Herr Schmidt.

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Herr Schmidt lässt die Puppen tanzen

Wenn ich so an meine Grundschulzeit zurück denke, kommen nicht viele Erinnerungen hoch. Da wäre ein Mal diese eine Stunde im Musikunterricht, in der sich mein damaliger bester Freund in bester Bart-Simpson-Manier an den Hals gefasst hat, um sich dann unter lauten Würgegeräuschen einfach seitlich vom Stuhl fallen zu lassen oder die Peinlichkeit, die wohl jedem mal widerfahren ist, wenn man seine Klassenlehrerin mit „Mama“ anspricht.

Im Großen und Ganzen waren meine vier Grundschuljahre eher unspektakulär: Ich hatte immer gute bis sehr gute Noten und war beliebt bei Lehrern, Mitschülern und – das ist besonders wichtig – bei den Mitschülerinnen. Ja, ich kann und will es nicht leugnen, schon in der Grundschule zeichnete sich das ab, was sich im Laufe der Jahre bestätigen sollte: Ich komme beim weiblichen Geschlecht ganz gut an.

Während sich die vermeintlich coolen Klassenkameraden damit befassten, sich in der Freizeit im Dreck zu suhlen und gegenseitig mit selbstgemischten Schlammgranaten zu bewerfen oder aber in zugigen Baumhaus-Rohbauten ausharrten, genoß ich das Privileg zu meinen Klassenkameradinnen nach Hause eingeladen zu werden. Schon damals erkannte ich, dass die Jungs, die sich Pause für Pause über den Schulhof prügelten, vielleicht den Fame der Geschlechtsgenossen bekamen, dies‘ aber nicht der Weg war, um in das Schlafzimmer einer Frau zu gelangen. Junior-Schmidt lernte damit eine wichtige Lektion für’s Leben.

Als ich dann auch noch zu der Geburtstagsfeier einer Klassenkameradin eingeladen wurde, zu der außer meinem besten Freund (damit ich auch ja komme), nur Mädchen eingeladen waren, hatte ich ein für alle Mal klar gestellt, wer der größte Hengst im Stall war. Diese Einladung damals, kann man heute vielleicht am ehesten mit der Einladung zur Weihnachtsfeier im Playboy-Mansion vergleichen. Nur eben ohne andere Kerle.

Freunde, ich war so etwas, wie der Heinz Sielmann der 3. Klasse: Ich durfte hautnah Ritualen und Verhaltensweisen von heranwachsenden Frauen beiwohnen, die vorher noch kein heranwachsendes Männchen beobachtet hatte. Ich bekam Antworten auf die Frage, die ich mir vorher nie so oft gestellt hatte:

Was machen Mädchen, wenn sie unter sich sind?

Die anwesenden Mädchen versammelten sich also um die Kiste, die randvoll war mit nackten Körpern und miniaturisierten Kleidungsstücken und begannen wie wild darin herum zu kramen, während wir Jungs etwas abseits saßen. Wir wurden regelrecht ignoriert. So hatte ich das bisher auch noch nicht erlebt. Bisher konnte man mit den Mädchen doch ganz gut was zusammen machen: Malen, Gesellschaftsspiele, Lernen, usw. Bisher hatte man doch immer Kompromisse finden können. Wieso geht das jetzt nicht? Wieso sind die Mädels in der Gruppe so anders? – Junior-Schmidt lernte eine weitere Lektion für’s Leben: Frauen sind nur dann kompromissbereit, wenn es keine ihrer Geschlechtsgenossinnen mitbekommt. Ansonsten ist es „her way or the highway“!

Nachdem dann auch der Kartoffelsalat mit den Wiener Würstchen verspeist war und es schon fast Zeit für den Geburtstagskuchen war, die Mädchen aber immer noch dabei waren, unermüdlich Plastik-Bulimie-Vorbilder an-, aus- und umzuziehen, fasste ich einen Entschluss: „So kann das nicht weitergehen“, sagte ich zu meinem besten Freund, „wenn man den Feind nicht besiegen kann, dann muss man sich mit ihm verbünden.“ Diese Lektion hatte ich schon im Kindergarten gelernt, als es um die Vorherrschaft im Sandkasten ging. Kurz darauf hingen auch wir zwei über der Spielzeugkiste und suchten manisch nach dem passenden Top oder dem zweiten High Heel für unsere Barbie. Selbst als es Kuchen gab, ließen wir unsere Puppen nicht im Kinderzimmer zurück, sondern nahmen sie mit an den Esstisch.

