Herr Schmidt.

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Category: Down In The Past (page 2 of 14)

Gitarrero #2 – Während meine Gitarre sanft weint

Was bisher geschah: #1

Der Schultag ging für meine Begriffe viel zu schnell rum. Ein Umstand, der im Normalfall mit sehr viel Jubeliererei, Fanfaren und kleinen Muffins mit vielen, kleinen, bunten Streuseln oben drauf einhergegangen wäre, aber doch nicht heute. Freunde, ich hatte mich immer noch nicht an den Gedanken gewöhnt, den heutigen Nachmittag mit einer elektronisch verstärkten Streitaxt in den Gichtfingern zu verbringen. Es war ja auch gerade mal 6 Stunden her, dass Niklas sich mir als Meister Miyagitarre angeboten hatte. Wie sollte ich in so kurzer Zeit verarbeiten, dass die Selbstwahrnehmung als gefeierter Rockstar noch an diesem Nachmittag einer weniger ruhmreichen Realität würde weichen müssen?!?

Mit kurzem Zwischenstopp am mütterlichen Mittagstisch ging ich ohne weitere Umwege, Ausflüchte oder Hausaufgaben zu machen zu Niklas. Auf dem Weg fand ich dann mit jedem Schritt mehr und mehr Gefallen an der Idee, bald Gitarre spielen zu können. Klar würde das anfangs etwas unrund laufen und sicher müsste man viel üben, aber wenn man etwas will, dann schafft man das auch. Und ich wollte es SO HART!
Ein Grinsen spannte sich zwischen meinen angewachsenen Ohrläppchen auf, während Manowar „Whimps and Posers leave the hall“ skandierten.

„Ding-Dong“
Niklas machte auf, wir gingen in sein Zimmer und kaum war ich drin, hatte ich die Gitarre umhängen. Fühlte sich gut an. Ich war ein Star! Mindestens!

„Ich hab‘ hier mal ein paar Tabs für Dich rausgesucht, die Dir Spaß machen werden und die auch nicht soo schwer sind. ‚Nothing Else Matters‘, ‚The Bard’s Song‘ und noch ein paar schnellere Sachen für nächste Woche.“

Er hatte es natürlich nicht so fordernd formuliert, aber diese Lernkurve war nunmal jetzt in meinem Kopf verankert. Heute die zwei Songs, nächste Woche ein paar schnellere Sachen, übernächste Woche werden schon die eigenen Songs geschrieben und in spätestens fünf Wochen habe ich den Platten-Deal mit meiner Band „Dark Eden“.

Niklas zeigte mir die ersten zwei Griffe und ich legte los: Finger der linken Hand in Position, mit der rechten ausgeholt und „KAWÖRMELSCHREMP“. Drei Minuten Fingersortierung bis der zweite Griff saß, ausgeholt und „FLIRRRRRMPPPPPP“. Das waren keine Akkorde sondern Verbrechen an der Menschheit, was da aus dem Verstärker kam. Der Platten-Deal musste wohl doch ein paar Tage länger warten… so 3 bis 4.

Immer wieder neu greifen, korrigieren, schrammeln. Immer und immer wieder. Und bereits nach einer halben Stunde hatte ich das Gefühl, ich würde meine Fingerkuppen durch einen Eierschneider pressen. Vielleicht floß sogar Blut. Aber ich hielt durch. …noch ganze drei Minuten. Danach war dann Schicht und ich ging mit Gitarre, Verstärker, Tabs und dem Versprechen ordentlich zu üben nach Hause.

