Archiv

Offener Brief

Sehr geehrte Damen & Herren des Städtischen Klinikums Solingen,

ich möchte mich für den gestrigen, freundlichen Empfang in Ihrer Notaufnahme bedanken. Ihre diensthabende Schwester hat keine Minute gezögert das Gespräch mit ihrer Kollegin zu unterbrechen, um für uns da zu sein. Gut, dass wir bereits eine Weile am Empfangsschalter standen, hat sie vielleicht nicht gesehen und deshalb nicht von sich aus das Gespräch gesucht. Blutende Nasen, Tränen und ein Schockzustand sind ja auch recht unauffällig. Seelenruhig ließ sie sich den Grund unseres Erscheinens schildern und verwies uns auf die entsprechende Station. HNO sollte es sein. Ohne die Personalien aufzunehmen, aber mit dem Versprechen, uns auf der Station zu avisieren, ließ sie uns durch das halbe Krankenhaus ziehen.

Erst durch den langen Korridor und dann von U1 rauf ins achte Obergeschoss. Dort angekommen, ist mir ein Fauxpas unterlaufen, für den ich mich an dieser Stelle entschuldigen möchte. Ich erdreistete mich, die diensthabende Schwester ohne schriftliche Vorwarnung anzusprechen. Meine Schilderung der Situation und die Frage, ob der diensthabende Arzt von der Notaufnahme informiert worden sei, quittierte sie mit einem kurzen & knappen: “Der Doktor ist in der HNO-Ambulanz! Erdgeschoss!” Freundlichkeit hätte an dieser Stelle auch nur wertvolle Zeit gekostet. Ein vorbildliches Verhalten in diesem Spiel um Leben und Tod. Respekt!

Weiterlesen

A Wannabe Robin Hood

Da ist er wieder. Dieser Sohn einer lauen Sommernacht, in der sich volkswirtschaftliches Unverständnis und Volkshetze alkoholgeschwängert auf ein Tête-à-tête eingelassen haben. Dieser ungehobelte Egozentriker, der seine selbstverliebte Suche nach dem Scheinwerferlicht hinter mehrheitsfähigen Stammtisch-Parolen zu verstecken versucht. Dieser Rattenfänger von Hameln, der mit seiner Propaganda die kurzsichtigen und engstirnigen Sichtweisen der prozentual größten Wählergruppe perfekt bedient und die große Gerechtigkeit fordert. Gregor G., dieser halbseidende Möchtegern-Robin-Hood Deutschlands, nutzt die kritische Situation der deutschen Arbeitslosen, Harz-IV-Empfänger und Kleinstunternehmen und deren meist nicht-vorhandene Kenntnis bezüglich des komplexen Konstrukts Wirtschaft. Er prangert die Banken-Rettungspakete der Regierung in – beschönigt ausgedrückt – Halbwahrheiten an und fordert gleichzeitig den Einsatz einer ähnlich hohen Summe in die Erhöhung von Sozialhilfen und das Bildungssystem. Seine Darstellung wählt er bewußt so, dass der gemeine “Herr Klopotowski” aus Gelsenkirchen den Eindruck bekommt, die Regierung hätte mehrere Milliarden in Scheinen zu den Banken getragen, um deren Schulden zu begleichen. Die Wahrheit deklariert er zur Nebensache, denn er schiebt lieber die Besteuerung der Reichen hinterher. Gregor G. beschreibt eine Traumwelt, in der die arbeitstätigen Menschen, die durch harte Arbeit und innovative Ideen zu Wohlstand gekommen sind, bluten müssen, um das faule Prekariat in ihrer Untätigkeit zu bestätigen. Seine große, sozial(istisch)e Gleichstellung der Bundesbürger hört bei den Besserverdienern offensichtlich auf. Dabei gehört er selber dazu.

Selbstverständlich müssen wir die notwendigen Funktionen eines Sozialstaates sicherstellen und natürlich wären Mindestlöhne eine schicke Angelegenheit, aber die Art und Weise, wie Gregor G. diese Dinge fordert ohne realistische und durchführbare Finanzierungsmöglichkeiten aufzuzeigen, ist beängstigend. Dieser Mann ist ein Volksverhetzer, den ich an dieser Stelle gerne mit einem bekannten Propagandisten aus der unrühmlichen Vergangenheit unseres Landes vergleichen möchte, es aber aus Rücksicht auf die Gefahr einer Überarbeitung seiner Anwälte bezüglich einer Abmahnung meinerseits lieber lasse. Ich rufe auch nicht dazu auf, die Partei nicht zu wählen, denn das ist nicht meine Aufgabe. Viel mehr rufe ich dazu auf, sich mit den Parteien auseinander zu setzen und wählen zu gehen! Denn nur eine hohe Wahlbeteiligung hilft es, diesen Verein im Zaum zu halten.

