Wahlkampf #1

Wie eine Frau an ihren Tagen, deren Geschichte voller Mißverständnisse ist, braucht die Blade City einen neuen OB. Damit der geneigte Bürger auch gut informiert ist und bloß den richtigen Kandidaten wählt, betreiben die Parteien einen unerbittlichen Wahlkampf. Ich wähne mich nun als personifizierten Kollateral-Schaden dieses Kampfes und habe mich dazu entschlossen die Parteien über meinen Unmut zu informieren. Die eMails, die ich an die entsprechenden Verantwortlichen richte (und auch die Reaktionen darauf), werde ich hier veröffentlichen.

Heute: Sozialdemokratische Partei Deutschlands, kurz: SPD.
OB-Kandidat: Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver.

Sehr geehrter Herr Dr. Müller-Stöver,
Sehr geehrte SPD Solingen,

wie ich gelesen habe, möchten Sie “eng verbunden mit [...] den Bürgerinnen und Bürgern.” als Oberbürgermeister die Stadt Solingen regieren. Ein grundsätzlich lobenswerter und unterstützenswerter Ansatz. Wie “eng und verbunden” das dann später aussehen soll, zeigen Sie ja auch beeindruckend auf Ihren Wahlplakaten, die man zurzeit in der Blade City – so nennen wir jungen Menschen die Klingenstadt scherzhaft – sehen kann. Sie zeigen sich mit Bürgern unterschiedlichen Alters und geben sich damit betont volksnah. So klischeehaft wie es ist, wirkt es auf mich persönlich eher abschreckend. Aber ihre Fanbase wird Sie dafür lieben.

Noch bis vor einer Woche hätten Sie mich aber trotz dieser Plakate als potenziellen Wähler verbuchen können. Immerhin haben Sie sich ja nicht mit einem Neugeborenen auf dem Arm von der Presse fotografieren lassen, nicht wahr?!? Jetzt muss ich Ihnen aber bedauerlicherweise mitteilen, dass Sie meine Stimme nicht bekommen werden. Wie das passieren konnte?!? – Lassen Sie mich es Ihnen zeigen:

(und bei Flickr)

Seit dem 01.08.2009 schauen Sie fröhlich grinsend in mein Wohnzimmer und machen somit den Ausblick zu einem 24 Stunden andauernden Wahlwerbespot für Ihre Partei. Nehmen Sie das jetzt bitte nicht persönlich, werter Herr Dr. Müller-Stöver, aber ich könnte mir da schönere Anblicke vorstellen. Ich fand’ zum Beispiel die Optik ganz ohne Wahlplakat gar nicht so schlecht. Wenn Ihre Partei aber schon mit Kabelbindern und Wahlplakat bewaffnet ausgerechnet die Straßenlaterne vor meinem Wohnzimmerfenster ‘verschönern’ möchte, dürfte ich mir dann vielleicht eine hübsche, junge Dame aus Ihrer Partei wünschen? Vielleicht haben Sie ja auch eine Tochter, die Sie im Wahlkampf unterstützen möchte?!?
Wie gesagt, ansonsten fände ich auch die Aussicht ohne Plakat ziemlich in Ordnung. Vielleicht kann man da ja was machen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute für den Wahlkampf und das Ihnen die Parteikollegen aus Berlin nicht noch mehr Image-Knüppel zwischen die Beine werfen.

Beste Grüße,

Ihr Herr Schmidt

PS: Der Bürgersteig vor meinem Haus ist übrigens etwas wartungsbedürftig; besonders die Absenkung vor meiner Ausfahrt. Meine Nachbarn, deren Bürgersteig vollkommen intakt ist, machen sich immer lustig über mich, weil bei mir alle 14 Tage das Unkraut aus den Rissen wächst. Was können Sie mir denn da als bürgernaher Kandidat verbindlich zusagen, um mich doch noch zu einer Stimme für Sie und Ihre Partei hinreißen zu lassen? Man sagt doch immer so schön, “eine Hand wäscht die andere”, nicht wahr?!?

PPS: Diese eMail – sowie Ihre Reaktion – werde ich im Übrigen auf meinem Blog veröffentlichen. Das Volk soll ja schließlich informiert sein.

Dann warten wir doch mal ab.


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