Herr Schmidt.

celebrating the irony since 1982

Null Null Sieben – One Drag Is Not Enough #4

Was bisher geschah: #1, #2, #3.

Beschwippst von diesem Stimmungscocktail griff René Bond zunächst katzengleich und kurz darauf eher tanzbärartig nach seiner tiefstgelegenen Schusswaffe. Dieser Stilbruch seines eleganten Gesamtauftritts war darin zu begründen, dass der bereits vollständig abgeschriebene und nun brennende Pekinese Marciellas einen Weg zurück aus den Flammen auf den Rücken Bonds gefunden hatte. Bewegungen irgendwo zwischen Western-Tanz und Discofox vermochten nicht zu erreichen, was ein beherztes Fallen auf die eigene Rückseite vermochte. Der Hund war platt; das Sakko ruiniert.

Die gerade eben noch so gefasste Ganovin geriet, den zweiten Verlust des geliebten Wauzis vor Augen, der Ohnmacht gefährlich nahe und stolperte theatralisch über die Bretter, die die Welt bedrohten. Dabei zu sehr auf ihre Außenwirkung und den Show-Effekt achtend, bemerkte Marciella nicht, wie sie unter den goldenen Käfig geriet. Bond, der trotz gedanklicher Sakko-Neukäufe bei seinem Herrenausstatter immens reaktionsstark war, brachte die Offenlegung seiner Schusswaffe zu Ende und feuerte mit gezieltem Auge eine Freistelle zwischen das dritte und vierte Kettenglied. Ohne Verbindung zur Decke recht ungehalten, stürzte der Käfig ohne Rücksichtnahme auf etwaige Drag Queens zu Boden.

René Bond, der mit einer solch blutigen Sauerei gerechnet hatte, konnte dennoch eine gewisse Überraschung nicht verbergen, als er die Käfigtüre öffnete und Hellofa in die Arme schloss. Obwohl ausgequetscht und im Raum verteilt, behielt die Frisur Marciella Mascaras Form, Halt und Imposanz. Er hätter gerne noch ein Foto mit seinem linken Manschettenknopf von diesem Anblick gemacht, wurde allerdings von der plötzlich unruhig kreischenden Befreiten Richtung Notausgang gezerrt.

Bond, der ihr nur deshalb diskussionslos Folge leistete, um seinem Rüpel einen Gefallen zu tun, blickte auf den prachtvollen Hintern seiner aktuellen Eroberung, löste die Entriegelung der Notfall-Ausstiegsschleuse und stieg zusammen mit Hellofa Bloujop in die luxuriöse Bettenlandschaft der rosa accessoireten Rettungskapsel. Als die Schleuse verriegelte, war seine Hose bereits geöffnet. Happy End.

5 Comments

  1. Eine Wohltat war das, Herr Schmidt. So schreiben kann man nur, wenn man solche Sachen auch selber erlebt hat! Ich finde es geradezu spannend, dass sie nun ihre Memoiren serialisieren. Echt berührend ist es, dass sie auf den Gebrauch Ihres eigenen Namens, Sven ‚Fliese‘ Schmidt, verzichtet haben und sich hinter Rene Bond verstecken. Das Zeugt von Format und macht den kleinen Ausrutscher mit dem Transvestiten Hellofa vergessen…

  2. Was für ein Finale! Ich hab immer noch Herzklopfen!

  3. Hach wie schön! Und die rosa accessoirete Rettungskapsel hat mir besonders gut gefallen 🙂

  4. Ein Hund, eine Perücke, ein Happy End, werter Herr Schmidt, was will man mehr?
    Wann wird man Sie als René auf der Leinwand sehen, Sie Teufelskerl?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  5. Fotos mit Manschettenknöpfen, Herr Schmidt sollen ja der letzte Schrei auf der diesjährigen Fashionweek gewesen sein. Das gilt auch für die Sakkos.

    fashionized Ihre DiVa

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