Chinese Democracy – OUT NOW!!!

Nein Freunde, keine Champagnerdusche. Das Guns ‘n’ Roses Album, das seit ungefähr 20 Jahren kurz vor der Veröffentlichung steht, ist damit nicht gemeint. Viel mehr geht es um die prae-olympisch-panischen Chinesen und ihre Internet-Zensur. Ja, und zu diesem Thema findet man mit Sicherheit 5 Billionen Blog-Posts, die sich allgemeingültig über diese Kastration der Meinungs- und Pressefreiheit auslassen. Grund genug für mich, da nichts in diese Richtung zu schreiben. Ich möchte auf einen speziellen Fall hinweisen, der mich und auch ein paar meiner Leser betrifft:

Das Blog Issstäbchen aus meiner Blogrolle wird seit Kurzem nicht mehr aktualisiert. Mein Sidekick im Exil, Silent Bob, der bis dato (un-)regelmäßig über seine Erlebnisse in Fernost berichtet hat, hat keine Möglichkeit mehr auf sein Blog zuzugreifen. Aber selbst wenn er es noch könnte, würde er es aus Gründen der Vorsicht nicht machen. Zu groß ist die Angst, dass die chinesische Regierung ein paar Beamte vorbei schickt…
Wir müssen nun alle zusammen 18 Tage ohne Updates auskommen und einfach hoffen, dass es ihm gut geht.

Ja, und die Chinesen, die bekommen von mir jetzt mal ein liebevolles FCUK U, U LIL’ B*S*A*D*!
…und natürlich FREE TIBET! Is’ ja klar!

Die Elfe aus einer anderen Dimension

…schaute gedankenverloren zu ihrer rechten Seite und erzählte von ihrer bisherigen Reise und den Menschen, denen sie auf ihrem Wege begegnet war. Ihr Blick war dabei auf ein stählernes, mit feinsten Ornamenten verziertes Gitter-Tor fixiert und auf die Hütten, die dorthinter lagen. Der Junge mit den schwarzen Chucks, der bisher nur Augen und Ohren für die Elfe hatte, wandte seinen Blick nun, nachdem sie schon eine ganze Weile dorthin geschaut hatte, ebenfalls dem Tor zu. Er erkannte hinter dem Tor eine lange gerade Strasse, die von unzähligen Hütten gesäumt war. Jede Einzelne sah so aus, wie ihre jeweiligen Nachbarn.

“Es hat den Anschein, als wäre es eine einzige Hütte, an deren linke und rechte Seite man jeweils einen Spiegel halten würde. So ähnlich sehen sie sich.” dachte der Junge und drehte seinen Kopf wieder in Richtung der Elfe.

Genau in diesem Moment löste auch sie sich von dem Tor und sah wieder in die Richtung des Jungen. Als sich ihre Blicke trafen, wurde alles um sie herum still und durch die Magie der Elfe verwandelten sich die grünen Augen des Jungen mit den schwarzen Chucks in pures Gold. Auch wenn dieser Moment nur für einen Augenblick verweilte, kam es den beiden Geschöpfen wie ein ganzes Leben vor.

Als die Geräusche der Umwelt langsam wieder zu den beiden Wesen durchdrangen, machte sich ein zufriedenes Lächeln im Gesicht der Elfe aus einer anderen Dimension breit. Sie richtete ihren Blick wieder auf das Tor und sprach:

“So ein wichtiges Tor, mit einer so unwichtigen Welt dahinter!”

Der Junge lächelte auch und dachte sich, wie recht sie doch habe. Dann nahm er einen weiteren Schluck des süßen warmen Kräutertrunks und gab sich dem Abend diesseits des Tores voll und ganz hin.



Headphones on I made my escape. I’m in a film of personal soundtrack. I’m leaving home and I’m never gonna come back
Art Brut

© 2012 Herr Schmidt | Dieses Blog basiert auf Wordpress und verwendet das Theme Modern Clix von Rodrigo Galindez. Lesespass bieten 615 Beiträge und 7731 Kommentare. champagnerdusche!


website counter