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Wohin mit meinem Krempel?!

Also es sieht folgendermaßen aus:

Der Koffer ist fast voll. Es fehlen noch:
- eine Waschmaschine voll mit Klamotten
- ein Wäscheständer voll mit Klamotten
- Bettwäsche, Kissen
- Schreibkram, Ordner, Bücher
- Wintermantel, dicke Pullis
- alle Taschen
- Kram aus’m Bad
- Stiefel + ein Paar Schuhe

Olivenöl und Sidra und Palmeras gehn dann wohl auch nicht mehr rein.

Scheiße. Ich bin echt mal sowas von arschgefickt am Arsch.

Adeu Wände

Mein Lieblingsmotiv
Schaut nur! Der kleine Dino!

Les Corts

Hinter Gittern

Gitter

Park Güell

Park Güell

Der Fisch

BCNfisch

Barrio Gotico

Barrio Gotico

Im Raval

Raval

Die Kleinen

Einen Teil der Abschiede hinter mich gebracht. Der von den Kleinen war am schwesten. Sie hingen heute den ganzen Tag an mir, allesamt. Noch vor der Frühstückspause wurde ich mit selbst gemalten Bildern und Bastelsachen überhäuft.

Dann wurde ich vor die Tür verbannt und zum Sekttrinken mit den Kollegen geschickt, während meine Anleiterin und die Kids etwas für mich vorbereiteten. Cecilia holte mich nach einer Weile wieder in den Gruppenraum. “Wir haben eine Überraschung für dich! Aber ich sag’ dir nicht was! Harrharr!” Als ich den Raum betrat, fingen alle Kinder an für mich zu singen. Ein Abschiedslied auf Spanisch. Ich fing an zu heulen, bevor sie beim Refrain angekommen waren. Dann bekam ich einen selbst gebackenen Herzmarmorkuchen überreicht, die Eltern der Kids schenkten mir eine Insiderbarcelonatasche, von meiner Anleiterin bekam ich ihr Lieblingskinderbuch.
Die Kinder hatten auch ein Buch für mich gemacht. Jedes einzelne hat ein Bild für mich gemalt, dazu waren Fotos von allen dabei.
Auf den gemalten Bildern habe ich wunderhübsche Kleidchen an und eine Prinzessinnenkrone auf dem Kopf und Engelsflügelchen am Körper. Ich interpretiere das mal als te queremos. Hach… Alle holten sich zum Schluss noch eine feste gute alte deutsche Umarmung von mir ab.
Selbst die Kinder aus den anderen Gruppen, die ich nur aus den Hofpausen kannte, bestürmten mich noch mit Abschiedsbildern.

Von meinen Arbeitskollegenfreundinnen bekam ich ein mit Insiderwitzen bedrucktes Shirt und Unterhosen (hihi) geschenkt und Grußkarten und mein Caballo vom Flashmobritt mit Grüßen drauf. Und ein geklautes Calçotslätzchen auf dem alle unterschrieben hatten.

Jetzt geh ich noch ein bisschen weinen und dann treffe ich mich mit meiner Anleiterin zum Abschlussreflexionsgespräch. Gegen 23:00 Uhr oder so. Jaja, hier in Spanien wird’s halt immer etwas später.

Auf Wiedersehen ihr alle

Und dann ist plötzlich das halbe Jahr vorbei und jetzt, wie soll ich das denn in drei Tagen alles auf die Reihe kriegen, meinen ganzen Krempel zusammen packen in diesen winzigen Koffer und dann noch treffen mit hundertdrölfzigtausend Leuten und sie umarmen und drücken und Abschiedsgeschenke (die noch gemacht werden müssen) verteilen. und entgegennehmen (hihi). und dann dieser abschied, ABSCHIED!, die betonung liegt auf dem Wort AB-SCHIED! Von Juan und Pablo und Alex und Helle und Unai, ooh mein lieber lieber Unai und Pep und José und allen und Spiderpig und Marina und Martina und den Kindern.
Außerdem muss ich hier noch Schuhe kaufen und ein Kleid und Schmuck (Gutschein, nicht vergessen!) und Sidra und Olivenöl und Palmeras und dieser Koffer ist echt mal winzig.

Und dann muss ich ja allem noch tschüss sagen, den Bäumen, den Wolken, dem Himmel und den kleinen engen Gässchen und den Metromusikern und den Cervezcacocaínapakistani, dem Wind und der Sonne, dem Meer und dem absolut widerlichen Weißbrot. Den stinkenden Schinkenbeinen, die überall herumhängen, den tausend Lichtern bei der allmorgendlichen Busfahrt. Den Rechtslinksküsschen, den verrauchten Clubs und überteuerten Getränken- na gut, denen nicht. Aber meine Spanier, meine süßen Spanier, die mich so umsorgt haben und nachts vor dem Einschlafen immer noch das Wort “Streichholzschächtelchen” üben. (Ich liege im Zimmer nebenan und übe “tronco”) Muss mich verabschieden von “nopasanada” und “ondoloin”. Abschied vom Barcelonafeeling.

