Mein Freund, die Schrankwand
Schon zu der Zeit, zu der ich die Schulbank drückte, erzählte man sich in der Blade City seit Jahrzehnten Mythen und Sagen über Gian. Gian war damals™ bereits eine lebende Legende, obwohl er in dem gleichen Jahrgang einer weniger gymnasialen Schule, wie der meinen war. Um dieses vermeindliche Paradoxon zu erklären, bedarf es einer kleinen Ausführung:
Die äußere Erscheinung Gians ist eigentlich kaum in Worte zu fassen. Es handelte sich bei ihm um einen 2,45 m großen, 1,86 m breiten, muskelbestückten Nordafrikaner, dessen Gesichtsausdruck nur drei Formen kannte: Wut, Zorn und Raserei. Würde man Gian mit einem IKEA-Möbel beschreiben, wäre er die Filiale Köln-Godorf. Würde man ihn mit einem PKW vergleichen, wäre er ein LKW. Würde man ihn mit einem Land gleichsetzen, wäre er die Eurasische Platte. Na, Ihr wisst schon.
Während ihm seine massige Optik ein störungsfreies Leben garantierte, welches nur ab und an durch ein paar halbstarke Trunkenbolde gestört wurde, die er kurzerhand mit dem kleinen Finger krankenhausreif streichelte, waren die kopfseitigen, inneren Werte eher hinderlich. Er war das klischeehafte Paradebeispiel für die gegensätzliche Entwicklung von Muskel- und Hirnmasse. Mathe: ungenügend, Englisch: ungenügend, Physik: ungenügend, Deutsch: ungenügend, aber dafür Fratzengeballer: sehr gut mit Sternchen. Die einzige Chance für ihn, vielleicht doch noch den nächst höheren Jahrgang zu erreichen, wäre die Einführung der Prügelstrafe gewesen. Als Unterrichtsfach. Da dies aber eher unwahrscheinlich war, begann er schon im zarten Alter von 12 Jahren damit, die Einlasskontrolle der bergisch-rheinischen Nachtclubs zu regeln, um sich eine Existenzgrundlage zu schaffen.
Diesen Spagat zwischen schlechten Noten und guter Arbeit machte Gian noch eine ganze Weile, bis er im Jahre 2000 ein Stipendium für die Türsteher-University zu Cambridge bekam. Seitdem ist er Prof. Dr. porta und verzichtet auf die intellektuelle Erniedrigung am Vormittag und erniedrigt lieber selber nach Sonnenuntergang.
Ja, und was die Sache mit unserer Freundschaft angeht: Wir kennen uns überhaupt nicht persönlich, aber es ist für jeden Solinger besser, Gian als Freund zu verzeichnen. Es sei denn man möchte den lokalen Zahnärzten aus der Wirtschaftskrise helfen.
Tags: Fratzengeballer · Türsteher

9. Juni 2009
10:29 Uhr
Antworten
Und ich dachte jetzt kommt Heimwerker-Content.
Trotzdem klasse – vor allem die drei Gesichtsausdrücke.
9. Juni 2009
10:38 Uhr
Antworten
Prof. Dr. Porta!
Wie geil!
Text: 1
setzen smithy!
9. Juni 2009
10:38 Uhr
Antworten
Jetzt bin ich etwas vewirrt.
Wenn du den Gian meinst…..der ist doch gar kein Nordafrikaner oder? {editiert von Herrn Schmidt himself}
9. Juni 2009
11:22 Uhr
Antworten
Harte Schale, werter Herr Schmidt, und weicher Kern trifft es in diesem all wohl eher nicht …
Herzlich
Ihr Erdge Schoss
9. Juni 2009
11:23 Uhr
Antworten
Bei der Gelegenheit würde ich gern ein F kaufen.
9. Juni 2009
12:00 Uhr
Antworten
das fand ich schon immer doof. die überdurchschnittlich starken haben immer mehr freunde als die überdurchschnittlich klugen.
9. Juni 2009
12:11 Uhr
Antworten
Wenn am Morgen der Wecker klingelt, kennt mein Gesichtsausdruck auch nur Wut, Zorn und Raserei. Wenn ich PMS habe, auch. Oder wenn sich die Schwägerin ankündigt. Oder es Montag ist. Oder…
Sagen Sie, Herr Schmid, ob Gian wohl eine verschollene Schwester haben könnte?!
