Neunzehnhundertvierundachtzig
Ich prostituiere mich in meinem Blog, d. h. ich veröffentliche Videos, Fotos und lege mein Privatleben offen dar – ganz ohne Rücksichtnahme auf meine Privatsphäre und die eventuell auftretenden Konsequenzen.
Ich nutze Kundenbindungssysteme, wie z. B. Payback oder ClubSmart – obwohl ich durch meinen Job und mein Studium ganz genau weiß, wie gläsern ich dadurch werde.
Ich lasse es zu, dass last.fm die Songs, die ich in iTunes höre dokumentieren und auswerten kann – obwohl ich dadurch auch zulasse, dass jeder sehen kann, wann ich zu Hause bin.
…und das sind nur drei Beispiele von vielen. Man kann also schon sagen, dass ich ein öffentliches Leben führe. Genauer gesagt, lege ich es fast schon darauf an, überwacht zu werden. Der nächste Schritt wäre wohl, sich ein Schild um den Hals zu hängen, auf dem steht: “Big Brother, watch me! Come on, watch me! Me! Watch ME!”
Trotzdem bin ich jedesmal auf’s Neue überrascht und perplex, wie ein Reh, das in die Scheinwerfer eines herannahenden Personenkraftwagens blickt, wenn ich unerwartet mit gewissen Details aus meinem Leben konfrontiert werde, die ich als “nicht öffentlich” eingestuft hatte. Besonders verwirrt verwundert bin ich dann, wenn es sich um Dinge handelt, die ich hier nicht gepostet habe – also rein offline geschehen sind. So wurde ich gestern beispielsweise mit meinem Aufenthaltsort am Freitag-Abend konfrontiert, von dem eigentlich nur eine andere Person hätte wissen können (und sollen?!?). Jetzt bin ich natürlich gespannt, ob vielleicht noch jemand weiß, wo ich am Freitag Abend war. Also, Freunde, wo war ich?
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