Ein Glück reise ich- wenn alles gut geht, man kennt mich ja, mit Komplikationen sind zu rechnen- gleich weiter nach Thailand. Da kann ich mir dann das Hirn vom Gestank der Durianfrucht vernebeln lassen.
Ach ja und was ich hier auch noch machen muss: grob geschätzt tausend Postkarten schreiben, bin da im letzten halben Jahr irgendwie nicht dazu gekommen.

Flashmob Barcelona Hüühüüüüh!

Meine Freunde haben mir zum Geburtstag eine Barcelonatour geschenkt.
Als wir durch das wunderschöne Viertel Gracia liefen erzählte ich den anderen, dass es hier nächste Woche einen Flashmob geben sollte, irgendwas mit Pferden. Dann bogen wir um die Ecke und sahen hundert Leute auf einem Platz mit silbernen Luftballonpferden in der Hand! Hahahahaha! Von wegen nächste Woche. Wir holten uns auch ein Pferd und machten spontan mit und es war so witzig.
Wir klemmten uns die Pferde zwischen die Beine und galoppierten alle zusammen zur Plaça Catalunya. Hüüühüüüüüh! Die Leute auf der Straße haben so dumm geschaut, als plötzlich eine Horde Verrückter (wie ich hörte waren wir 400!) laut wiehernd an ihnen vorbei gerannt kam. Drei goldene Reiter ritten voran und wiesen uns den Weg.
Ein paar nahmen ihre Aufgabe sehr ernst und hielten zwischendurch auch an einer Pfütze an, um ihren Pferden zu trinken zu geben. Auf dem Weg zerplatzte leider ein Pferd, wobei alle Reiter mit lauten Seufzern ihr Bedauern darüber kundtaten.

Bei der Placa Catalunya haben sich dann alle Pferdchen im Kreis versammelt und es gab ein großes Abschlusswiehern.

Flashmobstart in Gracia

Plaza Cataluña

Pferdchen flieg!

Als wir alle so im Kreis standen, schlichen natürlich auch gleich die obligatorischen Diebe an und versuchten die Leute zu beklauen. Wie dreist kann man eigentlich sein, das so offensichtlich zu machen?!
Wir setzten anschließend mit den Pferdchen unterm Arm unsere Tour fort und machten viele Abstecher in verschiedene Bars im Raval, Born, Gotico.. es war wunderschön. Wir haben arabisch gegessen und viele Cocktails getrunken (schlechte, mit Unmengen Alkohol, wenig Saft und ohne Früchte).

Danach war ich noch tanzen und bin dann nach 17stündiger Barcelonatour halbtot ins Bett gefallen. Und jetzt habe ich immer noch ganz üblen Muskelkater in den Schenkeln und kann kaum Treppensteigen. Und das vom Luftballonreiten, hahaha.

Calçotada

Ich war auf meiner ersten Calçotada und es war toll! Sie fand am Popo der Welt statt in einem uralten Bauernhaus statt, was war das schön.

Als Vorspeise gab es wie überall pan con tomate. Und das geht so:
Man nimmt sich eine schön angeröstete Brotscheibe und reibt eine halbierte Knoblauchzehe darauf herum. Danach wird eine halbierte Tomate auf das Brot gerieben, anschließend kippt man jede Menge Olivenöl drüber und zum Schluss Salz. Lecker!

Als ersten Teller (es gibt immer primero und segundo plato), gabs dann die Calçots. Das sind Frühlingszwiebeln bzw. Lauchzwiebeln, schmecken aber gar nicht nach Zwiebel. Sie werden 20cm tief in die Erde eingepflanzt und wachsen dann nach oben anstatt in die Breite. Die Calçots werden über offenem Feuer gegrillt, bis sie außen ganz schwarz sind.
Beim Essen muss man dann die äußere Haut abschälen und saut sich dabei ganz schön voll. Macht aber Spaß. Dann tunkt man die Calçots in eine megageile Soße und hält sie hoch über den Mund und dann schlürft und saugt man dran herum. Auf dem Bild sieht man die übriggebliebenen Schalen der Calçots. Dem mit dem größten Schalenhäufchen gebührt die Anerkennung aller Anwesenden.

Wir hatten am Ende alle unsere Lätzchen vollgekleckert und waren ziemlich betrunken, vor allem weil der Kellner immer SOFORT angeschlichen kam und Wein nachgeschenkt hat, wenn man nur ein klitzekleines bisschen getrunken hatte.

Pan con tomate y Calçots

Als zweiten Teller gab es gegrilltes Gemüse (vor allem Artischocken, Auberginen und so paprikaähnliches Gemüse. Und grüner Spargel. Und Zucchini). Das hat uns aber nicht gereicht, also haben wir auch noch die Fleischplatte genommen. Häschen, Lamm, Huhn und so.

Und als postre natürlich die gute alte Crema catalana.

Ich war noch nie so teuer essen. Aber es war einfach nur köstlich. Wenn ihr jemals im Frühling in Catalunya sein solltet, müsst ihr unbedingt zu einer Calçotada gehen!

Und das Essenslätzchen habe ich als Erinnerung geklaut, aber das war im Gesamtpreis von 423,00 Euro sicher inbegriffen.

