Der Vater aller Womanizer

Mit dem Weggehen ist es ja wie mit gutem Essen: Isst man jeden Tag Filet vom Wagyu-Rind, weiß man es irgendwann nicht mehr zu schätzen. Zwischendurch muss man eben zur Abwechslung auch mal einen Hummer oder etwas Kaviar auf den Speiseplan setzen. Genau aus diesem Grund ging ich am Samstag nicht mit den hübschesten Frauen der 80er und 90er in Düsseldorfs Szene-Clubs, sondern traf mich mit Herrn Grob im Kölner Uni-Viertel.

Der Abend begann wie ein unvergesslicher Abend beginnen muss: Mit französischen Limonaden in nicht ganz heterosexuell anmutenden Farben und dem Genuß der letzten Sonnenstrahlen eines schönen Sommertags. Durch diese lichttechnisch perfekt inszenierte Kulisse der besten Stadt der Welt fuhren immer wieder leicht bekleidete Studentinnen auf ihren Fahrrädern, alternative Jugendliche schleppten ihren Kasten Hansa-Pils zum nahegelegenen Gewässer und zu hübsche Männergruppen mit Prilblumen auf der Rückseite ihrer viel zu engen Hose tänzelten zu den Locations, wo sie Gleichgesinnte treffen würden. Köln as Köln can be.

Nach knapp drei Stunden fällten wir eine Entscheidung gegen eine weiteren quitschbunten Franzosensaft und für die Suche nach den leicht bekleideten Studentinnen. Auf diesem Wege konnten wir es uns nicht nehmen lassen, dem Ort unserer gemeinsamen Lesung, dem Blue Shell, einen Besuch abzustatten. Aufgrund des Fahrradmangels vor der Tür kehrten wir aber nicht dort ein, sondern in einer hippen (Oldskool-Vokabular, olé!) Cocktail-Bar.

Freunde, schiebt es auf die Sonne oder darauf, dass ich tagsüber Farbdämpfe eingeatmet habe, aber kaum war ich fünf Minuten in dieser Bar, hatte ich sämtliche Chancen bei einer der beiden gutaussehenden Barkeeperinnen – eine blond, eine brünett – scoren zu können, verspielt: Auf die Frage der Dunkelhaarigen, die uns unsere Getränke rüberreichte, welchen Namen sie auf unseren Deckel schreiben solle, antwortete ich tatsächlich mit “Schmidt.“. Sie quittierte das mit einem fragenden Blick, Herr Grob mit schallendem Gelächter. Ist ja gut, beim nächsten Mal nenne ich meinen Vornamen…

Während mich die Damen hinter der Theke also für einen zurückgebliebenen Zottel hielten, der zum ersten Mal in seinem Leben ausgeht, wurde ich auf der anderen Thekenseite offensichtlich für niedlich befunden. “Du heißt also Schmidt?” fragte mich eine zarte Stimme von der Seite. “Ja, Schmidt. Wie Usher. Oder Eminem.” versuchte ich etwas hilflos die Situation wieder in den Griff zu bekommen während ich meinen Blick in die Richtung wandte, aus der die Stimme kam. Dort wähnte ich zunächst eine ganze Reisegruppe Frauen, musste aber nach zwei Mal blinzeln feststellen, dass es sich doch nur um zwei Exemplare mit Alzheimer-Bulimie handelte, die mich mit glänzenden Augen anlächelten. Sofort war mir klar, heute Abend konnte alles gehen. Am erstrebenswertesten erschien mir in diesem Fall aber die Variante “Ich. Nach Hause. Alleine.”.

Ohne große, schauspielerische Leistung schaffte ich es kein Interesse zu vermitteln und bat Herrn Grob doch bitte die Location zu wechseln. Dieser hatte in der Zwischenzeit die Gelegenheit meiner Ablenkung genutzt und Telefonnummern mit der Barkeeperin ausgetauscht. Mit der Brünetten. Und der Blonden. Diese blickte mich nur mitleidig an und fragte “Schmidt möchte zahlen?“. Ja, Schmidt wollte zahlen…

Der Uhrzeit entsprechend gingen Herr Grob und ich nun in ein angesagtes Tanzlokal, wo ich die aktuellen Erlebnisse erstmal in einer Cola Light ertränken musste. Wir stellten uns direkt vor den drittklassigen DJ, da wir von dort sowohl Bar & Dancefloor, als auch den Eingangsbereich im Auge hatten. Während ich meinen Blick schweifen ließ, machte mir Herr Grob ein Geständnis: “Ich glaube, ich habe mich verliebt.” flüsterte er in mein Ohr. Überrascht und ein wenig geschmeichelt wandte ich mich ihm zu; bereit eine seine Gefühle schonende Rede darüber zu halten, dass er keine falschen Schlüsse aufgrund des rosa farbenen Getränks und meiner langen Haare ziehen sollte. Das war aber gar nicht nötig, denn Herr Grob meinte gar nicht mich sondern die Dame, die er im Arm hielt. Wie hatte er das denn jetzt schon wieder geschafft?!? Ich hatte noch nicht mal die letzten Reste der frischen Abendluft ausgeatmet und er hatte schon die bestaussehendste Frau des Clubs an seiner Seite.

Du riechst sehr gut. Mir gefällt Dein Parfum.” hörte ich sie in sein Ohr flüstern und noch bevor ich eine Erklärung einfordern konnte, zwinkerte mir der Vater aller Womanizer zu und die beiden verschwanden in der tagwerdenden Nacht Kölns. Fassungslos blickte ich ihnen nach als plötzlich die beiden Wuchtbrummen aus der Cocktailbar den Club betraten. Diese interpretierten meinen Blick direkt falsch und zerrten mich auf die Tanzfläche, wo sie mich von beiden Seiten freudig erregt antanzten.

Auf ein Mal drehte sich alles um das Thema “Verdrängung”. Ich wollte gerne dieses Erlebnis verdrängen und die beiden blonden Beth Ditto-Look-a-likes verdrängten auf Grund Ihrer Körpermasse alle um uns tanzenden Menschen. Erst nach einer guten Stunde schaffte ich es aus der engen Manndeckung der beiden zu entkommen und gen Bar zu fliehen. Dort bestellte ich mir erstmal wieder ein Getränk um zu Vergessen. Eine Cola. Diesmal aber ohne Light. Ich brauchte jetzt das harte Zeug…


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