Herr Schmidt.

celebrating the irony since 1982

Die Frau aus dem Internet

Vor sieben Jahren, im Jahr 2000, blieb der vorher so intensiv angekündigte globale Computercrash aus. Das ist soweit bekannt. Weitestgehend unbekannt ist allerdings die Tatsache, dass es eine Person gab, die sich rückblickend einen Totalausfall der Technik gewünscht hätte: Mich!

Aber fangen wir von Vorne an: Mittlerweile hatte ich meinem Friseur zwar die Idee mit dem Pottschnitt ausgeredet und mich auch meines Oakland Raiders-Ponchos entledigt, aber immer noch nicht die Liebe meines Lebens gefunden. Das konnte zum einen natürlich daran liegen, dass ich immens hohe Ansprüche an die Frauenwelt hatte und emotional an eine bestimmte Dame gebunden war, zum anderen – und das ist wahrscheinlicher – konnte es aber auch daran liegen, dass ich ein Upper-Class-Power-Metal-Computer-Nerd(tm) war.

Man muss sich das jetzt so vorstellen: Ich lief in Markenjeans von bekannten Designern, Metal-Shirts und 800-Mark-Mantel durch die Klingenstadt. Dabei baumelte eine Hammerfall-Kette von meinem Hals und diverse Ringe mit Pentagrammen schmückten meine Finger. Wenn ich mein damaliges Ich heute so in der Stadt sehen würde, ich würde es sofort bei „Das Model & Der Freak“ anmelden.

Die Freizeit verbrachte ich fast ausnahmslos vor dem PC. Entweder prügelte ich mich durch irgendwelche Dungeons oder ich kommunizerte über ein ominöses Kuppelportal. Genau dort lernte ich eine 26-jährige Biologie-Studentin aus Österreich kennen. Nächtelang chatteten wir miteinander. Das ging sogar so weit, dass ich mich von einer Party, die ich selbst ausgerichtet hatte, zurückzog, um einen vereinbarten Chattermin einzuhalten.

In meiner Phantasie, sah ich mich schon ins benachbarte Ausland reisen, um von ihrer Erfahrung profitieren zu können. Sie, die acht Jahre ältere Studentin, sollte ihr biologisches Wissen an und mit meinem 18-jährigen Körper in die Praxis umsetzen. Ja, es schien eine Win-Win-Situation zu sein: Sie konnte mit einem jungen Lover angeben und ich Experience-Points für meinen Beischlaf-Skill sammeln. Level Up!

Das blöde an solchen Situationen ist dann nur, dass die Realität meist gar nicht dem Kopfkino entspricht. Genau diesem Umstand musste ich dann auch ins Auge sehen, als ich ein Foto von ihr zugemailt bekommen hatte. Ich sag‘ mal so, wenn man auf einem Lichtbild, dass ein professioneller Fotograf gemacht hat schon aussieht, wie die uneheliche Tochter von Dr. Frank N. Furter und Barbara Streisand, dann hat man zwar das Potential zur neuen Schwulenikone, meinen unverbrauchten Körper bekommt man aber nicht.

Selbstredend, messe ich Menschen nicht nur nach ihrem Äußeren, weshalb der Kontakt auch weiterhin aufrecht gehalten werden sollte. Also, verfasste ich ein paar nette Worte, bedankte mich für das Foto und fügte ein Bild von mir als Anhang bei. Ja, Freunde der Online-Flirterei, und glaubt man’s?!? Seitdem bekam ich keine einzige Nachricht mehr von ihr…

Und was lernen wir daraus? – Mit dem Millenium-Bug wäre mir diese Schmach erspart geblieben und Frauen, die behaupten, sie würden nicht nach dem Äußeren gehen, sind genauso ehrlich, wie (und der Witz ist eigentlich auch schon alt) Radrennprofis auf die Frage nach dem EPO-Konsum.

…und um dem ganzen Betteln und Flehen vorzubeugen, verlinke ich – für die ganz Tapferen – auch noch das besagte Foto von mir: Hier.

7 Comments

  1. Muahahaaa!

    Die Haarfarbe ist nicht echt, oder??

  2. Hm, also ein Bild von IHR fände ich noch interessanter 🙂

  3. herr n. hat recht! wir sind das volk! we want the show! 🙂

  4. @ Madame Sauvage: Die Haarfarbe ist echt. Allerdings kommt sie auf dem gescannten Foto etwas arg "farbig" rüber.

    @ Herr N. & omitz: Also, um eine Abmahnung wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten zu riskieren, muss das Volk hier aber in größerer Anzahl auftreten! Ab zehn Kommentaren (natürlich von unterschiedlichen Usern) fang' ich an zu suchen.

  5. Dich eingeschlossen sind es ja schon 4 🙂

    Die restlichen 6 bekommen wir auch noch zusammen :p

  6. hier hier hier! ich!

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