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Mein erstes Zeugnis

Heute vor 11 21 Jahren hat der kleine Herr Schmidt sein allererstes Zeugnis bekommen. Und das ging so:

[Herr Schmidt] beteiligte sich mitgestaltend am Unterricht. Er zeigte anhaltende Ausdauer. Er führte seine Aufgaben zügig, sachgerecht und selbständig aus. Sachverhalte faßte er leicht und schnell auf. [Herr Schmidt] fand guten Kontakt zu seinen Mitschülern. Vereinbarungen hielt er ein. [Herr Schmidt] konnte Gespräche bereichern.

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Meine Karriere als Martinssänger

Der gute, alte Martin von Tours hätte sich 397 auf seinem Sterbebett auch nicht träumen lassen, was mir 1.600 Jahre später zu seinen Ehren widerfahren sollte. Eigentlich hatte ich diesen Zwischenfall ja schon längst verdrängt, bis Silent Bob mich gestern wieder daran erinnern musste. Freunde, Solinger Martinssingen vor 12 Jahren war wie Berlin-Kreuzberg heute…

Man muss wissen, dass mir diese ganze nächtliche Zusammenrottung von befackelten Menschen, die laut singend von Haus zu Haus ziehen, um deren Bewohner mit ihren verbalen Ergüssen zu quälen, schon immer suspekt war. Ich meine, überlegt doch mal, kleine Kinder, die die Lampen anhaben und ohne Unterlass die Abendruhe mit ihren schiefen Liedern stören. Das ist doch nicht schön. Auch wenn man natürlich der Ansicht sein kann, dass dem einen oder anderen Balg zumindest ein Mal im Jahr eine Erleuchtung zu gönnen ist.

Im zarten Alter von vier fragte ich meine Kindergärtnerin, warum wir denn zwei Wochen Bastelarbeit in eine Laterne investieren, die wir nur einen Abend benutzen können. Ich argumentierte, dass die Arbeitsstunden den Nutzen weit übersteigen würden und man selbst bei einem Stundensatz von nur 1 DM (für die jüngeren Leser: Deutsche Mark – Vorgänger des Euro) weit über dem durchschnittlichen Ladenpreis einer gleichzeitig viel schöneren Laterne liegen würde. Gut, zugegeben, so war mir das damals nicht klar, aber ich wusste, dass es viel sinnvoller gewesen wäre die Zeit mit Silke im Sandkasten zu verbringen als mit Kleber und Pappe.

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Die 3 von der Turnhalle

Ihr wisst ja, ich koste in meinem Leben alles aus. So auch die Schulzeit. Während andere irgendwann nach der 10. Klasse in die Ausbildung oder die Arbeitslosigkeit wechselten, habe ich alle 13 Schuljahre vollgemacht. All you can learn – in Regelzeit und frei nach dem Motto “Abi irgendwie!”. Diesem Leitsatz folgend verbrachte ich konsequenterweise auch mehr Zeit in Solinger Cafés als in den Klassenräumen. Einzig und allein im Sportunterricht war ich immer anwesend.

Die lückenlose Bilanz in Körperlicher Ertüchtigung hatte aber nur bedingt etwas mit meiner sportlichen Affinität zu tun. Im Grunde konnte es das auch gar nicht, da ich damals™ eine ziemlich faule Socke war. Ich bewegte mich eigentlich nur, um den Cappuccino umzurühren oder die Maus über das Mousepad zu hetzen (Diablo killed my Sehnenscheide). Gut, und Headbanging natürlich. Ihr seht, im eigenen Schweiß Zirkeltraining zu absolvieren gehörte definitiv nicht zu meinen Fetischen.

Ich weiß genau was Ihr jetzt denkt: Der Herr Schmidt war immer im Sportunterricht präsent, um seine Mitschülerinnen knapp bekleidet zu sehen. Aber, mal ehrlich, schon zu meiner Zeit gingen die Schülerinnen sogar halb nackt zum Matheunterricht, trugen aber Burka und hatten Regelschmerzen sobald sie sich auf 100 Meter einer Sport- oder Schwimmhalle näherten. Das war es also auch nicht.

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Mein Freund, die Schrankwand

Schon zu der Zeit, zu der ich die Schulbank drückte, erzählte man sich in der Blade City seit Jahrzehnten Mythen und Sagen über Gian. Gian war damals™ bereits eine lebende Legende, obwohl er in dem gleichen Jahrgang einer weniger gymnasialen Schule, wie der meinen war. Um dieses vermeindliche Paradoxon zu erklären, bedarf es einer kleinen Ausführung:

Die äußere Erscheinung Gians  ist eigentlich kaum in Worte zu fassen. Es handelte sich bei ihm um einen 2,45 m großen, 1,86 m breiten, muskelbestückten Nordafrikaner, dessen Gesichtsausdruck nur drei Formen kannte: Wut, Zorn und Raserei. Würde man Gian mit einem IKEA-Möbel beschreiben, wäre er die Filiale Köln-Godorf. Würde man ihn mit einem PKW vergleichen, wäre er ein LKW. Würde man ihn mit einem Land gleichsetzen, wäre er die Eurasische Platte. Na, Ihr wisst schon.

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Headphones on I made my escape. I’m in a film of personal soundtrack. I’m leaving home and I’m never gonna come back
Art Brut

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