9. Juni 2009
12:43 Uhr
Antworten
Gott sei Dank, werter Herr Schmidt, könnte Gian hier niemals einen Kommentar hinterlassen. Der Gutste würde an der Spamausrechnung scheitern.
Ach ist das schön laufen Sie wieder zur Höchstform auf! Isch freu misch!
herzlichst und du kommst hier nid räin
Ihre DiVa
9. Juni 2009
12:56 Uhr
Antworten
Ääähh, darf ich bitte noch die Kontaktdaten von Gian haben, oder schlägt er keine Frauen???
9. Juni 2009
13:09 Uhr
Antworten
@ Herr Olsen: Heimwerker-Content?!? Da bringst Du mich auf eine Idee. Besten Dank, Herr Olsen!
@ Pssst!: Merci vielmals für das Lob.
@ Floh82: *räusper* Es hat schon seine Gründe, weshalb der Text da oben so steht wie er steht.
@ Erdge Schoss: Hier darf man getrost von harter Schale und weichem Hirn sprechen, werter Herr Schoss.
@ der.grob: Dann können Sie sich ja vorstellen, wie wenig Freunde ich habe, wo ich doch weder überdurchschnittlich stark noch überdurchschnittlich schlau bin. Aber dafür bin ich überdurchschnittlich gutaussehend, werter Herr Grob. Das verschafft mir zumindest viele Frauen.
@ Krisenmanagerin: Ausschließen möchte ich das nicht. Haben Sie denn nordafrikanisches Blut in Ihren Adern, werte Frau Krisenmanagerin?
@ Die DiVa: Er kann aber trotzdem jederzeit an meiner Türe klingeln und sich schlagfertig für den Beitrag bedanken, liebe DiVa. Das macht mir da viel mehr Sorgen.
@ Sabine: Du möchtest seine Kontaktdaten haben damit er Dich schlägt?!?
9. Juni 2009
13:34 Uhr
Antworten
Ob in meinen Adern nordafrikanisches Blut fließt? Da fließt überhaupt kein Blut. Nur Gift. Und flüssige Schokolade.
Na gut, ich sehe schon, Sie wollen bei der Familienzusammenführung nicht behilflich sein. Ist gut, Herr Schmid.
9. Juni 2009
14:06 Uhr
Antworten
@Herr Schmidt:
Schon klar…war auch etwas unbedacht von mir es so zu schreiben. Schuldig im Sinne der Anklage
9. Juni 2009
16:41 Uhr
Antworten
@herr schmidt – und männer, nicht zu vergessen.
9. Juni 2009
18:30 Uhr
Antworten
Hamburg und Colchester haben ganze Stadtteile voller Gians.
9. Juni 2009
18:35 Uhr
Antworten
Muss da innerlich jemand lachen, Herr Schmidt?
9. Juni 2009
18:53 Uhr
Antworten
@ Krisenmanagerin: Gift und flüssige Schokolade – welch’ verführerische Kombination. Sie können aber schon bei Sonnenlicht nach draußen gehen, oder werte Frau Krisenmanagerin? Oder zerfallen Sie dann zu Staub?
@ Floh82: Ja ja, das Internet birgt so manche Tücke.
@ der.grob: Eigentlich nur einen Mann, werter Herr Grob. Sie!
@ DerTim: Wenn ich so überlege, kann es sogar sein, dass diese Türsteher-University in Colchester und nicht in Cambridge war.
@ Johanna: Netter Song! Inhaltlich großartig, vom Beat her aber zu puristisch für mich.
Es gibt genug Typen, vor denen ich damals™ Respekt hatte und über die ich heute lache. Gian gehört aber nicht dazu. Im Endeffekt hat er ja alles richtig gemacht und seine Skills positiv eingesetzt. ^^
9. Juni 2009
20:54 Uhr
Antworten
Unglaublich, was Du aus “Deinem Freund, dem Baum” gemacht hast… BARBAR! Ich werd Dir die Hammelbeine langziehen… kannawohlnichsein!
10. Juni 2009
08:03 Uhr
Antworten
Ich erkenne mich in Gian wieder. Nur umgekehrt. Klug bin ich allerdings auch nicht
10. Juni 2009
09:24 Uhr
Antworten
@ Parkster: Du hast ja ü-ber-haupt keine Ahnung was ich aus diesem übermäßig beringten Im-Weg-Rumsteher gemacht habe.
@ juf: Und in welcher Klasse sind Sie gerade, werter Herr Fitz? Quinta?
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