Ja, und später haben wir dann noch Flaschendrehen gespielt. Aber das ist eine ganz andere Geschichte…

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17 Comments

  1. "Plastik-Bulemie-Vorbilder" *rofl* ja, das waren noch zeiten. ich kann mich noch erinnern, ich war in der 3. klasse und habe meinen damaligen schwarm eingeladen. er hieß gerald. und der burner, er hat mir ein unterwäschen-set gekauft! n schlüppi und den passenden slip dazu! er hat damals schon gewußt, wie man die mädels beeindruckt, genauso wie sie, herr schmidt! :mrgreen:

  2. Statt Puppen umzuziehen, erinnere ich mich an einen Geburtstag von Herrn B. als diverse Klassen- und Schulkameraden verkleidet zur Karnevals-Geburtstagsparty kamen. Hier ein tapferer Ritter, dort ein schießwütiger Cowboy und mittendrin ein Bär….und die Erkältung hab ich mir dann in diesem stickigen Ding direkt mit abgeholt. Also ich fand wohl schon damals dass es spannender ist sich selbst zu verkleiden als Plastik-Bunnies mit utopischen Traummaßen in Bikinis zu zwängen. Mal davon abgesehen dass ich schon immer die anatomischen Fehler dieser Puppen anprangerte…."und wo um Himmels Willen kommt die Pipi raus?"…noch bevor dieses Problem von den Puppenfabrikanten gelöst wurde (igitt!) bin ich kein Kind mehr gewesen.

  3. Mir wird schlagartig VIELES klar, Herr Schmidt 😉

  4. @ little-wombat: Ha, sehr gut! Schon in der Grundschulzeit ein Unterwäsche-Set zu verschenken, beeindruckt selbst einen Windel-Casanova, wie mich. Was schenkt der gute Mann heute?!?

    @ Floh82: Du willst mir jetzt nicht ernsthaft erzählen, dass es Barbies gibt, die Pipi und Kacka machen können, oder????

    @ Herr N.: Zum Beispiel? – Warum ich mich auch heute noch so gerne mit Frauen umgebe?

  5. @Herr Schmidt:
    Barbies? Nein….Matel hat sich zurückgehalten. Aber es gibt ja noch Zapf Creation…mit ihrer ganz eigenen Entwicklung: Baby Born

  6. Für die Lesefaulen unter den Lesern (äh….jap) ein paar Auszüge aus der Bedienungsanleitung die man auf der oben verlinkten Internetseite findet:
    Hinweise für Kinder:Nach dem Füttern muss deine BABY born® natürlich auf das Töpfchen. Dazu musst du sie ausziehen,ihre Beine anwinkeln und sie auf das Töpfchendrücken.Hinweise für Eltern:• Bitte erklären Sie Ihrem Kind, dass man einKleinkind nicht derartig auf das Töpfchen drückt.• Der Brei verlässt den Körper von BABY born®nur, wenn ihre Beine in das Töpfchen gedrücktwerden, da sich dann im

    Und das ganze gibt es auch mit Pippi…..

  7. Ähm…ja. Irgendwie widerlich. Woher kennt man so etwas?
    Demnächst gibt es dann die Top-Model-Barbie, der man nach dem Low-Carb-Mittagessen die mitgelieferte Feder in den Rachen stecken muss, um sie zum Rückwärtsessen zu motivieren. Nur so kann die Top-Model-Barbie ihr Gewicht halten… Wei-o-wei

  8. keine ahnung, es war jedenfalls der selbe mann, der in der 4. klasse seinen tisch im klassenzimmer vollgekübelt hat. ich glaube, seit diesem tag mochte ich ihn nicht mehr leiden.

  9. @Herr Schmidt: Einfach nur, warum Sie sind, wie Sie sind und warum Sie glauben, was Sie glauben. Wie schon erwähnt: VIELES 😉

  10. @ little-wombat: Kann ich gut nachvollziehen. Da kann ich ja froh sein, dass mir so etwas erspart geblieben ist. Wer weiß, wie sich meine Wirkung auf Frauen sonst entwickelt hätte… 😉

    @ Herr N.: Was glaube ich denn bitte schön???

  11. @Herr Schmidt:
    Aus der TV-Werbung. Und wahrscheinlich liegt auch hier der Grund warum mein Fernsehkonsum in den letzten Jahren immer mehr abgenommen hat….naja wenn wir mal vom Internet als Grund absehen.

  12. ihnen ist schon bewusst, dass dieser nachmittag über ihre sexualität hätte entscheiden können?
    glück gehabt, würd ich mal sagen. 😛

  13. @ Floh82: Hab' ich noch nie gesehen. Aber auf 3Sat und Arte kommt so etwas ja auch nicht. *räusper*

    @ pulsiv: Wer sagt, dass es nicht gerade dieser Nachmittag war, der mir gezeigt hat, in welche Richtung ich mich orientieren soll?!? ^^
    Sorgen hätte man sich, glaube ich, erst dann machen müssen, wenn ich versucht hätte, Ken die Heels anzuziehen… 😉

  14. ich hab ja früher auch mit den barbies von den kleinen kuhsienen gespielt… aber die waren IMMER nackt dabei (die barbies!) und haben sich (also wirklich nur die barbies!) an kens fehlendem geschlechtsteil gerieben.

  15. Natürlich. Nur die Barbies. Selbstverständlich. So, so.
    Oder waren es doch die Cousinen?!? 😉

  16. Ich stand eher so auf Lego^^

    *grins*

  17. Lego war auch immer mein Favorit.
    Nach diesem Kindergeburtstag habe ich sogar versucht eine Barbie aus Lego nachzubauen… 😉

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