Herr Schmidt.

celebrating the irony since 1982

Mein erster Urlaubsflirt

Schon als junger Herr Schmidt konnte ich Ansätze bestimmter Verhaltensweisen und Vorlieben vorweisen, die ich heute noch mein Eigen nennen darf. Ein paar Beispiele? – Kommen sofort:

  • Eine Faszination für blondhaarige Frauen
  • Eine Liebe zur Musik
  • Eine temporär auftretende Arroganz
  • Eine Präferenz für nördlich gelegene Urlaubsziele

So kam es dann auch, dass ich mit 14 Jahren den Entschluss fasste an einer Jugendfreizeit nach Dänemark teilzunehmen. Die Tatsache, dass das Ganze von der Evangelischen Kirche organisiert wurde, störte mich zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht. Die nihilistische Phase sollte erst später Besitz von mir ergreifen. Aber das ist eine andere Geschichte…

An die Freizeit selbst habe ich nur wenige Erinnerungen. Woran ich mich allerdings sehr gut erinnere sind die beiden „Errungenschaften“ die sie mir brachte: Zum einen hatte ich die Gelegenheit „(What’s The Story) Morning Glory“ von Oasis auf Musikkassette überspielt zu bekommen, zum anderen lernte ich eine junges blondhaariges Ding aus dem beschaulichen Burg kennen. Eine belesene junge Frau – sie war immerhin schon 15!- mit Sinn für Humor. Das war sie für mich. Und der Umstand, dass sie begeisterte Fussballspielerin war und FC-Fan, machte sie mir auch nicht gerade unsympathischer.

Jetzt muss ich natürlich erwähnen, dass mein Flirtverhalten in dem Alter noch nicht so ausgeprägt war, weshalb sich die verbalen Konversationen auf das Wesentliche beschränkten und die intimeren Themen nur durch pubertäres Briefchenschreiben ausgetauscht wurden. Ob sie in dem Punkt den gleichen Entwicklungsstand hatte oder mir damit nur einen Gefallen getan hat, kann ich nicht sagen. Vermutlich letzteres…

Jedenfalls konnte ich mich während des Urlaubs nicht dazu durchringen, Erfahrungspunkte in meinem praktischen Flirt-Skill zu sammeln. Wenn man bedenkt, dass ich zu dieser Zeit einen furchtbaren Pottschnitt hatte und einen seltsamen Oakland Raiders-Poncho inklusive passender Kappe für trendy & stylish hielt, war das ein großer Fehler. Eigentlich hätte ich jedes weibliche Wesen, das sich trotzdem mit mir unterhält, vom Fleck weg heiraten müssen.

Dieses Versäumnis – der Ausbau des Flirt-Skills, nicht die Schließung der Ehe – sollte aus der Welt geschaffen werden, nahm ich mir bei der Rückkehr in good ol‘ Solingen vor. Mit diesem ehrenvollen, ja gar heroischen Ansinnen vor Augen, griff ich mehr als nur ein Mal zum Telefon, um die angebetene anzurufen. Und jedes Mal legte ich auf, ohne auch nur eine Ziffer gewählt zu haben. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke: Ich trug den Pottschnitt zu Recht!

Auch wenn ich die Flirt-Erfahrung eines Tischrechners und den Mut eines Rebhuhns hatte, dieses Bild einer Frau aus den Augen zu verlieren, konnte ich nun gar nicht akzeptieren. Also musste ein Plan B her: Die junge Dame spielt Fussball, ich sehe mir gerne Fussball an, sie hatte mich herzlich zum Zuschauen eingeladen. Da war er, der Plan B. Woche für Woche dominierten die Heimspiele ihres Vereins meinen Sonntag. Gerade der Herr B. musste das ein oder andere mal unter diesem Umstand leiden, da jedwede Form von sonntäglicher Freizeitgestaltung ein jähes Ende fand, wenn mir auffiel, dass meine Angebetene den Ball kickt. Da wurde dann auch mal zum Bus gerannt!

