Herr Schmidt.

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Author: Herr Schmidt (page 1 of 217)

Fairarscht …oder: Im Glashaus mit Steinen werfen

Vor ein paar Tagen habe ich auf dem Grabbeltisch einer überregionalen Buchhandels-Kette das Buch „Fairarscht – Wie Wirtschaft und Handel die Kunden für dumm verkaufen“ entdeckt und mitgenommen. Zum Einen, weil mich das Thema interessiert und zum Anderen, weil ich die Autorin Sina Trinkwalder und ihr Engagement für eine regionale und faire Textilproduktion sehr schätze. Über Twitter und Co. habe ich damals den Aufbau Ihres Labels manomama verfolgt und versprach mir ein reflektiertes, aufklärendes Buch…

Nach dem 70 Seiten umfassenden ersten Abschnitt bin ich mir nicht sicher, ob ich das Buch weiterlesen oder weglegen soll. Eigentlich ist gerade ein unbändiger Drang in mir, dieses Buch zu verbrennen. Ernsthaft! Die Aussagen über den Handel und wie er die Konsumenten geschickt in die Richtungen lenkt, die in einem übersättigten Markt einer Wohlstandsnation noch einigermaßen Profit versprechen, sind sicherlich richtig, wenn auch nicht bahnbrechend neu oder gar irgendwie investigativ. Vermutlich fällt aber dem Großteil der Leser dieses Buchs mit jedem neuen Absatz die Kinnlade auf den Schoß, weil sich nun mal die wenigsten Konsumenten Gedanken über ihr Kaufverhalten machen. Das Buch wird also eine Berechtigung haben, da bin ich mir sicher.

ABER muss man in einem Buch, welches sich mit unfairen Produktionsbedingungen, wachsenden Müllbergen, der Privatisierung von Trinkwasser, den hungernden Menschen in Entwicklungsländern und der Ausbeutung unserer Umwelt befasst, wirklich abfällig über Menschen mit Intoleranzen äußern? Muss man sich über die Menschen lustig machen, die nicht nur für sich, sondern eben für das Wohl von Umwelt und Tier, auf eine vegane Ernährung einlassen?

Sina Trinkwalder stellt die deutschen Konsumenten als Fake-Allergiker dar, die nur durch die Wirtschaft und deren Marketing auf ein Mal gluten- oder laktoseintolerant geworden sind. Die Vorstellung, dass der Kauf von gluten- oder laktosefreien Produkten Teil einer insgesamt vielleicht nur gluten-/laktose-reduzierten Ernährung ist und die „Frei-von“-Produkte zusammen mit dem Weizenmehl und der Kuhmilch in den Einkaufskorb wandern, kommt ihr nicht in den Sinn. Einem aufgeklärten Konsumenten ist es sehr wohl bekannt, dass Gluten und Laktose – wie so ziemlich alles – nur in bestimmten Mengen gut ist.

Noch schlimmer als ihre Ansicht zu den Intoleranzen, ist ihre überheblich-altmodische und leider sehr unreflektierte Ansicht zum Thema Veganismus: Sina Trinkwalder stellt die veganen Konsumenten als dumme Schafe dar, die sich die als Lebensmittel getarnten Chemie-Bomben der Industrie und den neu-verpackten Analog-Käse zu überteuerten Preisen aufschwatzen lassen. Den wachsenden Markt belächelt sie als geschickten Schachzug eines Wirtschaftszweigs, während gleichzeitig immer wieder romantisierend von Opas Rauchfleisch und dem selbst gerupften Bio-Hähnchen erzählt wird, und spricht den „glutenfreien“, „eifreien“ und „laktosefreien“ Produkten allumfassend den Geschmack ab. ..zumindest allem, was  sie auf der ANUGA 2015 zu Gesicht bekommen hat.

