Ach, würde es Armutszeugnisse auf einem Abreißblock geben, man sollte meinen, sie lägen im Europäischen Gerichtshof aus. Anders wäre der Aufwand viel zu hoch, betrachtet man die Vielzahl der verschiedenen Punkte, für die sich die werten Herren ein eben solches ausstellen müssten…

Was ist passiert? Am 14.06.2017 hat der EuGH, wie der Europäische Gerichtshof von seiner Mutter gerufen wird, entschieden, dass Milch und deren Weiterverarbeitungsprodukte aus einem Lebewesen kommen müssen, um „Milch“, „Butter“, „Quark“, „Joghurt“, „Käse“, etc. heißen zu dürfen. Kommt die FvbaM (Flüssigkeit vormals bekannt als Milch) aus einer Pflanze, dann aber – Himmel hilf – doch wohl auf gar keinen Fall.
Fassen wir also zusammen: Kommt die Flüssigkeit aus der Kuh? – Milch. Kommt die Flüssigkeit aus Hafer? – Keine Milch. Ist der Laib aus Muttermilch von der Nachbarskatze? – Käse. Wurde eine Flüssigkeit aus Soja genutzt, um den Laib herzustellen? – Alles, aber kein Käse.

Warum  beschäftigen sich die Gerichte mit so einem Nonsens, statt sich um wichtige Dinge zu kümmern? – Gute Frage. Offiziell geht es hier um den Schutz der Verbraucher. Denn, mal ehrlich, wer kennt es nicht: Man geht nichts böses ahnend in den Supermarkt, um ein Paket alten Leerdammer zu kaufen und *Zack!Bumm!* findet man sich plötzlich mit einer Scheibe veganem Ersatzprodukt auf dem Frühstücksbrötchen wieder…
…und schon schwebt man in aller höchster Lebensgefahr?!?
…und keine Sekunde später bekommt man so richtig fiesen Ausschlag?!?
…und der Höllenschlund öffnet sich unter dem Frühstücksbrettchen, um die Armeen der Finsternis über Wuppertal-Elberfeld hereinbrechen zu lassen?!?
Oder – ja, muss man sich mal vorstellen: Am Ende schmeckt es vielleicht sogar und man kauft das Produkt nochmal. Bewusst. Nicht aus Versehen. Und der alte Leerdammer, der sonst immer mit den Äpfeln und der Küchenrolle im Einkaufswagen mitfahren durfte, schaut traurig hinterher, während der ungeliebte Adoptivbruder „Veggie-Cheese“ sich den Fahrtwind um die Verpackungsecken wehen lässt.  …und wie fände das wohl der Mutterkonzern von dem alten Leerdammer? Fände der das so gut? Hat vielleicht dieser Konzern und seine Mitbewerber etwas dagegen, dass der alte Leerdammer und seine Kollegen ethisch korrekte Konkurrenz im Kühlregal bekommen? Läuft den großen Milchproduzenten vielleicht dezent der Angstschweiß vom Nacken in die Kimme, wenn Sie die immer wieder auftauchenden Medienberichte über ihren miserablen ökologischen Fußabdruck verfolgen und gleichzeitig, nur eine Armlänge entfernt, dieser vermaledeite Soja-Drink mit seinen Freunden aus Mandel, Reis und Hafer steht? Diese Tetrapak-Avengers in ihrer goldenen Rüstung, gegen die man einfach nix sagen kann…

Aber, gut, gehen wir mal – nur so zum Spaß – davon aus, dass es wirklich nur um den Schutz des Verbrauchers geht und keine Lobby dahinter steckt: Wir, die Verbraucher, wünschen uns seit Jahren eine eindeutige Deklaration von Lebensmitteln, damit wir schnell erkennen können, ob das Produkt nun voller gesundheitsrelevanter Nährstoffe ist oder doch eher voller ungesundem Zeugs und böser Chemie (Stichwort: Ampel). Wir würden gerne wissen, durch welchen Krempel der Orangensaft geflossen ist, bevor er in der Flasche gelandet ist. Wir fordern, dass Gütesiegel wirklich eine Bedeutung haben und man beispielsweise nicht „Tierwohl“ auf ein Schnitzel draufklebt, um ein kurzes Leben voller Qual post mortem noch zu verhöhnen. …aber da tut sich nichts. Da sind wir Verbraucher ja intelligent und mündig genug, um die Produkte zu erkennen, die uns wohl gesonnen sind. …ein Kompendium an E-Nummern auswendig kennen und ein abgeschlossenes Chemie-Studium sowie die lückenlose Einsicht in die Produktionskette, das reiten wir Verbraucher doch locker auf einer Arschbacke runter. …aber wehe, jemand schreibt Quark auf ein Produkt, dass mit pflanzlicher Milch hergestellt wurde…

Wer sollte sich denn jetzt darüber aufregen? Die Veganer? – Nein!
Ich meine, natürlich ist es einfacher, wenn auf dem Mandelmilch-Ersatzprodukt steht, dass es wie Frischkäse ist, damit man weiß, wofür es verwendet werden kann, aber letztendlich kann es dem Veganer doch völlig egal sein, ob auf dem Produkt „Käse“, „Vegäse“, „Sojäse“ oder „Leck-Mich-Doch-Fett-Ist-Das-Lecker-So-Ohne-Tierleid“ steht, er kauft es so oder so weiter. Wer hier wirklich vom EuGH für total beschränkt gehalten wird, sind alle die, die die tierischen Produkte kaufen. Das bedeutet, wenn wir davon ausgehen, dass wir in Deutschland 1% vegan lebende Menschen haben, dass der Europäische Gerichtshof 99% der Deutschen für völlig verpeilte Vollpfosten hält, die ohne Schutz von oben oder maximale Einkaufsbetreuung durch geschultes Fachpersonal, den Camembert nicht vom Tofu unterscheiden können.
…und das würde mich mal so richtig ärgern, wenn man mich für so dämlich halten würde.
…und da würde ich dann einen Aufschrei vom Zaun brechen, der bis nach Brüssel zu hören ist.
Aber ich gehöre nunmal nicht zu diesen 99% und kaufe aus Überzeugung und nicht wegen der Bezeichnung. C’est la vie.

Ach, aber bei all dem Gedöhns, gibt es ja wenigstens noch die Kokoskuh, deren Kokosmilch seit Jahren einen Hauch von Exotik in der Konservenabteilung verbreitet.  …und diesen Fleisch- bzw, Leberkäse, den man an vielen Orten, aber nie im Käseregal findet. Alles korrekt betitelte Produkte, nicht wahr?!? Da findet die Verwechslung traditionell bedingt ja nicht statt. …und Tradition muss man schützen. Besonders vor pflanzlichen Lebensmitteln. Lässt man diesem Packzeug genug Zeit, gehören die am Ende noch dazu; zu der Tradition.
…aber letztens, da habe ich eine Flasche Sonnenmilch gekauft… …die schmeckte aber irgendwie so gar nicht im Kaffee…

Merci vielmals, dass Sie auch heute wieder eingeschaltet haben. Keep on rockin’! …und Tschüss!
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(Heute streichen wir mal die schlechten Witze! – Echt? In welcher Farbe denn?)