Herr Schmidt.

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Die 3 von der Turnhalle

Ihr wisst ja, ich koste in meinem Leben alles aus. So auch die Schulzeit. Während andere irgendwann nach der 10. Klasse in die Ausbildung oder die Arbeitslosigkeit wechselten, habe ich alle 13 Schuljahre vollgemacht. All you can learn – in Regelzeit und frei nach dem Motto „Abi irgendwie!“. Diesem Leitsatz folgend verbrachte ich konsequenterweise auch mehr Zeit in Solinger Cafés als in den Klassenräumen. Einzig und allein im Sportunterricht war ich immer anwesend.

Die lückenlose Bilanz in Körperlicher Ertüchtigung hatte aber nur bedingt etwas mit meiner sportlichen Affinität zu tun. Im Grunde konnte es das auch gar nicht, da ich damals™ eine ziemlich faule Socke war. Ich bewegte mich eigentlich nur, um den Cappuccino umzurühren oder die Maus über das Mousepad zu hetzen (Diablo killed my Sehnenscheide). Gut, und Headbanging natürlich. Ihr seht, im eigenen Schweiß Zirkeltraining zu absolvieren gehörte definitiv nicht zu meinen Fetischen.

Ich weiß genau was Ihr jetzt denkt: Der Herr Schmidt war immer im Sportunterricht präsent, um seine Mitschülerinnen knapp bekleidet zu sehen. Aber, mal ehrlich, schon zu meiner Zeit gingen die Schülerinnen sogar halb nackt zum Matheunterricht, trugen aber Burka und hatten Regelschmerzen sobald sie sich auf 100 Meter einer Sport- oder Schwimmhalle näherten. Das war es also auch nicht.

Der Grund ist so naheliegend wie banal: Meine Sportlehrer. Nicht das ich eine pubertäre, homosexuelle Neugier aufgewiesen hätte, aber die Typen waren es allesamt wert keine Folge ihrer ureigenen Sitcom zu verpassen. Ich weiß nicht, ob es an dem Job per se liegt oder ob ich einfach nur Glück in der Auslosung hatte, aber alle meine Vorturner hatten gehörig einen an der Schatulle.

Herr Quittschmeier beispielsweise hielt es nicht für nötig uns fachmännisch zu unterrichten. Er ließ uns uns eigenhändig aufwärmen und danach Fussball spielen; zumindest in einer Hälfte der Turnhalle. Die andere brauchte er selber, um mit seinem Klapprad Runde um Runde zu drehen. Außerdem konnte man ihm das Tragen einer Cap ohne weiteres als elementaren Bestandteil des eigenen Glaubens verkaufen und somit 90 Minuten mit Kopfbedeckung Sport treiben, wenn man wollte. Kein Problem, und dabei war der Mann nicht nur Sport- sondern auch Religionslehrer…

Herr Artzen dagegen war Sportleher der „alten Schule“. Bei ihm wurde länger aufgewärmt als das Essen in einer Uni-Mensa. Laufen, gehen, laufen, dehnen, mehr dehnen, gehen, laufen, dehnen und die letzten 30 Minuten Völkerball. Oder oben erwähntes Zirkeltraining – je nach Laune. Soweit alles noch im grünen Bereich, hätte er nicht jede belehrende Aussage mit einer Geschichte aus seiner Vergangenheit begonnen. Dabei stellte er seinen rechten Fuß immer  auf die Bank, so das sein Bein rechtwinklig war und stützte sich mit dem linken Unterarm auf dem somit waagerechten Oberschenkel ab. „Ich hatte mal einen Freund, der hat beim Speerwerfen nicht auf den Werfer geachtet. Nun ist er auf einem Auge blind.“ oder „Ich hatte mal einen Freund, der hat sich auch an den Basketballkorb gehangen. Als die Verankerung aus der Wand riß, hat ihm die Rückwand die Haut vom Rücken geschält.“ und immer so weiter…Die Freunde von Herrn Artzen müssen allesamt Preisträger des Darwin Awards gewesen sein. Zumindest waren es die größten Vollpfosten unter der mitteleuropäischen Sonne.

Herr Altmüller setzte dem Ganzen aber die Krone auf. Der war nämlich Fortuna Düsseldorf-Fan.

9 Comments

  1. Das schlimme ist ja:
    Ohne auf der Schule gewesen zu sein, weiß ich bei mindestens zwei Lehrern wen du meinst und beim anderen bin ich mir nicht sicher.

