Herr Schmidt vs. K.I.Z.
Da ich mehrfach mein fehlendes Verständnis für die Berliner K.I.Z. und den Hype um sie geäußert habe, hat mir die liebe Johanna kurzerhand ein paar Hörproben zukommen lassen. Diese habe ich mir heute mal in aller Ruhe angehört und entsprechend kommentiert. Was also dabei herauskommt, wenn ein Rocker, der zwar Hip-Hop hört aber nichts mit Gangstaaaa-Rap anfangen kann, K.I.Z.s “Sexismus gegen Rechts” hört, könnt Ihr mit einem Klick lesen.
01 Rohmilchkäse
Ich muss zugeben, der Song hat mich amüsiert. Besonders das Ende.
02 Lass die Sau raus
Grenzwertig. Dieser Song ist in meinen Ohren Grenzwertig. Selbst unter dem Gesichtspunkt, dass Zeilen wie “Du hinterlässt braune Streifen wie Leni Riefenstahl” eine gewisse Kreativität versprühen.
03 Halbstark
Die Yankees zu covern bzw. zu samplen finde ich schon mal gut. Textlich gibt es ein, zwei Aussetzer. Grundsätzlich aber vermutlich vergleichbar provokant wie das Original 1965.
04 Rauher Wind
Großartiger Song! Ernsthaft! Gesellschaftskritik in schmidtkompatibelster Form.
05 Eintritt
Geht gar nicht. Vermutlich musste so ein Song folgen, um die Zielgruppe nicht zu überfordern.
06 Ohrfeige
Nette Persiflage auf diese Welle unterträglichen R’n'Bs. (Nichts gegen R’n'B im Allgemeinen, nur im Speziellen)
07 Straight Outta Kärnten
Endlich mal ein klar erkennbares Statement gegen Rechts. Nach dem inflationären Sexismus wurde das ja auch mal Zeit.
08 Selbstjustiz
Wenig zielgerichtete Krititk. Der Song hat sicherlich seine textlichen Stärken und gehört für mich zu den besseren des Albums, aber ich komme halt nicht so auf diese “Alles ist Scheiße und alle sind Verbrecher”-Mentalität klar.
09 Scheiterhaufen
Mir bluten die Ohren.
11 Preisschild
Zu diesem Song würde ich tatsächlich feiern wollen. Also, welcher DJ hat den Mut “Preisschild” in einem Düsseldorfer Club zu spielen?!?
14 Das System
Den Sound assoziiere ich irgendwie an Miami Vice. Ansonsten finde ich es lustig, dass mal nicht über die exorbitante Größe des männlichen Geschlechtsteils gerapt wird. Einmal hören, schmunzeln und gut ist.
17 Töten
Auch hier ist der Sound wieder genau meine Kragenweite. Wäre da doch nur nicht der Text…
Insgesamt habe ich jetzt etwas mehr Verständnis dafür, dass die Kritiker K.I.Z. gut finden. Einzelne Songs könnte ich mir sogar in meiner iTunes-Bibliothek vorstellen (bspw. “Preisschild”). Grundsätzlich wird diese Art der Musik aber niemals zu meinen Favoriten gehören…
Tags: CD · K.I.Z. · Kritik

2. August 2009
21:39 Uhr
Antworten
Immerhin ehrlich, das ist schonmal sehr lobenswert. Ich hatte ja auch meine Bedenken/Schwierigkeiten, mich bei K.I.Z. einzufinden – um ehrlich zu sein, ist es auch überhaupt seit diesem Album so. Naja, und nachdem ich sie mal privat kennengelernt und mit ihnen getrunken habe – die sind nämlich tatsächlich ziemlich nett und umgänglich. Mein einziges Problem ist noch, deren Sachen laut im Auto zu hören. Denn “Ich habe Dir früher in den Ar*ch gef*ckt, aber bitte wer hat Dir ins Gehirn gesch*ssen” könnte ich so schnell nicht erkären. Will ich auch nicht.
Grundsätzlich aber sehr feine Beats und textlich das, was man erwartet, wenn man ein K.I.Z.-Album hört. Streckenweise sogar etwas mehr. Vor allem aber: ein Spiegel für so Vollopfer
wie Bushidsen oder Flerinski. Allein: die verstehens nicht.
4. August 2009
10:01 Uhr
Antworten
Ach lieber Herr Schmidt, ich bin auf jeden Fall sehr stolz auf Sie, dass Sie es durchgezogen haben!
Und mit dem Ergebnis bin ich ja auch schon mal ganz zufrieden. Aber die Ironie bei Selbstjustiz ist Ihnen irgendwie entgangen, ja? Nein? Scheiterhaufen kann ich im übrigen auch einfach nicht hören. Es geht nicht. Seien sie mal froh, dass ich Ihnen nicht noch “Ringelpiez mit Anscheissen” geschickt hab…
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