Herr Schmidt.

celebrating the irony since 1982

Michael Jackson

Ich mache mir da jetzt bestimmt keine Freunde mit, aber es muss raus: Mir geht dieser Hype um den Tod von Michael Jackson tierisch auf die Klöten. Klar, der Mann hat in den 70ern & 80ern ordentlich die Charts gerockt und ein paar unsterbliche Songs geschrieben. Ich habe auch einen riesigen Respekt vor der Anzahl seiner verkauften Platten, aber das ist schon lange her. Streng genommen war Jacko schon seit Jahren Tod. Die letzten Nachrichten waren immer peinlich und beängstigend, die musikalischen Erfolge blieben aus.

Michael Jackson hat die heutige Musikergeneration geprägt und war auf der Bühne ein Riesen-Entertainer. Im Gegensatz dazu war er vermutlich innerlich ein zerbrochener Mensch, der sein Leben lang sich selbst gesucht hat. Irgendwo zwischen der Flucht vor den Genen seines Erzeugers und einer vielleicht vorhandenen Transsexualität, hat er seinen Körper so heruntergewirtschaftet, dass er froh sein kann so lange durchgehalten zu haben. Er war seit Jahren ein wandelndes Wrack – körperlich wie seelisch und finanziell noch obendrein. Vielleicht war der Tod auch eine Art Erlösung für ihn.

Ich gestehe jedem Fan ein, um Michael Jackson zu trauern, finde es aber realitätsverzerrend, dass um den Jacko der 80er getrauert wird und alles andere vergessen wird. Das führt leider dazu, dass eine Ikonisierung, eine Hysterie entsteht, die weit über das angemessene Trauern hinaus geht. Und dann muss ich es dann doch mal auf den Punkt bringen: Es kann sein, dass der Mann ein Kinderschänder war! Auch wenn ich nach dem Motto „Im Zweifel für den Angeklagten“ lebe, sollte man solche Aspekte nicht außen vor lassen. Bei so etwas sind dann nämllich auch die musikalischen Erfolge kein adäquates Gegenwicht. Bedenkt das bitte, wenn Ihr trauert. Der Mann war kein Heiland und auch kein Außerirdischer. Er war ein Mensch. Und Menschen sterben gerade reihenweise weltweit in ihrem Kampf für Gerechtigkeit und Freiheit. Vielleicht zweigt Ihr ja ein wenig der Trauer für diese Leute ab.

Moralpredigt Ende.

Mach et joot, Michael. Da oben hast Du es besser als hier! For sure!

14 Comments

  1. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen!

  2. Full ACK. Nur bezweifle ich sehr, dass gerade reihenweise Menschen weltweit in ihrem Kampf für Gerechtigkeit und Freiheit sterben. Wohl eher im Kampf für die Durchsetzung der mehr oder weniger politischen Interessen ihrer Führer… auf allen Seiten!
    Nur mal so am Rande bemerkt, weil das Tian’anmen-Massaker auch gerade zwanzig Jahre her ist. Das mit der „Gerechtigkeit und Freiheit“ sieht eher zunehmend finster aus…

  3. Es war doch sowas von offensichtlich, dass es bei den Klagegen gegen ihn nur ums Geld ging.

  4. vielleicht war er ja doch ein ausserirdischer. dann macht der hype wenigstens sinn.

  5. Ganz Ihrer Meinung, Herr Schmidt… ganz Ihrer Meinung.

  6. Ach der Jackson lebt noch. Der hat nur den Elvis gemacht, welcher bekanntlich ja auch noch unter uns weilt, weil er bemerkt hat das das mit seinen Auftritten im August in London doch nichts wird.
    Und so hat er sich mit seinem vorgetäuschten Tod eben selbst gut aus der Affäre gezogen.

    Im übrigen, Du hast sowas von Recht, Jackson ist schon lange tod. Zumindest der Jackson auf den man noch schaute und den man ggf achtete.
    Nach den 80’ern war er doch nur in den Klatschnachrichten zu finden.

    Mir geht der Medienhype wegen seinem Tod auch ziemlich auf den Senkel. Und immer wieder der Titel „king of Pop“. Ey bitte… der hat den Titel sich selbst gegeben… das ist doch irre!

  7. „Ich mache mir da jetzt bestimmt keine Freunde“

    richtig.

  8. funky.cinderella

    27. Juni 2009 at 1:44

    Ja, da stimme ich absolut zu! Mit M.J. ist ein Teil unserer Jugend gestorben. Punkt. Durch seine musikalischen Erfolge bleibt er auf ewig erhalten- das ist nicht vielen Schicksalen vergönnt und daran sollte man immer denken. Punkt. Ein Tag- die ersten fünf(!) Minuten der Heute Sendung für den King of Pop. Reicht. Es gibt Wichtigeres.
    Herzlich und Nachdenklich,
    f.c.

  9. Wie ich sehe teilen sich die Meinungen. Die Leute in meinem Alter mögen Michael Jackson eher nicht (Seine Musik schon aber nicht die Person). Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir nicht mit dieser Musik aufgewachsen sind und nur die schlechten Seiten sehen. Ich kann sie also hundertprozentig verstehen Herr Schmidt!!

  10. ich habe hier drei tapeten getippt, bis ich mich doch für die kurzfassung entschlossen habe: das, was du hier geschrieben hast, finde ich persönlich oberscheisse, total unreflektiert und wirklich schlecht recherchiert, nämlich kein bisschen.

    vor allem der aufruf zum verteilen von mitleid für andere menschen, die es nötiger haben als jemand, der ein kinderschänder „sein könnte“.
    mal ganz ehrlich, sven – die zeit, in der du diesen artikel geschrieben hast, hättest du auch für etwas mitleid nutzen können.

    ich mag dich wirklich sehr gerne, aber diesen artikel fand und finde ich nicht sehr gelungen. und unangemessen. aus meiner persönlichen sicht.

