Herr Schmidt.

celebrating the irony since 1982

Das Urlaubsmitbringsel #1

„Aller guten Dinge sind drei“ sagt man ja auch und ich war damals so vernarrt in Sprichwörter, wie Heidi Klum in die Yoghurt-Gums zwischen ihren Zehen. Deshalb entschied ich mich 1998 erneut dazu, mit der Jugendfreizeit meiner Gemeinde zu verreisen, obwohl die beiden Vorjahre alles andere als Blaupausen für erfolgreiche Auslandsflirts waren. Mal abgesehen davon, konnte ich das Spielfeld doch nicht verlassen, ohne gepunktet zu haben.

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass die immer geringer ausfallende Kollekte, den Kauf aktueller Atlanten einfach nicht zulässt oder ob geographische Unkenntnis generell als Must-Have in der Stellenbeschreibung steht, Fakt ist, der Ideenhorizont von den kirchlichen Jugendfreizeit-Koordinatoren war so beschränkt, dass sie es nicht geschafft haben, drei Jahre in Folge jeweils ein anderes Land anzureisen. Man könnte meinen, ihnen sei links das Gesangsbuch und rechts die Bibel an die Schläfe getackert worden. Kirchliche Scheuklappen der Gewohnheit, quasi.

Wie dem aber auch sei, nachdem es bereits 1996 nach Dänemark ging, durfte ich diesem Land im Jahre 1998 erneut einen Besuch abstatten. Diesmal war die Unterkunft allerdings keine Militärkaserne Ganztagsschule sondern eine Ansammlung kleiner Bungalows mit einem gemeinschaftlichen Hauptgebäude. Auch die Zivilisation konnte bequem per pedes erreicht werden und war nicht mehrere Kilometer entfernt. Der süße Duft der Freiheit lag in der Luft. Hier musste einfach was gehen.

Jeder Bungalow sollte von zwei Freizeitteilnehmern bewohnt werden und so sehr ich mich auch engagierte, ich konnte die ehrenamlich tätigen Asketen Teamer nicht davon überzeugen, die geplante Geschlechtertrennung über Bord zu werfen. Selbst mein Vorschlag, jeden einzelnen Bungalow als kleines Paradies zu betrachten, in dem ein Adam und eine Eva untergebracht werden, um so mehr Verständnis für das Alte Testament aufzubringen, blieb unerhört. Unerhört! Dabei hätte man sich mit der Umsetzung dieser Idee sogar das lästige Koffer aus- und einpacken sparen können: Im Paradies gab es schließlich keine Levi’s sondern Feigenblätter. Wenn überhaupt.Nachdem ich auch den Gedanken, mich als Mädchen verkleidet in einen Damen-Bungalow einteilen zu lassen, über Bord geworfen hatte, musste ich mich damit abfinden, eine gleichgeschlechtliche Wohngememeinschaft einzugehen. Das hatte zumindest den Vorteil, nachts auch mal ordentlich einen in die Furzmolle knattern zu können ohne gleich angezickt und vor die Tür gesetzt zu werden. Zusammen mit Herrn W. richtete ich mich also häuslich ein, was bedeutete, den Koffer aufzuklappen, um besseren Zugriff auf die Klamotten zu bekommen, den Discman mit den Aktivboxen zu verbinden und „Imaginations From The Other Side“ von Blind Guardian einzuwerfen. Simplicity. Ich hatte aber auch keine Zeit mich mit aufwendigem Schrank einräumen und Betten beziehen aufzuhalten, ich hatte eine Mission. Und wenn diese Mission auch nur ansatzweise erfolgreich verlaufen würde, dann würde ich auch ein bezogenes Bett vorfinden, in dem ich nächtigen könnte.

