Herr Schmidt.

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Eine Mitfahrgelegenheit

Und dann steht man mit herausgestrecktem Daumen am Straßenrand, während das Leben an einem vorbei fährt. Und man brüllt ihm hinter her „Halt an und nimm mich mit, Du Arschloch!“
Ja, und dann geht es in die Eisen und bleibt stehen. Es lässt sich nämlich nicht gerne als Arschloch bezeichnen, dieses Leben, denn es ist ja auch keins. Im Gegensatz zum Tod. Oder der Liebe. Das sind zwei Riesen-Arschlöcher.

Und dann steigt man ein, lässt sich den Fahrtwind ins Gesicht wehen und singt lauthals jeden Song mit, der aus dem Tapedeck kommt. So geht es dann etliche Kilometer, bis man bemerkt, dass sich die Songs nicht ändern. Man stellt erschrocken fest, dass dieses Leben nur eine einzige verfickte Mix-Kassette zu bieten hat.

Und dann hört man auf mitzusingen und die Songs, die vor nicht allzu langer Zeit noch gefeiert wurden, hängen einem zum Hals raus. Genau jetzt fängt das Leben an, Dich komisch anzuschauen. So kennt es Dich ja auch nicht. Ab diesem Moment hat man 3 Möglichkeiten:

Möglichkeit 1: Man grinst das Leben an und fängt an, wieder euphorisch die Songs mitzusingen. Denn egal wie einem das alles zuwider ist, man möchte weiter mitfahren.

Möglichkeit 2: Man greift dem Leben ins Lenkrad und zwingt es rechts ran zu fahren, damit man endlich aussteigen kann.

Möglichkeit 3: Man sagt dem Leben bei jedem Song, der einem nicht passt, dass man ihn hasst und fängt an die Radiofrequenzen nach seiner Musik zu durchsuchen. Das wiederholt man dann Lied für Lied. Bis einen das Leben hinaus wirft.

19 Comments

  1. Sehr schön geschrieben, Herr Schmidt. Da kann man viel für sich herauslesen. Ich würde Möglichkeit 3 bevorzugen. Für Möglichkeit 1 werde ich langsam zu alt und Möglichkeit 2… naja… zu einfach.

  2. Möglichkeit 7:
    Man überzeugt dass Leben dass es noch viele neue gute Songs gibt und steuert mit dem Leben in diese Richtung. Lauthals singend zu den alten Songs die bald mit neuen Erinnerungen überspielt werden.
    … und insgeheim denkst du "Das Leben ist so schön"

  3. Das Leben besteht aus einer Mischung aller von Dir aufgeführten Möglichkeiten, plus noch ein paar mehr! 😉

  4. Mir gefällt die Möglichkeit 7 von Dandu am besten 🙂

  5. Letztendlich sind die weisesten Männer (und Frauen!) wohl die, die

    a) Ihre eigene Kassette (oder ihren eigenen IPod Nano) mitgebracht haben
    oder
    b) die Musik, Musik sein lassen und die Aussicht genießen, während sie ihre eigenen Songs summen

    Und zu guter Letzt:
    Ich glaube nicht das Leben ist das eigentliche Arschloch, dass dir die Fahrt versaut…es sind eher die anderen Menschen, die, scheiße wie sie sind, Dinge von Autobahnbrücken schmeißen und das Leben damit treffen.
    Und ja das meine ich so wie ich es sage!

  6. wie wäre es endlich mal mit einem cd/mp3-player? meine letzte mix-kassette hatte ich anfang der 1990er. da waren noch die "new kids on the block" drauf.

  7. einfach weiterfahren, bis die landschaft wieder schöner wird. dann gefällt einem auch die musik wieder.

  8. man könnte auch ma wieder farrat fahrn.

  9. @ Ronnie: Möglichkeit 3 ist auch für mich die einzig akzeptable Option. Allerdings habe ich das Gefühl, dass gerade mit dem Alter die 1. Möglichkeit immer attraktiver wird…

    @ Dandu: Auch sehr schön! Aber was sind die Alternativen 4 bis 6?

    @ little-wombat: Richtig! Das Leben gibt Dir eine Menge Möglichkeiten, aber man selbst hat eigentlich nur eine, für die man sich entscheiden muss.

    @ bruZard: Da muss sich das Leben aber auch erstmal überzeugen lassen. ^^

    @ Floh82: Die Menschen, die die Musik Musik (stotter ich?!? ^^) sein lassen, haben zwar eine entspannte Fahrt, sind mir aber zuwider!
    …und, ich sagte es ja bereits, nicht das Leben ist das Arschloch, sondern der Tod und die Liebe.