  11. Eigentlich wollte ich hier ja nichts mehr zu schreiben, da ich alles gesagt hatte und keine unendliche Diskussion von Zaun brechen wollte, die sowieso ergebnislos bleiben wird. Es gibt Menschen, die den Rummel verstehen und es gibt Menschen, die tun es nicht; und das ist auch gut so.
    Aber hier möchte ich doch für eine kleine Klarstellung sorgen:

    @ zoee: Ich stimme Dir zu, der Artikel war nicht gut recherchiert. Er wurde – wie nahezu alle meine Beiträge – im Affekt geschrieben. Das hier ist kein redaktionelles, objektives Blog sondern mein kleines, persönliches. Hier gibt es demnach meine Meinung, die, im übrigen, sehr wohl reflektiert ist. Ich habe mir die Art und Weise, wie um den Mann getrauert wurde angeschaut, habe besonders das Medientheater verfolgt und bin zu der Ansicht gekommen, die ich oben niedergeschrieben habe. Darin – und das möchte ich noch ein Mal betonen – habe ich in keinem Wort verurteilt, dass um MJ getrauert wird. Ich habe nur die Art und Weise wie es getan wird kritisiert. Denn, mal ehrlich, wenn weltweit hunderte, tausende von Menschen sterben, ist es den Nachrichten ein paar Sekunden wert und verursacht bei den Zuschauern ein kurzes, entsetztes Kopfschütteln. Stirbt aber ein ehemaliger Popstar (dessen damalige Erfolge und Einfluss ich auch in keinster Weise abgewertet habe), wimmelt es von Sonderberichten, die Nachrichtensendungen machen Überstunden und Millionen Menschen werden zur personifizierten Verzweiflung. Wo ist da das Verhältnis?!?
    Sollte die Darstellung des aktuellen „King Of Pop“ missfallen, dann habe ich da sogar Verständnis für. Aber er war pleite, er war seelisch krank, er hatte einen durch OPs und Medikamente (die Suchvorwürfe mal ganz außen vor) gezeichneten Körper und die letzten musikalischen Erfolge liegen Jahre zurück. Die vermutliche Erklärung für die meisten genannten Punkte, ist mir klar und wurde von mir auch erwähnt: Sein Vater. Wie dieser Jacko gequält hat, ist ja allgemein bekannt. Demnach ist es nur verständlich, dass er alles, was ihn an seinen Erzeuger erinnerte, aus dem Gesicht haben wollte. Ja, und in einem Interview hatte MJ einst gesagt, dass er die Optik seiner Schwester (Janet) als Vorlage genommen hatte. Zusammen mit seinem Habitus und den, in den letzten Jahren wiederkehrenden, öffentlichen Auftritten in Burkas oder ähnlichen, wenig maskulinen Outfits, habe ich eine evtl. vorhandene Transsexualität aufs Trapez gebracht. Damit sollte aber nur deutlich werden, dass er sein Leben lang auf der Suche nach sich selbst war.
    Ich bin, nur so nebenbei, voller Mitleid. Auch für MJ. Als ich gehört habe, dass er tot ist, habe ich es als schade empfunden. Mein Mitgefühl gehört aber nunmal den Menschen, die in ihrem Kampf um Freiheit, um Gerechtigkeit oder einfach nur um Nahrung, sterben. Diese Einstellung möchte ich niemandem aufzwängen, aber ich finde es alles andere als verkehrt, vielleicht mal einen Denkanstoß zu geben.

    Noch einmal in aller Deutlichkeit: Ich habe nichts gegen Michael Jackson und auch nicht gegen seine Fans. Ich finde das Theater nur überzogen und unverhältnismäßig.

  12. Um den letzten Papst wurde viel mehr getrauert. Und der ist ein echter Kinderschänder gewesen. MJ hatte vor allem viele Feinde, viele Neider und schlechte Berater. Ich hätte nicht mit ihm tauschen wollen, auch nicht zu seinen besten Zeiten.

    Meine erste Platte war BAD. Gewonnen bei einer Pepsi-Promotion. Mich hat die Musik zum Fan gemacht. Was er erreicht hat, wird nie ein zweiter Künstler schaffen. Die meisten Hits sind selbst geschrieben, die Choreografien und Tanzschritte tausendfach kopiert und trotzdem unerreicht.

    Mag sein, dass seine Fans um den Jackson der achtziger trauern, du lästerst über den Jackson, den du aus den Medien kennst. Und jetzt sag mir nicht, dass du als Blogger den Medien ausgerechnet in Bezug auf den „King of Pop“* Glauben schenkst?

    Nichts für ungut, Michl.

    * den Titel hat er von Elisabeth Taylor und in Anbetracht seiner Erfolge nicht unverdient.

  13. lieber herr schmidt,

    ich habe überreagiert, ich war einfach zu genervt und habe es an dir ausgelassen. wir sind uns im tenor und in der konsequenz einig.

    entschuldigung.

  14. @ zoee: Ich habe überhaupt keine Entschuldigung erwartet, weil ich da überhaupt keine Notwendigkeit für sah. Du hast doch nur Deine Meinung geäußert. Aber ich nehme sie natürlich an. Auf jeden Fall verdient Dein Kommentar höchsten Respekt.

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