Ein Abschied #3 – “Die letzte Fahrt”

Was bisher geschah: #1, #2.

Mein Zögern quittierte der VetMed mit dem Vorschlag, ich könnte es ja noch einen Moment beobachten und dann gegebenenfalls später erneut anrufen, wenn ich vorbei kommen wolle. Gesagt, getan! Zusammen mit der Miss versuchten wir den Käfig so zu sichern, dass Blade nicht mehr nach oben klettern konnte, stellten seine Hütte in das Erdgeschoss und versorgten ihn mit Wasser und Futter. “Mach Dir keine Sorgen: Blade ist ein Kämpfer!” sagte ich zu meiner Miss. Mehr um mich selbst, als sie zu beruhigen. Zwei Anfälle später – Blade war mittlerweile halb in seiner Hütte verschwunden – rief ich den Tierarzt erneut an und kündigte mein Erscheinen an.

Mit Blade auf dem Beifahrersitz fuhr ich durch die Blade City. Er saß ruhig in seiner Transportbox als wäre alles in Ordnung. Mein Kopf spielte derweil verrückt: Erinnerungen an die vergangenen Erlebnisse mit ihm blendeten ineinander über, Vermutungen zu der Ursache seines Verhaltens setzten sich immer wieder neu zusammen… …und welches verdammte Lied passt zu so einer beschissenen Situation?!? Die Antwort darauf war: Keins! Also alle! Denn jeder Song war besser als diese Stille, die lediglich durch das sonore Geräusch des Motors untermalt wurde.

Während die akustische Version von Biffy Clyros “Mountains” lief, fuhr ich den Obamster, der mir nach den ganzen unschönen Erlebnissen im letzten Jahr Trost und Freude gespendet hatte, der mir meine Eierlikör-Ostereier wegfuttern wollte und der so ungewöhnlich zutraulich war… diesen Hamster, bei dem ich immer dachte, ich würde nie so eine enge Bindung aufbauen können wie zu einem Hund oder einer Katze… Blade… Während die akustische Version von Biffy Clyros “Mountains” lief, fuhr ich Blade in den sicheren Tod.

Bei der Tierarzt-Praxis angekommen, öffnete mir die Frau Doktor die Türe. Sie war die Spezialistin für Kleintiere und mir in diesem Moment wesentlich lieber als ihr Mann, der telefonisch bereits die Todesspritze aufzog. Vielleicht könnte sie ja doch noch…

Sie tat ihr Möglichstes, aber ihre Diagnose war ausweglos: Blade hatte Wasser in der Lunge. Die Ursache war ein Herzfehler, der genetisch bedingt war. Es lag also nicht an dem Käfig oder irgendwelchen anderen Dingen, die durch meinen Kopf gegeistert waren. Theoretisch hätte es an jedem Tag, der vergangen war, bereits ausbrechen können. Er hatte aber 1 1/2 Jahre durchgehalten (“Mach Dir keine Sorgen: Blade ist ein Kämpfer!“) und ich mag den Gedanken, dass er so lange gekämpft hatte, bis er mich ruhigen Gewissens an die Miss übergeben konnte.

Um 0:11 Uhr in der Nacht zum Samstag, ging der Daywalker für immer.

Wo auch immer Du jetzt bist, Blade, keep on rockin’! …und schau ab und zu mal hier vorbei!

Schmidt 4.0
Blade, der Obamster (01.02.2009 – 07.08.2010)

Merci vielmals, dass Sie auch heute wieder eingeschaltet haben. Keep on rockin’! …und Tschüss!
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(Eure Fragen an mich: springform.herr-schmidt.de)


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