    @ der.Grob: Das Leben ist altmodisch! …und wenn es sich dann mal der Moderne hingibt, dann macht es was?!? – Es überspielt die alte Mix-Kassette eins zu eins auf den MP3-Player…

    @ zoee: Villeicht gefällt einem aber auch die aktuelle Landschaft nicht – obwohl sie ja eigentlich schön ist – weil die Musik einem nicht gefällt…^^

    @ pulsiv: Ja, aber da hat man dann ja überhaupt keine Musik.

  10. Ich bin für 3. Da bin ich auch schon öfter rausgeworfen worden. Meisten auch bei voller Fahrt. Ich lebe immer noch 🙂

  11. nana, hr. schmidt, man entscheidet sich doch nicht nur ein mal im leben? entscheidungen müssen wir immer wieder, jeden tag aufs neue treffen. und mit der musik ist es genauso. ein lied, dass ich vor einem jahr gerne gehört habe, kann ich irgendwann nicht mehr hören! es wird irgendwann obsolet. und dann stehen wir wieder da und müssen aufs neue entscheiden. that’s life!
    btw: aktueller status bzgl. der erkältung? gute besserung vorab! 😉

  12. dann muss man sich eben ab und zu damit abfinden, dass das leben kein ponyhof ist. man kann die musik auch mal abschalten und die nonstop-berieselung verzichten oder eben nicht auf die landschaft sehen, sondern sich auf das fahren konzentrieren! 🙂

  13. Aussteigen und sterben. Leben wird überbewertet.

  14. Radio mit Kassettenabspielgerät, werter Herr Schmidt?
    Was für ein Auto fahren Sie denn?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  15. @ schneegespenst: Das Risiko bei voller Fahrt rausgeworfen zu werden ist natürlich gegeben, aber dennoch finde auch ich, dass Möglichkeit 3 dieses Risiko 100%ig wert ist.

    @ little-wombat: Das stimmt! Man kann nicht immer nur die Songs auf die Ohren bekommen, die man sein Leben lang hören kann. Diese all-time-favourites werden immer wieder durch Schundmusik getrennt.
    Und natürlich muss man sich nicht nur einmal im Leben entscheiden, allerdings wiederholen sich die Entscheidungsfragen irgendwann immer und immer wieder…
    OT: Danke für die Genesungswünsche. Dauert wohl was, bis mein Körper rafft, dass er jetzt nicht krank werden darf! ^^

    @ zoee: Ja, aber sitzt man denn wirklich selber am Steuer? – Ich glaube, man ist Beifahrer und darf ab und zu mal eine Richtung vorschlagen…

    @ Marco: Während der Fahrt?

    @ Erdge Schoss: Eins mit vier Rädern, werter Herr Schoss. Aber die Frage ist doch nicht welches Auto ich fahre, sondern welches Auto das Leben fährt. ^^

  16. Lieber Herr Schmidt,
    es gibt nur eine Lösung: Schmeißen Sie endlich den trotteligen Fahrer raus und nehmen das Steuer selbst in die Hand. DAS Leben gibt es nicht, es gibt nur Ihres und das der anderen. Die Musik Ihres Lebens bestimmen Sie. Geben Sie Gas!

    Herzlich
    Ihre FrauvonWelt

  17. Jetzt schieben Sie doch nicht alles auf das Leben, werter Herr Schmidt!
    Einer muss die Karre doch gekauft haben!

  18. @ FrauvonWelt: Die Musik meines Lebens bestimme ich ganz alleine. Das stimmt, liebe Frau von Welt. Ob ich allerdings bei all‘ der Fummelei am Radio noch genug Aufmerksamkeit für die Fahrerei habe?!? Und da muss man ja dann schon aufpassen, denn mein Leben kann ja ganz schnell auch die der anderen beeinflussen. Das vermischt sich ja dann auch irgendwo, so dass es am Ende ja dann doch wieder DAS Leben ist, oder wie sehen Sie das?

    @ Erdge Schoss: Ja, vielleicht haben Sie wirklich Recht, werter Herr Schoss. Das Leben ist ein viel zu einfacher Sündenbock. Und selbst wenn diesem Leben das Auto gehört, so kann ich ja dennoch mein eigenes Radio, meine eigenen CDs und meinen eigenen iPod mitbringen.
    Ich glaube übrigens, dass das Auto ein Geschenk ist…

  19. Nix da, lieber Herr Schmidt. Sie bestimmen die Musik und die Aufmerksamkeit, die Sie für die Fahrerei haben. Und wegen ein paar Vermischungen hört doch Ihr Leben nicht auf, Ihr Leben zu sein. Ganz im Gegenteil, das macht es doch aus. 

    Herzlich
    Ihre FrauvonWelt

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