Herr Schmidt.

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Die Aufseherin

Frauen fahren ja bekanntlich auf Cabrios ab wie Katzen auf Sheba. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Genau aus diesem Grund kaufte ich mir vor ziemlich genau 10 Jahren einen dachlosen Golf. Stolz wie Oskar und pleite wie die Bundesrepublik wusch ich den silbernen Flitzer von da an wöchentlich; alle zwei Monate wurde sogar poliert. Trotzdem konnte ich bei den Frauen nicht auf Anhieb punkten, was unter Umständen, vielleicht, eventuell an dem fehlenden Führerschein gelegen hat…

Ein knappes Jahr verbrachte ich also mit der Putzerei meines Fahrzeugs, einigen Theoriestunden sowie diversen Praxiseinheiten auf Landstrasse und Autobahn. Die einzige Fortbewegung in meinem eigenen Auto, bestand in dieser Zeit aus illegalen Strassenrennen in den verlorenen Vierteln der Blade City No.1 dem Vor- und Zurücksetzen während des Reinigungsvorgangs. Es war eine harte Zeit, die niemals zu enden schien. Doch dann, eines Tages, war es dann endlich soweit: Theoretische Prüfung! Dank der Zuverlässigkeit unserer öffentlichen Verkehrsbetriebe kam ich natürlich  5 Minuten zu spät am Veranstaltungsort an. Ich betrat die Hallen, in denen ich mehr Kreuze machen sollte, als ein gläubiger Katholik in seinem ganzen Leben, also mit ein wenig Zeitdruck. Aber was sind schon 5 Minuten?!?  Außer einem Viertel meiner gesamten Vorbereitungszeit.

Ich kreuzte also mehr systematisch als wissentlich schlüssige Muster in den Fragebogen und gab‘ ihn nach weniger als 10 Minuten bei der jungen Schwarzhaarigen ab, die an diesem Tag als Aufsichtsperson tätig war. Eigentlich war sie mehr Obstverkäuferin, als Aufseherin: Ihr war die Naivität in die Birne gebrannt und die grannysmithgrünen Augen schrien „Ich bin doof!“ aber die balkonartig präsentierten Melonen machten dies wieder wett. Simone, so ihr Name, versprach mir mit einem Lächeln, mich als ersten ranzunehmen und legte meinen Fragebogen oben auf den Stapel. „Alright!“ dachte ich mir, grinste und verließ den Prüfungsraum. Im Wartebereich angekommen, checkte ich erstmal meinen Palm-Kalender nach Date-Möglichkeiten. Und was soll man sagen?!? Freie Auswahl. Shit!

Vielleicht war ich zu dieser Zeit noch nicht der womanizende Bloger, der ich heute bin, sondern ein Upper-Class-Power-Metal-Computer-Nerd™, doch Simone hatte mein Potential erkannt. Sie war meinem Charme erlegen, wie ein Schaf dem reißenden Wolf. Gut, sie ließ mich 15 Minuten warten, bevor sie mich ran nahm, aber das lag weniger an ihr sondern hauptsächlich an den weniger risikofreudigen Prüflingen. Muss man sich mal vorstellen, da waren Leute dabei, die mehrere Wochen Vorbereitungszeit hinter sich hatten und trotzdem die gesamte Prüfzeit plus Verlängerung in Anspruch nahmen. Unglaublich. Jedenfalls nahm mich Simone, wie versprochen, als ersten ran und rief mich zu ihr rein.

Schade! Wirklich schade!“ begann sie ihre Ergebnisverkündigung. „Hättest Du einen Fehler mehr gemacht, hätte ich Dich nochmal hier sehen dürfen. So hast Du aber bestanden.“

Ein Jammer.“ bestätigte ich und wollte ihr gerade ein Wochenendticket für mein Bett anbieten, als mir die Worte im Hals stecken blieben. Nennt mich kleinlich, aber Fingerkuppen, die die Farbe der Filter der konsumierten Zigaretten angenommen haben, sind ungefähr so sexy, wie Ingrid van Bergen in Hot Pants. Deshalb beließ ich es bei diesem Intermezzo lieber bei der Theorie, versprach ihr aber sich, nach einem erfolgreichen Entzug und der regelmäßigen Anwendung von Handpeelings, bei mir melden zu dürfen.

Dank ihrer Naivität bemerkte sie nicht, dass ich ihr meine Nummer gar nicht gegeben hatte und so machte ich mich mit weiterhin leerem Kalender, aber bestandener Theorie-Prüfung auf den Weg nach Hause.

