Herr Schmidt.

celebrating the irony since 1982

GuV – Eine Abrechnung

Treten Sie näher, nehmen Sie Platz.
Die Kameras laufen, wenn die Bombe gleich platzt.
Jetzt wird gezündet, gleich explodieren.
Zu nah am Feuer, keiner muss frieren.
Schwarzes Gesicht, die Hände verbrannt.
Hauptsache es ist auf Zelluloid gebannt.
Wen interessiert ihr Schmerz und Leid?
Das was zählt ist die Medienwirksamkeit!

Stories schaffen, Bilanz ausgleichen.
Der Wetterbericht wird wieder nicht reichen.
Die linke Seite zeigt 1.000 Tote.
Dagegen gestellt: die Einschaltquote.
Eine Reportage über fremde Krieger
Macht den Teufel zum feisten Sieger.
Denn während die Kamera ihn fokussiert,
Bleibt verborgen was nebenher passiert.

Morgens Massage, mittags neun Puts
Für Mitgefühl ist da nun wirklich kein Platz.
„Es ist egal! Die Welt stirbt so oder so.
Ein Glück, denn ihr Blut ist mein Cash Flow!“
Der Totentanz wird zum Lebenswerk.
Ein Imperium auf dem Leichenberg.
Wen interessiert das hungernde Kind?
Das was zählt ist der Firmengewinn!

GuV heißt Gewinn und Verderben!
Kurse steigen wenn Menschen sterben.
Und der Manager mit Millionengehalt,
Ist der freien Wirtschaft Lichtgestalt,
Wenn seine Worte widerhallen,
Während weit entfernt die Bomben fallen.
Produziert von seinen Fertigungsmaschinen,
Die heute nur noch Roboter bedienen.

Das Restgeld für das Schulsystem,
Macht den Unterricht doch angenehm,
Während Milliarden in die Banken fließen,
Und dort die Kursgewinne wieder sprießen.
Eine Lehrerin kämpft derweil um jeden Schüler,
In einer Lehreinrichtung ohne Bücher.
Die Medien interessiert der Nachwuchs nicht,
Es sei denn er schießt ihr ins Gesicht.

Die Welt brennt unter fettem Bauch.
Tut nicht so! Ihr seht schon lange den Rauch.
Fernseher ein und noch’n Stück Schokolade.
Jetzt: Eine Spendengala als Fassade.
Gleich: Blutiges Szenario und Terrorschock.
Doch zunächst erstmal ein Werbeblock!
Es ist zum Einen deren ungezähmte Gier,
doch verantwortlich seid vor allem Ihr!

Damn!

9 Comments

  1. Ich glaube ich habe selten so ein langes, emotionales Gedicht zu so einem trockenen Thema wie einer Gewinn- und Verlustrechnung gehört. Besten Dank und gratuliere zu diesem Gedicht!

  2. Sehr gut geschrieben!

    Ich kann dir „Die dunkle Seite“ von Frank Schätzing ans Herz legen, behandelt ein ähnliches Thema.

  3. Ich auch, werter Herr Schmidt?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  4. Ich, werter Schmidt, rette jeden Tag Menschen, aber jetzt habe ich trotzdem ein schlechtes Gewissen. Toll, Herr Schmidt!

  5. manche würden kommentare reimen
    um sich beim authoren einzuschleimen
    zum glück tu ich nicht zu denen gehören
    weil solche leute mich wirklich stören

    doch das ist gelogen. denn dass ich nicht reime
    hat nix zu tun mit eingeschleime
    viel mehr ist der grund und das müsst ihr mir glauben
    ich kann gar nicht reimen

    ende

  6. Ich bescheinige Ihnen hiermit Talent, Herr Schmidt. Und das bei so einem schwierigen Thema.

  7. Tut weh, drum ist’s gut. Chapeau!

  8. @ Floh82: Merci vielmals!

    @ Herr N.: Danke! Sobald ich wieder ein Leben habe, werde ich Deinem Tipp Folge leisten.

    @ Erdge Schoss: Ich befürchte wir alle, werter Herr Schoss!

    @ kleiner.mops: Sie retten Menschen, liebes Fräulein Mops?!? War das nicht eigentlich der Job von Lassie?

    @ Maak: Hören Sie bloß nicht darauf was die anderen meinen,
    denn ich weiß ganz genau, Sie können sehr wohl reimen!

    @ Franzi: Ein solches Lob aus berufenem Munde macht micht besonders stolz. Merci vielmals!!

    @ der.grob: Oh, oh, oh, ein Blog-MashUp, werter Herr Grob?!? Dann sind sie ab sofort NerdGrob!

    @ Ray: Das hast Du gut auf den Punkt gebracht. Es sollte nämlich auch weh tun. Dank Dir!

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