Wie genau sie sich aber eine gerechte Verteilung der Lebensmittel vorstellt, wenn der Großteil der produzierten Nahrung in Entwicklungsländern in die westliche Tierindustrie wandert und welche Alternative zum Verzicht oder zumindest der drastischen Reduzierung von tierischen Produkten sie sieht, verrät sie nicht. Das ist alles sehr schade, denn sie verprellt mit ihrer romantisch-verklärten und traditionsgeprägten Einstellung, dass ein gutes Stück Fleisch zu einem leckeren Essen und Kuhmilch in den Käse gehört, die Menschen, die von ganz alleine darauf gekommen sind, dass hier irgendwas schief läuft. Menschen, die nicht nur darauf achten, dass ihre Nahrung tierleidfrei ist, sondern die (in der Regel) auch bewusst Kleidung kaufen: fair, nachhaltig, tierleidfrei. Menschen, die sich selbst so aufgeklärt haben, dass man ihnen nicht mehr erzählen muss, wie allgegenwärtig und böse Konzerne wie Nestlé, Coca-Cola, Mondelez, Monsanto und Co. sind. Menschen, die eigentlich dasselbe wollen wie Sina Trinkwalder: Einen transparenteren, verantwortungsvolleren Konsum und eine gerechtere Welt für alle.

Merci vielmals, dass Sie auch heute wieder eingeschaltet haben. Keep on rockin’! …und Tschüss!
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(Jeden Tag haben wir die Wahl und können diese Welt ein Stückchen besser machen. Ganz unabhängig von periodisch wiederkehrenden Stimmabgaben. Just think about it!)

 

Don’t call it Käse!

Ach, würde es Armutszeugnisse auf einem Abreißblock geben, man sollte meinen, sie lägen im Europäischen Gerichtshof aus. Anders wäre der Aufwand viel zu hoch, betrachtet man die Vielzahl der verschiedenen Punkte, für die sich die werten Herren ein eben solches ausstellen müssten…

Was ist passiert? Am 14.06.2017 hat der EuGH, wie der Europäische Gerichtshof von seiner Mutter gerufen wird, entschieden, dass Milch und deren Weiterverarbeitungsprodukte aus einem Lebewesen kommen müssen, um „Milch“, „Butter“, „Quark“, „Joghurt“, „Käse“, etc. heißen zu dürfen. Kommt die FvbaM (Flüssigkeit vormals bekannt als Milch) aus einer Pflanze, dann aber – Himmel hilf – doch wohl auf gar keinen Fall.
Fassen wir also zusammen: Kommt die Flüssigkeit aus der Kuh? – Milch. Kommt die Flüssigkeit aus Hafer? – Keine Milch. Ist der Laib aus Muttermilch von der Nachbarskatze? – Käse. Wurde eine Flüssigkeit aus Soja genutzt, um den Laib herzustellen? – Alles, aber kein Käse.

Warum  beschäftigen sich die Gerichte mit so einem Nonsens, statt sich um wichtige Dinge zu kümmern? – Gute Frage. Offiziell geht es hier um den Schutz der Verbraucher. Denn, mal ehrlich, wer kennt es nicht: Man geht nichts böses ahnend in den Supermarkt, um ein Paket alten Leerdammer zu kaufen und *Zack!Bumm!* findet man sich plötzlich mit einer Scheibe veganem Ersatzprodukt auf dem Frühstücksbrötchen wieder…
…und schon schwebt man in aller höchster Lebensgefahr?!?
…und keine Sekunde später bekommt man so richtig fiesen Ausschlag?!?
…und der Höllenschlund öffnet sich unter dem Frühstücksbrettchen, um die Armeen der Finsternis über Wuppertal-Elberfeld hereinbrechen zu lassen?!?
Oder – ja, muss man sich mal vorstellen: Am Ende schmeckt es vielleicht sogar und man kauft das Produkt nochmal. Bewusst. Nicht aus Versehen. Und der alte Leerdammer, der sonst immer mit den Äpfeln und der Küchenrolle im Einkaufswagen mitfahren durfte, schaut traurig hinterher, während der ungeliebte Adoptivbruder „Veggie-Cheese“ sich den Fahrtwind um die Verpackungsecken wehen lässt.  …und wie fände das wohl der Mutterkonzern von dem alten Leerdammer? Fände der das so gut? Hat vielleicht dieser Konzern und seine Mitbewerber etwas dagegen, dass der alte Leerdammer und seine Kollegen ethisch korrekte Konkurrenz im Kühlregal bekommen? Läuft den großen Milchproduzenten vielleicht dezent der Angstschweiß vom Nacken in die Kimme, wenn Sie die immer wieder auftauchenden Medienberichte über ihren miserablen ökologischen Fußabdruck verfolgen und gleichzeitig, nur eine Armlänge entfernt, dieser vermaledeite Soja-Drink mit seinen Freunden aus Mandel, Reis und Hafer steht? Diese Tetrapak-Avengers in ihrer goldenen Rüstung, gegen die man einfach nix sagen kann…

