Herr Schmidt.

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Meine erste Bondage-Session

Als ich sonntags mit einigen meiner Freunde bei Koks, Nutten und Blackjack Cappuccino und Kuchen saß, kamen mir die Erinnerungen an meine erste und – so viel sei schon mal vorweg genommen – bis dato letzte Bondage-Session wieder ins Gedächtnis. Ja, und ich wäre mit Sicherheit nicht ich, würde ich Euch diese Anekdote vorenthalten.

Wie Ihr ja bereits wisst, war ich schon im frühesten Kindesalter ein gern gesehener Gast auf den Parties, die für die Augen der meisten Männer ihr Leben lang verschlossen bleiben. Und meine dortige Anwesenheit war nicht nur vorhergehend erwünscht sondern auch nachträglich gefeiert. Da war es nur eine Frage der Zeit bis ich der Flut derartiger Einladungen mit einer entsprechenden Gegenwelle an Absagen begegnen musste. Schließlich war mir schon damals klar, dass ich so einen Lebensstil nur dann bis zu meiner Rente mit 36 durchhalten kann, wenn ich mir meine Kraftreserven einteile und dafür sorge, dass mein Haar wundervoll und zahlreich vorhanden bleibt. Denn, seien wir mal ehrlich, nur wer optisch und körperlich topfit ist, bekommt eine jüngere Besserverdienerin ab, die einem die porscheuntermalte Rente mit Mitte Dreißig ermöglichen kann.

Ich machte mich also rarer als die Haare von Pierluigi Collina und steigerte so das Interesse an meiner Person auf einen Wert, den man getrost mit dem Höchststand der VW-Aktie im letzten Oktober vergleichen kann. Nur eben noch höher.

Mit diesem Anstieg meines gesellschaftlichen Wertes stieg auch die Kreativität des weiblichen Bevölkerungsteils der Blade City No. 1 und so kam es wie es kommen musste. Kaum sahen sie ihre Felle davon schwimmen wie sonst nur ihre Biberreste in der Dusche, legten sie Füllfederhalter und parfümiertes Briefpapier beiseite und zogen andere Saiten auf. Statt ausgefeilter Einladungskartenkunstwerke in meinem Briefkasten gab es hinterhältige Guerilla-Attacken auf meine Person, die selbst Mao Zedong nicht eingefallen wären. Hätte ich nicht die Anweisung von ganz oben, würde ich Euch Details erzählen, aber Zeugenschutzprogramm und so. Kennt Ihr ja.

Man konnte förmlich zusehen und warten bis diese Form des zwischengeschlechtlichen Intermezzos in einem fulminanten Finale enden würde. Doch wie fulminant es dann letztendlich war, konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht mal in Ansätzen erahnen. Während mein damaliger bester Freund (der sich im Übrigen als ein wahrhaftiges Arschloch herausstellen sollte, was aber widerum eine komplett andere Geschichte ist und deshalb hier nicht näher beleuchtet wird) und ich einen lauen Sommertag im Freien genießen wollten, gesellten sich zwei Damen unseren Alters aus der Nachbarschaft zu uns. Ihr blondes, langes Haar leuchtete in der Sonne und ihre grazilen Körper schienen sich mehr tanzend als gehend auf uns zu zu bewegen. Sie starteten den elegantesten Frontalangriff in der westlichen Geschichte und die Art und Weise wie Sie mit uns interagierten ließen meine Nackenhaare erstarren. Irgendetwas stimmte an der Sache nicht. Blöd war nur: Ich wußte nicht was!

Die beiden scharwänzelten die ganze Zeit um uns herum und begutachteten mich mit lüsterneren Blicken als Reiner Calmund ein frisch frittiertes Spanferkel. Dabei separierten sie mich so geschickt von meinem Freund, dass ich sein Verschwinden zunächst gar nicht bemerkte. Und als ich es bemerkte war es auch schon zu spät: Die zwei Grazien pressten mich gegen einen Holzpfeiler, legten mir ein stabiles Seil um die Handgelenke und verknoteten es in einer Perfektion, die selbst alte Hamburger Seebären nicht an den Tag legen könnten. Ehe ich mich versah stand ich also mit den Händen hinter dem Rücken um den Holzpfeiler gefesselt in der prallen Sonne während zwei Blondinen mit ihren Händen über meinen Körper fuhren.