Ich gab‘ den Damen also eine gute halbe Stunde, um ihre Kopfkissen aufzuschütteln und die Aufbitch-Utensilien im Bad zu verstauen, und suchte mir dann einen Platz, von dem ich die Bungalow-Siedlung überblicken konnte. Während sich bereits einige Jungs mit Fussball vergnügten, fehlte von den Mädels jede Spur. Gut, es gab vereinzelte Exemplare, die ich erblicken konnte, aber die gehörten eher in die Rubrik „lowered expectations“.

Gerade als ich die Hoffnung aufgeben wollte, trat sie aus ihrem Bungalow. Ihr Name war L., wie ich später erfuhr und sie qualifizierte sich sofort, mir für den Urlaub einen Schlafplatz bieten zu dürfen. L. hatte braunes, langes Haar und verführerische Augen. Da machte es auch nichts, dass sie ein paar Zentimeter zu kurz geraten war. In meinen Augen war sie eine Kopie von S. – nur besser.

Fortsetzung folgt…

…und zwar hier

11 Comments

  1. wenn du mit diesen fortsetzungsgeschichten nicht aufhörst, halte ich solange die luft an, bis dir was passiert!

  2. Also Deinen Plan, Dich als Mädchen verkleidet in einen Damen-Bungalow einweisen zu lassen, hättest Du nicht so schnell verwerfen sollen, ich bin der festen Überzeugung, das hätte ganz gut funktioniert. Zumindest was Dein Pflege-Ritual angeht, wärst Du gar nicht aufgefallen 🙂 Und Du hättest dem ein oder anderen Mädchen sicherlich noch ein paar gute Tipps geben können 😉

  3. @ zoee: Fortsetzungsgeschichten gehören zu diesem Blog, wie aufgeschäumte Milch zum Cappuccino oder Schlauchbootlippen zu Chiara Ohoven. 😉
    …aber, interessehalber, welchem Risiko bin ich denn ausgesetzt, wenn Du die Luft anhältst?

    @ Herr N.: Damals war mein Pflegeritual noch nicht so ausgeprägt, wie heute. Aber mit dem Wissen, das ich jetzt besitze, hätte ich da aus so mancher Geisterbahnattraktion Germany's Next Topmodel machen können. 😉

  4. aber geduld gehört nicht unbedingt zu meinen stärken. jaja, mein problem, ich weiss. aber ich kann es ja einfach mal zu deinem machen! 😉

    wenn ich die luft ganz lange anhalte, dann falle ich tot um und du bist dann sehr traurig. möchtest du das?

  5. Ich werde auch die Luft anhalten. Dann hast Du hier schon zwei Leichen im Keller!

  6. @ zoee: Das stimmt, ich wäre ernsthaft traurig. Aber vielleicht kann ich Dir ja helfen, Deine Ungeduld in den Griff zu kriegen, wenn ich einfach mit den Fortsetzungsgeschichten weiter mache. So als therapeuthische Maßnahme.

    @ Pleitegeiger: Nachmacherin! 😛

  7. Sie spekuliert doch nur auf "Wiederbelebungsmaßnahmen" 😉

  8. Pfff. Dann halt ich eben nicht die Luft an, sondern heule. So. Dann haben Sie hier nicht nur ne Leiche liegen, sondern auch noch ne Überschwemmung dazu!

  9. @ Herr N.: Ach so! Mensch, und ich kapier' das mal wieder nicht. Das Frauen aber auch nie Klartext reden schreiben können. 😉

    @ Pleitegeiger: Oh nein, dass ist ja direkt doppelt schlimm: Erstens kann ich keine weinenden Frauen sehen und zweitens quellen Leichen im Wasser immer so eklig auf. Hilft es, wenn ich sage, dass es den zweiten Teil Anfang Januar geben wird?

  10. Es ist Anfang Januar *auf die Tischplatte trommel*
    Wie ausgedehnt ist Anfang Januar?
    Außerdem bemerke ich eine gewisse Ansteckungsgefahr in Sachen Fortsetzungsartikeln……

  11. Im Laufe der nächsten Woche kommt der zweite Teil. Aber, psssst, nicht weitersagen. 😉

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