Nahtoderfahrung

Es steht jetzt eindeutig fest, ich brauche eine Haushaltshilfe! Das ist jetzt nicht so, dass ich die Arbeit nicht zeitlich hinkriegen würde oder meine Hausarbeits-Skills unterentwickelt seien – also mal abgesehen von der mangelhaften Experience auf Hemdenbügeln – aber das ist doch lebensgefährlich. Ich säge Euch kettengetrieben den Garten klein und bohr Euch mit Schlagunterstützung in luftiger Höhe eine Sieboptik in die Hauswand, aber bleibt mir weg mit Bügeleisen und Co.

Gestern war es wieder soweit: Die Wäschetonne neben dem Badezimmerschrank war bis weit über den Eichstrich gefüllt, während gleichzeitg der Mindestbestand an Kleidung im Schrank weit unterschritten war. Hier gab’ es nichts mehr zu prokrastinieren, ich musste mit der Waschmaschine in den Ring. Man kann sich ja auch nicht immer durch die Herrenbekleidungsabteilungen fräsen und neu einkleiden, nur weil einen leere Bügel aus dem Kleiderschrank anstarren. Ich hab’ also all’ meinen Mut und die gesamte dunkle Dreckswäsche zusammengenommen und die “Trommel des Todes” befüllt. Schnell noch Waschpulver und Weichspüler hinzugegeben und mit schwitzenden Händen den Deckel zugeknallt. 40°C mit Schleudergang – das Waschprogramm und mein Körpergefühl.

Es war nichts passsiert! Und kaum hatte ich mich zwei Stunden später wieder aklimatisiert, hörte ich auch schon das unheilvoll klingende Piepen aus dem Badezimmer. Die Wäsche war fertig. Da bei dem Befüllen aber alles so reibungslos abgelaufen war – und ich einen dringendes Date in dem Restaurant “Zum Goldenen Tor” hatte – stürzte ich mich ohne zu Zögern in den Kampf mit meinem Toploader. Ein Riesenfehler!

Wasser abgestellt, Maschine aus und Deckel auf. Bis dahin kein Problem. Erst jetzt sollte das Schicksal seinen Verlauf nehmen. Ich drehte an der Trommel, um die Zugriffsluke nach oben zu bekommen, wurde dabei aber von dem gegenläufig argumentierenden Schwerpunkt überrascht. Dieser setzte sich ob meiner Unvorbereitetheit durch, zog die Trommel zurück in die Ausgangsposition und schabte mir völlig entspannt die Fingerkuppe meines rechten Zeigefingers ab. Wer von Euch schon mal intensiv eine Gemüsereibe gestreichelt hat, weiß wovon ich spreche.

(und bei Flickr)

Die Wunde hat noch die ganze Nacht Blut ausgeschwitzt. Dabei ist dann sogar mein Laken in Mitleidenschaft gezogen worden; trotz Verband. Als ich heute Morgen dann mit dem blutigen Bettlaken in mein Badezimmer gekommen bin, hat mich meine Waschmaschine blutrünstig angeschaut. Ihr versteht, dass ich jetzt erst recht nicht mehr selber Hand an meine Haushaltsgeräte legen kann. Ich umgehe die Viecher jetzt lieber weiträumig “und ich schlafe in der Dusche / Weil die Dusche zu mir hält. / Sie ist der einzige Freund / Den ich noch habe auf der Welt“.

Sollte jemand von Euch eine zuverlässige Haushaltshilfe kennen oder gar selber Interesse an dem Job haben, meldet Euch. Brünette Mitzwanzigerinnen bevorzugt.

(…und für Hartgesottene gibt es hier die unzensierte Wunde. Warnung! Ist Hardcore!)


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