Also eines müssen die Barcelonesen, Barceloner, Barcelonaer Bewohner von Barcelona wirklich noch lernen: Fasching feiern! Hier geht ja mal gar nichts.
Ich war auf einer Faschingsparty eingeladen und als Einzige verkleidet. Als Pippi Langstrumpf.
Die Party fand in der gleichen WG statt, wie die Drogenparty von Silvester. Da die Spanier viele wunderschöne Verben haben, können sie so tolle Sachen sagen wie “ich habe mich bedrogen”, anstatt “ich habe Drogen genommen.” Herrlich!
Die Gastgeberin jedenfalls hatte seit vier Tagen nicht geschlafen, aber kein Problem, sie hatte sich nämlich ordentlich bedrogen (hahaha!) und war daher topfit.
Nach dem Vorglühen bzw. Vorkoksen gingen wir in einen Club, wo ich von sagen wir mal 97% der anwesenden Menschen frenetisch gefeiert wurde. Pippi war der Hit. Erstmal kamen alle Deutschen jubelnd auf mich zugerannt und dann tatschten die Spanier dauernd an meinen absolut waagrecht abstehenden Zöpfen rum und brüllten: “Pippi Calzaslargas!!” Nur der chilenische Türsteher erkannte mich nicht. Meine Haare fand er aber trotzdem toll. In Zukunft komme ich also umsonst in den Club, das Passwort lautet “Pippi!” Geil.
Dann war da noch der Venezualer, der sagte er hätte mich zuerst für eine Schwedin gehalten (hihi!) und dann, als wir geredet hätten, dachte er, ich wäre wohl doch Spanierin. Zwei Komplimente in einem Satz, das muss man erstmal hinkriegen. Wir unterhielten uns anschließend eine Stunde lang über- Achtung! Marx, Freud, Nietzsche, Heidegger, Kant und eine Menge anderer Soziologen, Psychologen, Pädagogen und Philosphen, die ich nicht kannte. Discountypisch und sehr nett.
Um ein bisschen Faschingsstimmung aufkommen zu lassen, brachte ich den Feiernden im Club auch einige heimische Bräuche bei. Den schönsten Moment der Nacht hatte ich, als ich von Fans umringt in der Mitte der Tanzfläche stand und auf mein gerufenes NARRI von allen Seiten ein lautes spanisch akzentuiertes NARRO erntete.
Der Barkeeper lud mich auf einen Chupito nach dem anderen ein, was ich gerne annahm. Ich konnte mir nämlich sonst nur Cola für 4 Euro leisten. Der Typ meinte dann so nebenbei: “Wenn du willst können wir später dann noch auf ‘ne Afterhour gehen. Und danach zu mir. Ich mache dir morgen auch Frühstück!” Welch charmantes Angebot. Wurde ich doch glatt mit Essen angelockt.
Ich fand das ja schon etwas direkt, erfuhr aber vom Traummann, dass es in Deutschland an Fasching viel schlimmer zugeht. Ein Mädchen kam zu ihm und meinte: “Meine Freundin, die da hinten mit den schwarzen Haaren braucht mal wieder Sex. Du gefällst ihr. Kommst du mit?”
So kann man’s natürlich auch machen.