Von Bildern und Skulpturen

Das selbstauferlegte Kryptikverbot wird jetzt hiermit dann auch zurückgenommen, der Leserschutz aufgehoben und die Mainstreamisierung gebremst! Dafür heute im Programm: Selbstschutz, mentale Entlastung und Emotionen. Hell, yeah!

Und mal ehrlich, warum macht man das eigentlich überhaupt? Nein, ich meine nicht die geistige Selbstkastration, die man dann als Zensur auslegt. Ich meine diese allgemeine Unfähigkeit einen Menschen so wahr zu nehmen, wie er wirklich ist. “Die Datei ‘Reales Bild von xy.tif’ kann nicht geöffnet werden.” und dann ist es natürlich einfacher, wenn man sich sein eigenes Bild macht, als nach einem Weg zu suchen, das Original zu öffnen. Herrgott nochmal, die Evolution brachte uns die Faulheit. What an achievement.

Wobei das mit der Faulheit auch wieder relativ ist. Schließlich setzt man sich ja dann an seine imaginäre Töpferscheibe und formt sich, unter Tränen, Schweiß und Blut, den Menschen zu einem ‘besonderen’ Menschen. Eine Skulptur aus realen Positiva ergänzt durch Wunschvorstellungen abzüglich aller realen Negativa. (Die Töpferscheibe als altmodisches Bild für geistiges Photoshopen, der Tonklumpen als PSD-Datei, die Skulptur als Foto in einem Hochglanz-Magazin)

Aber genau da hakt es ja dann auch schon wieder. Am Vergleich sowie am Menschen, denn wir stecken die erstellte Skulptur nicht in den Ofen, damit sie gebrannt wird. Das Bildnis ist als Unvollendete zu betrachten. Nur so können wir immer weiter modellieren und verändern. Der Mensch wird situationsabhängig umgeformt, damit er ins Bild passt. Und wenn man dieses Kunstwerk dann jemandem präsentiert, dann möchte man ja eigentlich, dass er aufspringt und ruft: “Das ist eine Fälschung!” und dann möchte man, dass ein Raunen durch den Saal geht und die Streitkräfte einen aus dem Raum zerren. Am besten aus Raum UND Zeit. Aber das passiert einfach nicht! Denn im Endeffekt töpfert der Gegenüber gerade an seinem Bild von einem selbst und da passt dann natürlich so etwas nicht hinein.Und wozu das alles? Wäre es sonst zu einfach, dieses Lügengebilde, das wir Leben nennen? Genau das ist es doch: ein Lügengebilde! Menschen sind nur dann ehrlich, wenn sie nichts mehr zu verlieren haben. Sie haben aber immer etwas zu verlieren. Und wenn es nur die Skulptur der Person ist, der sie die Wahrheit verheimlichen. (“Wahrheit verheimlichen” als Synonym für anlügen verstehen, bitte. Danke.)

“Herrgott nochmal, wie kann man nur so verdammt stolz sein auf einen Klumpen Ton. Er ist ja nicht mal gebrannt. Du formst ja noch.” möchte man sich irgendwann selbst anbrüllen, weil es ja sonst niemand macht. Und dann holt man mit der Axt aus, die urplötzlich einfach da ist, weil es richtig ist, und dann stürmt man auf die Skulptur zu. Man schreit und hat das Gefühl, der zornige, rote Kopf explodiert jeden Moment. Doch kurz bevor man sein Werk erreicht, um sein Werk zu vollenden, lässt man die Axt fallen, sinkt auf die Knie und legt schützend die Hände um die Skulptur. Bitterlich weinend fleht man um Vergebung und wünscht sich und hofft und betet, dass die Skulptur nur dieses eine Mal doch real ist.

Ja, und manchmal, da denke ich, dass sich mein Inneres und meine äußerliche Erscheinung gegenläufig bewegen.
Heute sehe ich blendend aus!

mein Denkanstoß
Danke, Nina.

Ach, und übrigens: Kommentare sind ausdrücklich erwünscht. (und morgen gibt es dann wieder Pop-Content. …vielleicht.)


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