Pippi, Dorgen und Narri Narro

Also eines müssen die Barcelonesen, Barceloner, Barcelonaer Bewohner von Barcelona wirklich noch lernen: Fasching feiern! Hier geht ja mal gar nichts.
Ich war auf einer Faschingsparty eingeladen und als Einzige verkleidet. Als Pippi Langstrumpf.
Die Party fand in der gleichen WG statt, wie die Drogenparty von Silvester. Da die Spanier viele wunderschöne Verben haben, können sie so tolle Sachen sagen wie “ich habe mich bedrogen”, anstatt “ich habe Drogen genommen.” Herrlich!
Die Gastgeberin jedenfalls hatte seit vier Tagen nicht geschlafen, aber kein Problem, sie hatte sich nämlich ordentlich bedrogen (hahaha!) und war daher topfit.

Nach dem Vorglühen bzw. Vorkoksen gingen wir in einen Club, wo ich von sagen wir mal 97% der anwesenden Menschen frenetisch gefeiert wurde. Pippi war der Hit. Erstmal kamen alle Deutschen jubelnd auf mich zugerannt und dann tatschten die Spanier dauernd an meinen absolut waagrecht abstehenden Zöpfen rum und brüllten: “Pippi Calzaslargas!!” Nur der chilenische Türsteher erkannte mich nicht. Meine Haare fand er aber trotzdem toll. In Zukunft komme ich also umsonst in den Club, das Passwort lautet “Pippi!” Geil.

Dann war da noch der Venezualer, der sagte er hätte mich zuerst für eine Schwedin gehalten (hihi!) und dann, als wir geredet hätten, dachte er, ich wäre wohl doch Spanierin. Zwei Komplimente in einem Satz, das muss man erstmal hinkriegen. Wir unterhielten uns anschließend eine Stunde lang über- Achtung! Marx, Freud, Nietzsche, Heidegger, Kant und eine Menge anderer Soziologen, Psychologen, Pädagogen und Philosphen, die ich nicht kannte. Discountypisch und sehr nett.

Um ein bisschen Faschingsstimmung aufkommen zu lassen, brachte ich den Feiernden im Club auch einige heimische Bräuche bei. Den schönsten Moment der Nacht hatte ich, als ich von Fans umringt in der Mitte der Tanzfläche stand und auf mein gerufenes NARRI von allen Seiten ein lautes spanisch akzentuiertes NARRO erntete.

Der Barkeeper lud mich auf einen Chupito nach dem anderen ein, was ich gerne annahm. Ich konnte mir nämlich sonst nur Cola für 4 Euro leisten. Der Typ meinte dann so nebenbei: “Wenn du willst können wir später dann noch auf ‘ne Afterhour gehen. Und danach zu mir. Ich mache dir morgen auch Frühstück!” Welch charmantes Angebot. Wurde ich doch glatt mit Essen angelockt.
Ich fand das ja schon etwas direkt, erfuhr aber vom Traummann, dass es in Deutschland an Fasching viel schlimmer zugeht. Ein Mädchen kam zu ihm und meinte: “Meine Freundin, die da hinten mit den schwarzen Haaren braucht mal wieder Sex. Du gefällst ihr. Kommst du mit?”
So kann man’s natürlich auch machen.

Der Tod ist nicht mein Freund

Verblüffend wie gut ich funktionieren kann. Ich arbeite, ganz normal wie jeden Tag. Bastle mit den Kindern, lese vor, schlichte Streitereien, beobachte, lache, hüpfe, renne, tröste, verarzte, unterrichte, umarme, singe, esse, organisiere, beaufsichtige, mache Termine aus, und so weiter und so fort. Kein Mensch merkt etwas. Außer natürlich die besonders Empathischen, die Kinder.
Auf “Nina, warum hast du schon wieder die gleiche Hose an?” folgt “Nina, bist du heute traurig?”

Zuhause dann die nächste Nachricht von meinem Papa.
Viele viele Tränen, vor Gerührtheit und Freude und Trauer, tiefer Trauer. Es hätte natürlich schlimmer kommen können, kann es immer. Und davor habe ich jetzt Angst. Andererseits reicht das auch erstmal.

Erst mal in Musik versunken, erstmal alles rausgeschrien und geweint. Eine knappe Stunde lang. Es kann ja wohl nicht sein, dass ich nicht mal mehr eine anständige Sammlung an depressiver Musik vorrätig habe! Die letzte Trauerliederliste habe ich vor lauter Glück gelöscht.
Bäm!

Wer melancholische, tottraurige und zum himmelschreiend depressive Lieder zu vergeben hat, ich hätte dann mal Bedarf.

Eine Kerze

Ich zünde eine Kerze für dich an.
Ich hoffe es geht dir gut.

Wo immer du auch bist, ich denke an dich.

Informatives über Ungeziefer

Wenn die Schaben und Asseln unter dem Schuh zerplatzen, macht es ein Schmatzgeräusch.
Die Riesensilberfische hingegen knirschen eher.

Und Kakerlaken krachen.