Okay, okay, okay. Ich gebe es ja zu: Simone hieß in Wahrheit Herr Mühlenschläder, war Mitte 40 und bierbäuchig. Dementsprechend gab es auch keine Flirterei. Zumindest nicht von meiner Seite. Die Sache mit dem leeren Date-Kalender, die knapp bestandene Theorieprüfung in unter 10 Minuten und alles andere stimmt aber. Ehrenwort. …und mal ehrlich: Wenn ich Simone nicht eingebaut hätte, hättet Ihr den Text doch gar nicht erst gelesen. ^^

12 Comments

  1. Will hier niemand kommentieren? Das liegt an den gelben Fingern. Das hat uns auf den Magen geschlagen.

  2. bei ihrem wundervollen haar, werter herr schmidt, kann ich mir gar nicht vorstellen, dass sie nicht schon immer womenizer gewesen sind.

  3. Ehrlich, Herr Schmidt, warum schreiben Sie nicht mal einen spannenden Text über einen Herren mittleren Alters, der Ihre Fahrprüfung beaufsichtigt hat? Stattdessen kommen Sie mit so einer faden Busengeschichte. Pfft.

  4. „Herr Simone Mühlenschläder“, werter Herr Schmidt? Was haben sich den Vater und Mutter Mühlenschläder dabei gedacht?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  5. Ich war einer von den fleißig lernenden Strebern, die mit einem Fehler (3 Fehlerpunkte; was muss ich auch über Wohnwagen auf der Autobahn wissen?!?) bestanden haben und sogar ein Auto hatte (Mama´s Ford Fiesta)…

    … dennoch war mein „Date-mit-Frau-ohne-Ventil“-Terminkalender (Papier statt Palm) leerer der Informationsgehalt der RTL2-News.

    Könnte aber auch an dem Gesicht gelegen haben.

  6. ich habe nur die letzte zeile gelesen. wer ist simone?

  7. Systematisch schlüssige Muster ankreuzen, so hab ich’s durch die Schulkarriere geschafft.

  8. Stimmt, hätte ich echt nicht gelesen. Mühlenschädler! *tsk*

  9. @ Lenny_und_Karl: Ach, gelbe Finger gehören heute bei 16-jährigen Realschülerinnen doch mittlerweile schon fast zum guten Ton. Das so etwas noch dermaßen schockiert…. 😉

    @ Maak: Damals, werter Herr Maak, trug ich mein Haar noch kurz. Außerdem lenkten meine Pixckel von meinem Haupthaar ab. ^^

    @ kleiner.mops: Die Wahrheit ist, liebes Fräulein Mops, mir fällt einfach keine interessante Geschichte über derartige Menschen ein.

    @ ErdgeSchoss: Sie wollte ein Mädchen, er einen Jungen. Nach langen Diskussionen und hitzigen Porzellanschlachten kam das Ehepaar zu einem Konsens. Das Ergebnis war Herr Simone Mühlenschläder, werter Herr Schoss.

    @ Parkster: Es scheint als würden wir Wunden teilen, Sir Parker. Im Nachhinein muss ich festhalten, dass so ein Papier-Kalender weitaus weniger freakig ist als ein Palm. Aber ich war halt ein Nerd… ^^

    @ der.grob: Das erzähle ich Ihnen am 23. Mai in Hanau, werter Herr Grob.

    @ Ichbinerk: Ihr hattet tatsächlich Multiple Choice?!? Ich musste alles selbstständig schriftlich wiedergeben. Wenn man dabei Muster einbaut, wirkt sich das in 95% der Fälle eher negativ aus. ^^

    @ Ray: Endlich mal jemdand, der das auch offen zugibt! 😉

  10. Also hat dich der Mühlenschläder rangenommen?

  11. aber schön das du das noch unbiometrische kärtchen zur ordnungsgemässen führung von kraftfahrtmitteln verschiedenster art erwerben konntest. um dir mal ein virtuelles schulterklopfen zu spendieren: ich hätt den text auch ohne simone gelesen. auch mit herrn mühlenschläder. aber erschreckend ist, das der palm anscheiendn tatsächlich das geheime erkennungszeichen der sauerstoffallergenen lichtphobiker, vulgo nerds war. ich hab meinen palm vii auch noch. aber er ruht in frieden. blackberry sei dank 🙂

  12. Ich glaub ich bin die einzige Frau auf der Welt die Cabrios doof findet 🙂

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