Mehrere Stunden war ich dieser Situation hilflos ausgesetzt, bis ich mich befreien und fliehen konnte. Freunde, ich sag’s Euch, dieses Erlebnis hat mich so traumatisiert, dass ich den Spielplatz bis zu meinem achten Lebensjahr gemieden habe.

16 Comments

  1. also ich hätte sie noch mit honig eingeschmiert und ne ladung federn über sie gekippt. und abgewartet. was so passiert LOL…..
    sie waren also schon immer ein womanizer, hä? 😎

  2. Herr Schmidt, Sie müssen schon als Kind eine Granate gewesen sein! Danke für den Lacher am Morgen. Den konnte ich gut gebrauchen.

    Lachend,
    Ihre Frau Ährenwort

  3. Ich hoffe, Sie konnten sich später ganz fürchterlich an den zwei Furien rächen. Mit Spinnen oder Brennnesseln oder so.

  4. Ein Leben mit diesen Träumen muss furchtbar sein, Herr Schmidt, ich leide mit ihnen – nehme allerdings an, die beiden Grazien wären jetzt vom Alter her reif für Rache – würden die auch entsprechend einordnen können?

  5. Deswegen lese ich hier so gerne, weil ich öfters neue Begriffe lerne: Biberreste

    *rofl*

  6. Welcher Spielplatz war es denn, ich möchte dort gerne eine Gedenktafel errichten!

  7. Ja, bei mir ging’s da auch mal rund. Auf dem Karrusell…

  8. Traumatisiert, lieber Herr Schmidt? Warum denn?

  9. @Schmidt & FrauvonWelt: Tja, das wuerde ich auch gern wissen!

    Oder war das gar ein Nachtmar? 😉 so einen haette ich auch gerne!

  10. @ little-wombat: Ja, aber natürlich! Wen sollte Britney denn sonst besingen?!?

    @ Frau Ährenwort: Ich war die Little Boy unter den Grundschülern, liebe Frau Ährenwort.

    @ AnA: Ehrlich gesagt glaube ich, dass ich durch dieses Erlebnis zu meiner Caligynephobie gekommen bin.

    @ Ray: Also wenn ich wüßte, was aus den Damen geworden ist und wo ich sie antreffen könnte, würde ich das mit den Fesselspielchen vielleicht mal umkehren…

    @ Phil: Das geht ja runter wie Öl! Merci vielmals!

    @ Sabine: Mit welcher Inschrift?

    @ Ronnie: Ich sag’s ja: Die Kindheit – ein einziges Auf und Ab. Gerade auf der Wippe.

    @ FrauvonWelt: Ja, haben Sie den Text denn nicht gelesen, liebe Frau von Welt???

    @ chipkali: Von zwei Blondinen gefesselt zu werden?!? Interessant! 😛

  11. Ach so, lieber Herr Schmidt, lesen muss ich auch. Ich Dussel.

  12. Zwei Blondinen, werter Herr Schmidt, die Sie in gleißender Sonne stundenlang penetrierten?
    Hatten Sie denn wenigstens ein Mützchen auf?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  13. Was für ein Glück für die Damenwelt, das sich das Trauma nicht auf sie ausgedehnt hat!

    PS: Kann es sein, das jeder mal in seinem Leben mit einem besten Freund, der sich später dann als waschechtes ungewaschenes Arschloch herausstellt, zu tun hat?

  14. Ich auch. Weil ich immer die Wippe in die Klöten bekommen habe

  15. Koks, Nutten, klingt nach nem guten Sonntag.

  16. Super geschrieben weiter so!!

    {Edit: URL von His Schmidtness entfernt}

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