Aber, gut, gehen wir mal – nur so zum Spaß – davon aus, dass es wirklich nur um den Schutz des Verbrauchers geht und keine Lobby dahinter steckt: Wir, die Verbraucher, wünschen uns seit Jahren eine eindeutige Deklaration von Lebensmitteln, damit wir schnell erkennen können, ob das Produkt nun voller gesundheitsrelevanter Nährstoffe ist oder doch eher voller ungesundem Zeugs und böser Chemie (Stichwort: Ampel). Wir würden gerne wissen, durch welchen Krempel der Orangensaft geflossen ist, bevor er in der Flasche gelandet ist. Wir fordern, dass Gütesiegel wirklich eine Bedeutung haben und man beispielsweise nicht „Tierwohl“ auf ein Schnitzel draufklebt, um ein kurzes Leben voller Qual post mortem noch zu verhöhnen. …aber da tut sich nichts. Da sind wir Verbraucher ja intelligent und mündig genug, um die Produkte zu erkennen, die uns wohl gesonnen sind. …ein Kompendium an E-Nummern auswendig kennen und ein abgeschlossenes Chemie-Studium sowie die lückenlose Einsicht in die Produktionskette, das reiten wir Verbraucher doch locker auf einer Arschbacke runter. …aber wehe, jemand schreibt Quark auf ein Produkt, dass mit pflanzlicher Milch hergestellt wurde…

Wer sollte sich denn jetzt darüber aufregen? Die Veganer? – Nein!
Ich meine, natürlich ist es einfacher, wenn auf dem Mandelmilch-Ersatzprodukt steht, dass es wie Frischkäse ist, damit man weiß, wofür es verwendet werden kann, aber letztendlich kann es dem Veganer doch völlig egal sein, ob auf dem Produkt „Käse“, „Vegäse“, „Sojäse“ oder „Leck-Mich-Doch-Fett-Ist-Das-Lecker-So-Ohne-Tierleid“ steht, er kauft es so oder so weiter. Wer hier wirklich vom EuGH für total beschränkt gehalten wird, sind alle die, die die tierischen Produkte kaufen. Das bedeutet, wenn wir davon ausgehen, dass wir in Deutschland 1% vegan lebende Menschen haben, dass der Europäische Gerichtshof 99% der Deutschen für völlig verpeilte Vollpfosten hält, die ohne Schutz von oben oder maximale Einkaufsbetreuung durch geschultes Fachpersonal, den Camembert nicht vom Tofu unterscheiden können.
…und das würde mich mal so richtig ärgern, wenn man mich für so dämlich halten würde.
…und da würde ich dann einen Aufschrei vom Zaun brechen, der bis nach Brüssel zu hören ist.
Aber ich gehöre nunmal nicht zu diesen 99% und kaufe aus Überzeugung und nicht wegen der Bezeichnung. C’est la vie.

