Vorne, während die anderen etwas weiter hinten bleiben wollen. Nur der Captain begleitet mich zunächst, muss aber recht schnell erkennen, dass Melodic Death Metal nicht seine Tasse Tee ist und verabschiedet sich zum nächstgelegenen Bierstand. Das macht mir in diesem Moment ü-ber-haupt-nichts! Ich habe mich auf diese Band gefreut, wie auf keine andere und feiere sie entsprechend gründlich ab. …inklusive Kurzstrecken-Crowdsurfing!

Ganz andere, aber mit Sicherheit keine schlechteren Töne dringen nach diesem Ritt in mein Ohr, als ich an der Alterna-Stage stehe und den Stereophonics lausche. Mittlerweile ist auch Captain Kück wieder an meiner Seite und hat sich von dem Finnischen Schock erholt. Wir sind beide überrascht, welch’ Überzeugungsarbeit die Waliser leisten. Während der Captain bisher gar nicht so viel mit Kelly Jones und seinen Jungs anfangen konnte, fand ich “The Bartender & The Thief” immerhin solide und bin nach wie vor in “Dakota” verliebt. Der Rest konnte mich bis dato allerdings auch nicht so wirklich vom Hocker hauen. Ja, aber jetzt, hier, live und direkt, da geht das schon nach vorne und gefällt.

Zwischendurch kann ich es mir aber dann doch nicht nehmen lassen, mal beim Musikexpress-Bus vorbei zu schauen und ein paar Fotos von Madsen zu machen, die dort gerade ihre Autogrammstunde geben.

Danach pilgern wir wieder zur Center-Stage, wo The Offspring als Co-Headliner spielen. Ähnlich wie Bad Religion am Vortag, überzeugen die Herren auf ganzer Linie. Es scheint, als hätten sich die alten Punkrock-Helden dazu entschlossen, den jungen Bands zu zeigen, wie man Festivals rockt. Alter Schwede und verfickte Scheiße™ was ist das hier großartig! “Can’t Get My Head Around You”, “Self Esteem”, “Hammerhead”, “All I Want” – egal ob alt oder neu, die Songs werden alle dankbar angenommen und mitgesungen. Nur Noodles sieht mit seinen langen Haaren äußerst unvorteilhaft aus…

Im Anschluss conquern dann die Mannen hinter Else Matters die Bühne. Ein Event, auf das sich wohl zwölf Drölftel der anwesenden Festivalbesucher gefreut haben. Ein Event, das mir allerdings relativ egal ist. Ich meine, sicherlich, Metallica sind eine schweinegeile Band, nur kam mir bisher nie in den Sinn, die unbedingt mal live erleben zu müssen. Aus diesem Grund erfreue ich mich zwar an dem Aufritt von James Hetfield und Co., bringe ihm aber wohl nicht die Begeisterung entgegen, die er verdient hätte. Ich bin mir aber die ganze Zeit bewußt, wie grandios Metallica spielen.

Völlig fertig und mit Rückenschmerzen nutzen wir nachts den Shuttle-Bus, um zurück zum “Riot Van” zu kommen und dort noch ein wenig Petite Grillage zu realisieren. Selbstverständlich mit einem Schlückchen Rotwein…

[Fortsetzung folgt...]


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