Ein wirklich, wirklich guter Tag #2

Unbedingt vorher lesen: Ein wirklich, wirklich guter Tag #1

Mittwochs hatte mich Lisa überraschend angerufen und angefragt, ob ich freitags mit ihr und ihrer Cousine feiern gehen wolle. Sie sei dieses Wochenende in der Stadt und Lisa würde ihr das Nachtleben zeigen wollen. Ja, und da das zu zweit nur halb so lustig sei, suche sie Begleitungen. Im Idealfall unterhaltsam und männlich. Beides Attribute, unter deren Definition mein Foto im Wörterbuch zu finden ist – wisst Ihr ja. Aber dennoch machte mich das irgendwie stutzig. Immerhin war die letzte spontane Club-Anfrage einer Frau auf eine Gay & Friends-Party hinausgelaufen (remember?!?). Euer Herr Schmidt, a.k.a. Mutter der Porzellankiste, fragte also mal lieber nach ein paar weiterführenden Details. Lisa, die damit gerechnet zu haben schien, versorgte mich mit folgenden Informationen: Ihre Cousine hieß Rebecca und war in einem Alter, das in einer Region lag, in der ich mich zwar nicht strafbar machen würde aber dennoch gewisse Gewissenskonflikte haben würde. (Vielleicht.) Abschließend verkündete Lisa, um die Wirkung wissend, den Satz “Sie ist sexy!”. (Vielleicht aber auch nicht.)

Frisch geduscht aber immer noch nicht rasiert holte ich meinen Cousin ab, den ich mit dem gleichen Satz davon überzeugen konnte mitzukommen, der mir mittwochs die Entscheidung so leicht gemacht hatte. Die Absurdität gerade meinen Cousin mit zu bringen ist mir natürlich von Anfang an bewusst gewesen, aber Lisa hatte nach unterhaltsamen Männern gefragt, und was gibt es unterhaltsameres als einen Schmidt?!? – Richtig, zwei Schmidts! Ergo hatte ich ja überhaupt keine andere Wahl. Außerdem wandelet er schon mehr als ein Jahr länger als ich mit dem “Schmidt’schen Gewissen” auf Urknalls Erden herum und würde mir schon allein deshalb nicht in die Parade fahren. Also, falls…

Nachdem ein kleiner, unbedeutender Denkanstoß meinerseits bezüglich seiner Schuhauswahl dazu geführt hatte, dass mein Cousin sein komplettes Outfit wechseln musste, konnten wir dann auch endlich, mit einer halben Stunde Verspätung, zu den Damen fahren. Diese öffneten uns ihrerseits unfertig und nur 3/4-bekleidet die Türe. (Damn! Wären wir doch bloß pünktlich gewesen.) Aber ob nun vollständig gestylt oder noch 25% davon entfernt, Lisa hatte bezüglich ihrer Cousine nicht gelogen. Die internen Punktrichter gaben ihr 9 von 10 Punkten.

Während sich die Damen zu Ende aufhübschten, wurden wir mit Bier Bitburger abgelenkt. Nach einem Halbliter-Gebinde hatten die Damen ihren Schlachtplan aber bereits abgesprochen ihr Werk schon vollbracht und gesellten sich zu uns. Es begann das übliche Vorglüh-Geplänkel, bei dem ich besonderen Wert darauf legte Rebecca meine Aufmerksamkeit zu schenken. Immerhin war sie ja alleine in einer fremden Stadt und kannte ja außer…. Ach, den Unsinn mit dem Gentlemangehabe glaubt mir eh keiner. Ihr wisst doch schon längst bescheid.

Zwei Flaschen Weißwein später waren wir dann im Club und tauschten die interessanten Gespräche gegen den Dancefloor (sagt man heute so, oder?!?) ein. Kaum hatte Rebecca einen Schuh auf eben diesen gesetzt, fing ihr Körper an mich mit perfekt inszenierten, rythmischen Bewegungen zu hypnotisieren. Ich wiederum hielt mir repetitiv ihr Alter vor Augen. Mein Mantra für diesen Abend war also gefunden, doch…

(Moment. Telefon.)

(Meine Mutter…)

(…kleinen Augenblick noch.)

(Ja…mhm…stimmt schon.)

(Okay, mein Vater möchte mich auch noch sprechen.)

(Sekunde.)

(Alright!)

So, wo war ich?!? Jedenfalls war ich mir an diesem Morgen, um kurz nach 6:00 Uhr, als ich die Bäckerei mit einem Stuten verließ, um mich in mein Cabrio zu setzen und nach Hause ins Bett zu fahren, sicher, dass dieser Freitag ein wirklich, wirklich guter Tag war.

(…und wieso werde ich das Gefühl nicht los, hier irgendwas vergessen zu haben. Seltsam.)


Tags: · ·