Ach, aber bei all dem Gedöhns, gibt es ja wenigstens noch die Kokoskuh, deren Kokosmilch seit Jahren einen Hauch von Exotik in der Konservenabteilung verbreitet.  …und diesen Fleisch- bzw, Leberkäse, den man an vielen Orten, aber nie im Käseregal findet. Alles korrekt betitelte Produkte, nicht wahr?!? Da findet die Verwechslung traditionell bedingt ja nicht statt. …und Tradition muss man schützen. Besonders vor pflanzlichen Lebensmitteln. Lässt man diesem Packzeug genug Zeit, gehören die am Ende noch dazu; zu der Tradition.
…aber letztens, da habe ich eine Flasche Sonnenmilch gekauft… …die schmeckte aber irgendwie so gar nicht im Kaffee…

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(Heute streichen wir mal die schlechten Witze! – Echt? In welcher Farbe denn?)

Bäm! Frauenfußball, go go go!

Wie Ihr, als treue Leser dieser unregelmäßig gepflegten Insel des geschriebenen Wortes, umringt von weiten Fluten aus bildlastigen Lifestyle-&-Fashion-Blogs, sicherlich wisst, habe ich eine historische Beziehung zu dem Thema „Frauenfußball“ (remember?!?). Damals™ (macht man das 2015 überhaupt noch so, mit diesem „tm“, oder oute ich mich damit als alter Sack von 2013? – Ach, egal, das bleibt jetzt da stehen!) galt meine Begeisterung zwar lediglich einer Vertreterin der regionalen Variante dieser Randsportart, doch aus diesem zarten Pflänzchen ist in diesem Jahr eine ausgewachsene Passion geworden.

Na ja, vielleicht war das mit der Passion doch etwas übertrieben. Aber ich erwische ich mich in den letzten Tagen immer wieder, wie ich beim orientierungslosen, nächtlichen Durchzappen der Fernsehkanäle irgendwann an den Punkt komme, an dem sich mein Siebhirn erinnert: „Es ist doch WM! Schalt mal auf ZDF.“ …oder Das Erste.

Ja, und da sind sie dann: Die Solos, Nécibs, Schelins und Goeßlings, die vor halb leeren Rängen spielen, während ihre männlichen Pendants bereits beim Schuhe schnüren mehr Zuschauer haben. Dann tun sie mir in der Tat etwas leid, denn die Ladies fighten auf dem Rasen mindestens so hart wie ihre männlichen Konterparts. Und bedenkt man dann auch noch, dass die Herren der Schöpfung – sobald sie drei Mal den Ball grob in die richtige Richtung getreten haben – mit Millionen-Verträgen und Quadrillionsablösen zugepflastert werden, selbst wenn sie dann im Endeffekt nur aufpassen dürfen, dass keiner die Ersatzbank klaut, während zum Beispiel eine Tabea Kemme neben dem Erstliga-Fußball und der Nationalmannschaft noch eine Ausbildung zur Kommissarin macht machen muss (FR vom 20.06.2015), dann kommt man doch ins Grübeln.

Gerade bei so Partien wie dem ersten Gruppenspiel unserer Nationalelf Nationalelfinnen Nationalelfen gegen die Elfenbeinküste hätten die Damen deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt. Denn das war – mal abgesehen von der Torflut – durch seine Spielfreude und dem schnellen Umschaltspiel nach vorne äußerst kurzweilig. Ebenso wie das Achtelfinalspiel gegen die Schwedinnen.

Klar, dass nicht alle WM-Partien so sein können. Manche sind auch eher so wie FC-Spiele unter Stale Solbakken oder die letzten gefühlten 100 Spiele des HSV. Zum Beispiel hätte das Eröffnungsspiel von Gastgeberin Kanada auch gut eine Drei-???-Folge sein können. Vielleicht nicht so spannend, taugte aber wunderbar zum Einschlafen. Dagegen war England gegen Norwegen wieder unterhaltsamer als alles andere im TV.

Ihr seht, alles so wie im (*huch* jetzt hätte ich beinahe „echten Fussball“ geschrieben) Männer-Fussball. Also, vielleicht gebt Ihr den Damen auch noch mal eine Chance außerhalb der Sexy Sport-Clips und schaut ihnen auch mal beim richtigen Sport auf dem Fussballfeld zu und nicht nur beim Höschenwechseldich.

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(…und nein, es gibt am Ende kein Trikot-Tausch. Weder hier, noch beim Frauenfußball.)

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