Nichts hält länger als gute Vorsätze. Nichts kommt später als deren Umsetzung. So packte ich die Gitarre zwar mehrmals täglich an, (um mehrere Stunden vor dem Spiegel zu posen) konnte aber keine Übungsfortschritte erzielen (außer beim Posing). Das ging die komplette Woche so, bis zu dem Abend vor unserer zweiten Übungseinheit. Mich plagte das schlechte Gewissen und es erschien mir, als wäre eine Gitarre unter dem Dielenboden vergraben, an der jemand die tiefe E-Saite zupfte. Regelmäßig wie ein Herzschlag. Also griff ich zu dem schwarzen Ungetüm, aktivierte den Verstärker und kämpfte mich Stunde um Stunde durch meine „Hausaufgabe“…

[Fortsetzung folgt…]

Merci vielmals, dass Sie auch heute wieder eingeschaltet haben. Keep on rockin’! …und Tschüss!
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(Eure Fragen an mich: springform.herr-schmidt.de)

Gitarrero #1 – Highway To Em

Kinder, als ich im Jahre 2003 mit der U-Bahn in Richtung Uni fuhr, konnte ich nicht ahnen, wie nah ich Eurer Mutter kommen sollte… …oh, sorry… falscher Anfang! Nochmal:
Freunde, als ich im Jahre 1999 mit dem Bus in Richtung Schule fuhr, konnte ich nicht ahnen, wie nah ich meinen ersten Gitarrenversuchen kommen sollte. Damals™ hatte ich „Nightfall In Middle-Earth“ im Gedächtnis und „Ecliptica“ auf den Ohrstöpseln, ein „Heart Of Steel“ und die Pickel des Todes. Ich war im Bullseye meiner Upper-Class-Power-Metal-Computer-Nerd™-Phase als Folgendes geschah:

Wie jeden Morgen stand ich an der Bus-Haltestelle der Linie 682, um auf meinen Chauffeur und seinen extralangen Benz zu warten, hatte eine frisch zusammengestellte MiniDisc (MiniDisc!!!! Kann man gar nicht genug betonen! MINIDISC!!! Irre Erfindung!) mit allem was Krach macht auf den Ohren und fummelte gerade das 14. PocketCoffee aus seiner Verpackung, als Niklas zu mir trat. Niklas wohnte unweit von mir, ging in die gleiche Jahrgangsstufe wie ich, hörte ebenfalls alles, was irgendwie mit elektrischen Gitarren und unmenschlich schnellen Double-Basses zu tun hatte, und gehörte schon allein deswegen zu den Menschen, mit denen ich gerne meine Zeit verbrachte. Ich warf ihm mein letztes PocketCoffee rüber und schon ging es los:

„Hast Du schon die neue Primal Fear gehört?“
„Kennst Du Freedom Call?“
„Ist Colony nicht ein geiles Album?“
„Hast Du die neue Metal-Hammer schon?“

Immer hin und her. Zwischendurch die Kopfhörer geteilt, ein Lied ausgewählt und angespielt. Das Übliche. Keine Frage, dass die Busfahrt wie im Flug verging. Zumindest tat sie das normalerweise! Doch an diesem besagten Tag, kam folgender Satz aus meinem Mund:

„Das wäre schon geil, wenn ich mit dem 6-Saiter rocken könnte. Irgendwann muss ich da mal Unterricht nehmen!“

Ich sollte an dieser stelle vielleicht kurz erwähnen, dass Niklas ein begnadeter Gitarrero war und gerade seine 2. Band am Start hatte, mit der er regionale Erfolge verzeichnen konnte, um seiner Reaktion das nötige Gewicht zu verleihen:

Na, is‘ doch kein Ding. Ich hab‘ noch meine alte Klampfe und ’nen kleinen Verstärker. Heute Nachmittag treffen wir uns bei mir und dann fangen wir mit dem Gitarre-Lernen an.“

Ich fühlte mich, als hätte der Bus eine Vollbremsung gemacht und mich in den Sitz gedrückt. Ich Gitarre lernen?!? Das war natürlich ein großartiges Angebot und Rock’n’Roll, aber gleichzeitig war da auch dieser Respekt vor dem fremden Instrument. Freunde, mir sagte der Kackstift der Blamage „Guten Tag“.

