3 Blicke my ass!

Wenn man mit attraktiven, jungen Frauen die Nacht verbringt, kann man bekanntlich viel lernen. Da bildete die Zeit, die ich mit Rebecca verbrachte keine Ausnahme. Im Gegenteil: In den frühen Morgenstunden führte sie mich ein. Ein in eines der größten Mysterien, das die Welt für uns Männer bereithält. Rebecca erklärte mir das Flirtverhalten von Frauen in der Disco.

Wer von Euch schon mal in einem Club feiern war, der weiß doch ganz genau wie das Spielchen läuft: Die Frauen führen ihren gazellenartigen Balztanz auf, während die Männer wie hungrige Löwen drumherum kreisen. Irgendwann prescht dann einer von ihnen los und versucht eine dieser Gazellen zu reißen. Mal schafft er es zu scoren, mal bekommt er ein Produkt traditioneller Flechtkunst überreicht. That’s the well known law of the bassunterlegte Disco-Jungle.

Während draußen langsam “Schwarz Zu Blau” wurde, erklärte mir Rebecca aber nun tatsächlich, dass gar nicht die Männer, sondern immer die Frauen in der Disco die Initiative ergreifen würden. Das gelinge ihnen ganz ohne auch nur einen Schritt auf den Mann ihres Interesses zugehen zu müssen. Mein skeptischer Blick ließ sie zu einer Erklärung hinreißen: “Frauen machen den Männern Mut zu ihnen zu kommen.” klärte sie mich auf. “Wenn wir einen Mann drei Mal anschauen, dann darf er kommen. Dann soll er sogar.” “Drei Blicke?!?” fragte ich erneut skeptisch und ging im Geiste die Frauen durch, die ich zusätzlich hätte kennen lernen können, hätte ich auf jeden dritten Blick reagiert. Noch bevor ich in den dreistelligen Bereich kommen konnte, erklärte Rebecca weiter: “Der erste Blick ist das Scanning. Da verschaffen wir uns einen Überblick. Der zweite Blick überprüft, ob der Ersteindruck nicht getäuscht hat. Ja, und der dritte Blick ist dann die Aufforderung uns anzusprechen.” So logisch das klang, so unsicher war ich mir, ob das tatsächlich funktionierte…

Bekommt Mann die drei Blicke überhaupt mit?!? Könnte er wirklich auf diese Art und Weise entspannt aus der Deckung punkten?!? War es tatsächlich möglich das Spiel mit nur einem guten Konter zu gewinnen, ohne auch nur einen einzigen selbstständig initiierten Angriff zu starten?!? Das musste getestet werden!

Ich verabredete mich also letzten Freitag mit Lisa und Darja in Düsseldorf, um Rebeccas Theorie eine schmidt’sche Realitätsprobe zu unterziehen. Nach ein paar Bitburger Passionsfurcht(!) und einer Flasche Weißwein (Memo an mich selbst: Unbedingt einen Kasten Jever bei Lisa bunkern), ging es zunächst in ein paar Altstadtlokale und anschließend in den Club. Dort angekommen wurde erstmal die überfüllte Tanzfläche geconquert und das Angebot flüchtig gescant. Dabei traf mein Blick sofort auf den einer ansehnlichen, großen Blondine mit kussfreudigen Lippen und schönen Ta Tas. Blick 1: Check!

Sie tanzte etwa vier Meter neben mir mit ein paar Freundinnen und versprühte zwar nicht die Geborgenheit einer Frau für’s Leben, aber dafür den Reiz eines spannenden Abenteuers. Tja, und da ich von der Frau für’s Leben dank meiner Ex sowieso gerade gehörig die Schnauze voll hab’, erfüllte sie haargenau mein momentanes Anforderungsprofil. Blick 2: Check!

Ich bewegte mich ein wenig auf sie zu und ließ meinen Blick beiläufig streifen. Als er bei ihr ankam, sah sie zu mir rüber. Blick 3: Check!

Ein kurzes Lächeln meinerseits, das von ihr erwidert wurde und ich versuchte mich weiter zu ihr durchzukämpfen. Es folgten Blick 4 und Blick 5. Beide inklusive Lächeln und strahlenden Augen. 3 Meter, 2 Meter, 1 Meter, … Plözlich drängelte sich Darja hektisch an mir vorbei und verschwand wie ein geölter Blitz vom Dancefloor. Hatte jemand die neue Cascada gespielt oder was war da los?!?

Da ich nunmal ein guter Freund bin und kein herzloser Bastard, erkundigte ich mich kurz bei Lisa ob mit Darja alles in Ordnung sei. Sie nickte und ich wandte ich mich beruhigt wieder meinem Flirt zu. Die Nachfragerei hatte vielleicht 12,3 Sekunden gedauert, aber es war genug Zeit für irgend so einen Meterstab mit Brilliant-Ohrringen aus der Kinderabteilung von New Yorker an den Lauschern und einem pomadierten Igel auf dem Kopf, seinen Arm auszustrecken und sich die Frau, auf die ich es abgesehen hatte, einfach zu schnappen. Vor meinen Augen zerrte er die Blondine zu sich und begann mit ihr zu tanzen.

Tja Freunde, 3 Blicke my ass, kann ich da nur sagen! Ab sofort werde ich mir einfach wieder nehmen, was mir gefällt. Bei McDonald’s bestellt man schließlich auch das Fast Food, das man haben will und nicht das, was gerade fertig auf der Warterampe liegt.

Ich jedenfalls verließ den Club an dem Abend wie ich ihn betreten hatte: Nicht allein.


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