Meine Fahrtreppenphobie

Ich verrate Euch jetzt ein bis dato streng gehütetes Geheimnis. Ich nehme Euch praktisch mit in den Kern meiner Existenz und öffne die Bundeslade des Herrn Schmidt. Ich ziehe mich  – bildlich gesprochen – aus und lege mich nackt vor Euch auf den Rücken. Freunde, ich habe Angst Schiss Respekt vor Fahrtreppen. Und das kam so.

Fahrtreppe

Im zarten Alter von acht Jahren war ich in einem großen Blade City Kaufhaus, um dort nach altersgerechten Freizeitfüllern zu fahnden. Ich machte mich also mit der Absicht, für die nächsten Stunden die LEGO-Regale zu belagern, auf in die Spielwaren-Abteilung, die sich in der ersten Etage befand. Mangels Führerschein und Monatskarte hatte ich meine Mutter mit dabei. Nicht nur als Chauffeuse und Finanzier eine bereichernde Begleitung in diesen Tagen, leistete sie mir geduldig Gesellschaft, konnte aber trotz aller Bemühungen nicht mit meiner damals schon unmenschlichen Ausdauer mithalten. Eine Eigenschaft, die ich übrigens auch heute noch mein Eigen nennen darf. Allerdings spiele ich heute nicht mehr mit LEGO sondern mit erwachsenen Barbies.

Meine Mutter machte sich also nach einer guten 3/4-Stunde auf den Weg in die Haushaltswaren-Abteilung im ersten Untergeschoss und versicherte mir, mich in Kürze abzuholen. So spielzeugafin ich damals™ auch war, so schisserig war ich auch. Nach fünf Minuten, vielleicht waren es auch nur vier, wurde mir der Blick des Verkäuferinnenungeheuers doch etwas ungeheuer und ich beschloss den Abstieg in die Haushaltswaren zu wagen. Schnell die Fahrtreppe, umgangsprachlich auch als Rolltreppe bezeichnet, ins Erdgeschoss genommen und direkt weiter zur nächsten. Dort kam es dann zum Eklat. Wie gewohnt hielt ich mich an dem schwarz gummierten Handlauf fest und wollte gerade die heranrasende Trittplatte betreten, als ich im Augenwinkel meine werte Mutter zu sehen glaubte. Meine Füße blieben im daraufhin Erdgeschoss stehen, aber meine Hände zog es in Richtung Untergeschoss. Panisch versuchte ich in besorgniserregender Schräglage Zentimeter um Zentimeter wieder an Höhe zu gewinnen. Meine Hände schoben sich wie die Zylinder eins KFZ-Motors immer wieder vor und zurück, bis ich wieder eine einigermaßen horizontale Position einnehmen konnte. Den wirklich sicheren Stand verschaffte mir aber schlussendlich eine rüstige Renterin, die mich unfreundlich aber bestimmt nach hinten zog, um endlich die Fahrtreppe nutzen zu können.

Nach einer kurzen Verschnaufpause schaffte ich die Fahrt ins Untergeschoss dann doch. Trotzdem hat mich diese Erfahrung so nachhaltig geprägt, dass ich nachwievor kurz innehalte bevor ich die Trittplatte der Fahrtreppe betrete. Aber so ist das: Das Kaufhaus steht mittlerweile leer und wird bald gesprengt, aber die Phobie ist immer noch da.


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