[Fortsetzung folgt…]

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Frutti di Mutti

Wer hier schon länger mitliest oder zumindest mal einen Blick in meine TwitPics geworfen hat, der weiß, dass ich mich mit Freude der Mannigfaltigkeit internationaler Gaumenfreuden widme. Oder um es mit den Worten von Calli zu sagen: Isch fress‘ järn‘! Und, mal abgesehen von Innereien und exotischen Randspeisen wie Ameisenklöteneintopf oder Ozelotnasensoufflé, gibt es nichts, das ich nicht mag. Fast nichts!

Ich gehöre zu der Gattung Mensch, die erstmal die Speisekarte rauf und runter probiert, bevor das „Ihgitt! Bäh!“-Label aus dem Hut gezaubert wird. So wanderten schon Schnecken, Hai, Rosenkohl, Känguruh, Impala und sogar Tofu in meinen Magen. Und, Teufel auch, all das Zeug war von äußerster Schmackhaftigkeit. Es gab echt nichts, was meine Kehle wieder raufrutschen wollte… …außer (und dass an dieser Stelle jetzt eine Ausnahme kommt, überrascht ja nun wirklich auch niemanden) dieser einen Sache: Dieses Ozean-Obst-Allerlei, das man heutzutage sogar schon beim Frikadellen-Schnelltoaster seines Vertrauens bekommen kann. Das Zeug geht einfach mal gar nicht.

Rückblick: Als ich mit meiner Nasenspitze noch die Kanten unseres Couchtisches polieren konnte – ohne dabei hexenschussfördernde Bückmanöver verrichten zu müssen – bestellte sich meine liebe Frau Mama eine Pizza „Scampi“. Voller Vorfreude und mit einer gehörigen Ansammlung an Pfützen auf ihrer Zunge tauschte sie kurz darauf 10 Deutsche Mark (und da war selbstverständlich das Trinkgeld schon mit drin!) gegen das georderte Teigrad und nahm im Wohnzimmer platz. Mein Vater, der in dieser Woche nicht im Lande war und dementsprechend nichts von alledem mitkriegen konnte, fasste gleichzeitig den Entschluss meine Mutter anzurufen… …und das war der Zeitpunkt, ab dem die unheilvolle Geschichte ihren Lauf nahm: Meine Mutter legte die jungfräuliche Pizza auf den Tisch und nahm nach drei Klingellauten das Gespräch an. Ich, der zu dieser Zeit eigentlich schon hätte schlafen sollen, nutzte das Telefonschellen zum Wachwerden und begab mich – neugierig wie ich nunmal so bin – in das heimische Wohnzimmer. Ja, Freunde, und da duftete es doch verdammt nochmal richtig lecker. Während meine Mutter also mit meinem Dad den Tag Revue passieren liess, öffnete ich den Karton und machte mich über dessen Inhalt her. Den Teig ließ ich aber fairerweise unberührt und schnabulierte lediglich diese komischen kleinen Dinger weg. …alle bis auf eines. Ich wusste nicht so recht um was es sich da handelte, hielt das Zeug aber für relativ unwichtig im Gesamtkontext Pizza. Meine Mutter sah das damals™ allerdings irgendwie anders und verlor schlagartig die Lust auf ihre Bestellung als sie das gerupfte und geplünderte Ding bemerkte. Da half dann auch die von mir großzügig übriggelassene Krabbe nichts mehr. Seltsam.

Ihr seht, meine Antipathie gegen den Früchtekorb der Weltmeere war nicht angeboren. Ehrlich gesagt, ich weiß nicht mal so genau wie es dazu kam, dass ich heute eine Wurzelbehandlung bei vollem Bewusstsein durch die zierlichen Hände von Hulk Hogan einer Paella oder einem Krabbencocktail vorziehen würde*, aber so ist es nunmal: Ich komme auf das Zeug seitdem einfach nicht mehr klar.

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* nach näherer Überlegung: Beides Scheiß-Optionen!

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