Ja, Freunde des zweideutig interpretierbaren Wortes Ballsport, so standen wir also am Spielfeldrand und sahen der blondhaarigen Sportlerin bei ihren Aktivitäten zu. Wir, das waren der Herr B. (zwangsweise), sein Bruder (zwangsweise?), ein Namensvetter von mir (eindeutig freiwillig, ärgerlicherweise) und ich. Woche für Woche, Heimspiel für Heimspiel, drei bis vier Zuschauer, die gerne auch mal den Trikottausch forcierten und dadurch böse Blicke der Trainerin ernteten. Woche für Woche, Heimspiel für Heimspiel, drei bis vier Zuschauer, die 90 Minuten plus Duschzeit auf die junge Fussballerin warteten, um noch etwas zu unternehmen…

Machen wir es kurz: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es jemals zu einer gemeinsamen Freizeitgestaltung nach dem Fussballspiel gekommen ist. Und wenn ich bedenke, dass das Letzte, was ich über meine Miss Sommerfreizeit 1996 gehört habe, das Gerücht ist, dass sie betrunken mit einem Stock hinter einer Katze her gelaufen ist, um diese zu penetrieren, dann muss ich mich im Nachhinein wohl doch bei meinem Friseur für den Pottschnitt bedanken.

9 Comments

  1. 1996. Das ist lange her. Da hatte ich noch lange Haare (jetzt habe ich wieder lange Haare, kleiner feiner Unterschied). Viel mehr fällt mir dazu gerade nicht ein, weil 1997 irgendwie alles überlagert. Ich muss mal drüber nachdenken.
    Aber Du mit Pottschnitt? Muss ein herzzerreissender Anblick gewesen sein 🙂

  2. In etwa so:

    oder so:

    Ob das jetzt herzzerreissend ist, muss jeder selbst entscheiden. 😉

  3. Ach wie süß.

    Ich weiß von wem du redest und mir ist gar nicht so sehr aufgefallen dass Herr B. und sein Bruder sonntags immer mit dir zum Fußball gegangen sind *g*.

    Und übrigens: Die temporär auftretende Arroganz muss mir persönlich entgangen sein….jedenfalls würde ich dich nicht so beschreiben (aber das soll es auch mit dem Schleimen gewesen sein 😉 )

  4. Owei. Das erinnert mich daran, daß man sich über ein Mädchen in meiner Stufe erzählte, sie habe ihr Pflegepferd mit dem Hufkratzer penetriert. Könnte auch so 1996 gewesen sein…

  5. frauen die fußball spielen sind mir ohnehin suspekt.

  6. Herr Schmidt,

    wir müssen uns früher wahnsinnig ähnlich gewesen sein, ich wette, wir hatten den gleichen Raider Poncho inkl. Cappy… Und das schlimmste: Ein Bild mit besagtem Poncho (eigentlich war es eher ein Hemd) hängt bei meiner Mutter in der Küche 0_o Als Halsschmuck hatte ich noch ne tolle Dog-Tag um…. Man, waren wir cool….

  7. @Floh82: Dem Herrn B. sein Bruder (*g*) war nicht wegen mir da. So viel weiß ich. Die Frage ist: War er in eigener Sache dort oder als Begleitung meines Namensvetters?
    Ich finde auch, Du hast genug geschleimt. Ist ja widerlich! 😉

    @Pleitegeiger: Schön, dass es diesmal mit Deinem Kommentar geklappt hat.
    Da ich davon ausgehe, dass Deine Stufenkollegin nicht aus der Klingenstadt kam, sollte man vielleicht von einer weit verbreiteten Sekte ausgehen…

    @der.Grob: Mir sind Fußbälle, die Frauen spielen suspekt.

    @Herr N.: Das kann gut sein, dass wir den gleichen Poncho hatten. War glaub' ich von Kaufhof, wenn ich mich nicht irre. Ein Dog-Tag hatte ich übrigens nie. Fand' ich früher aber auch cool. Diese Parallelen. Erschreckend!

  8. Hm….mir fällt jetzt kein Namensvetter ein, außer einem Handballspieler der ebenfalls in Dänemark war.

  9. Blonde Frauen sind auch faszinierend. Für mich aber nur, weil ich mich immer frage, ob's wohl echt ist.

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