    Übrigens hast du eher Glück gehabt….die Sportlehrer/innen die ich hatte…naja….:
    Einer hat knapp bekleideten Mädchen denen er auch mal beim Handstand helfen durfte stets (nach deutlicher Begutachtung ihres knackigen Körpers) eine gute Note gegeben….im Schweiße seines ziemlich dicken Angesichts.
    Achja…die letzte Sportlehrerin die ich hatte war wenigstens hübsch…aber auch eine von diesen Fitnesstanten die wahrscheinlich sogar die (zweit-)schönste Nebensache der Welt (neben dem Feierabendbier) für Teil ihres Fitnessprogramms hielt.

  2. Das geht ja alles noch. Meine letzte Sportlehrerin trug immer seeeehr enge Leggins. Ich gehe davon aus, dass ich euch nicht erklären muss, was ein Cameltoe ist (alternativ einfach mal bei google die Bildersuche bemühen)!

  3. ebenso ohne auf der Schule gewesen zu sein kenne ich den Geschichtenerzähler und den Fortuna Fan^^

  4. Sportunterricht… Hm ja…. Das muss da gewesen sein, als ich immer im Café saß oder meine Tage hatte.

  5. Sie sind dem Unterricht fern geblieben, Herr Schmidt? Auweia. *lach* Ich erinnere mich noch an mein erstes Mal – 11. Klasse, Freitag, letzter Block Französisch – ohne die Hälfte des Kurses. Dafür hat mich das schlechte Gewissen das ganze We geplagt, da ich befürchtete die Polizei kommt & sperrt mich dafür ein. Die kam natürlich nicht und das war der Anfang wunderbarer „Freiblöcke“ *räusper* 😀 …Und ich habe herausgefunden, dass es ein sehr großer Vorteil ist, wenn Lehrer permanent Namen durcheinander bringen – so war ich im Französischunterricht anwesend, obwohl ich gar nicht da war 😉

    Und ich hatte weitestgehend Sportlehrer, die wir Mädels vergöttert haben und sie fuhren jeweils tolle Autos 🙂

  6. „Als ich in Eurem Alter war, haben wir noch Handball mit Handgranaten gespielt.“
    Mehr fällt mir dazu nicht ein.

  7. zum sport hab ich leider nix zu sagen, aber hahaha sveni wie witzig! wenn ich auf deiner twitterseite bin, wird bei mir spanische werbung eingeblendet. ich versteh leider kein wort 😀

  8. de Schlucktrainigstante

    29. August 2009 at 19:28

    Ich sag nur „Lady Sunshine, dat mit dem bäuchlings rückwärts machen wir aber nochmal“ (da mussten Pat und ich bei besagtem Herrn Artzen auf Zehenspitzen und Fingerspitzen einmal vor der ganzen Klasse durch die gesamte Turnhalle robben…vielen Dank, wir erinnern uns noch heute mit Schrecken daran…).
    Ansonsten: Viele Grüße aus Berlin, befinde mich gerade im Museum für Kommunikation am Internetterminal. Hier ist nämlich heute Nacht der Museen und das muss man ja ausnutzen…;-)

  9. @ Floh82: Wieso eigentlich NEBENsache?!?

    @ singhiozzo: Wenn sie hübsch war, dann geht das doch in Ordnung. …sie war vermutlich aber nicht hübsch, oder?!?

    @ Edding: Den dritten im Bunde kennst Du garantiert auch, wenn ich andere Stories auspacke. 😉

    @ Johanna: Vielen Dank, dass Du meine Aussage bestätigst. 😉

    @ evo: Sie waren auf der West Beverly High, liebes Fräulein Evo?!? ^^

    @ Annika: *rofl* Das war eines der Zitate, das leider keinen Platz mehr in der Story gefunden hat. Der Typ war der Knaller, oder?!?

    @ nina: Ist doch gut. Solange Du nur die spanische Werbung nicht verstehst aber die Menschen, kommst Du da unten gut zurecht ohne in die Hände der Konsummafia zu fallen.

    @ de Schlucktrainigstante: „Lady Sunshine“ – aber natürlich! Wie konnte ich das denn nur vergessen?!? he he he
    Ich fühle mich übrigens geehrt, dass Du gerade mein Blog ansurfst, wenn Du ein Internetterminal findest. Merci vielmals. 😉

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