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Warten

Du blickst nach vorn und doch zurück.
Die Erkenntnis kommt im letzten Schritt,
Der Unterschied zwischen Deinem Glück,
Und wirklich glücklich sein,
Ist nur auf dem Papier diese vier Buchstaben klein.

Die Erinnerungen werden zum Best-Of.
Kein Track, der nicht in Deinen Magen tritt.
Und am Ende bleibt Dir nur die Frage, ob
Es alles ist, was von Dir bleibt:
Eine Compilation Deiner Vergangenheit.

Du warst doch immer ein kreativer Macher,
Der niemals unter solchen Zweifeln litt.
Damals erschien es Dir so viel einfacher,
All’ diese Lieder nieder zu schreiben,
Als würdest Du für immer glücklich bleiben.

Heute erscheinen Dir die Songs so fake,
Dabei geben sie Dir den Hinweis mit:
Love’s not your decision to make,
Sie kommt zu Dir zurück,
In einem gänzlich unerwarteten Augenblick.

Darum blick nach vorn und nicht zurück.
Die Erkenntnis kommt im nächsten Schritt,
Der Unterschied zwischen Deinem Glück,
Und wirklich glücklich sein,
Ist im Leben eben nur diese drei Worte klein.

Und ganz egal wie sehr es uns von innen treibt,
Oder wie dieser eine Gedanke das Herz aufreibt,
Tief in Dir drin, weißt Du schon längst Bescheid:
Manchmal ist Warten das Einzige was uns bleibt.

Deckungsgleichheit

In diesen kostbaren Momenten, in denen sich Hoffnung und Kapitulation die Hand geben,

In diesen flüchtigen Augenblicken, in denen einen Nebelschwaden meilenweit blicken lassen,

In diesen Sekundenbruchteilen, in denen ein rasend Herz zu schlagen aufhört,

Erkenne ich all’ die Dinge, die ich an Dir liebe,

Und all’ die Dinge, die ich an Dir hasse,

Und das es im Grunde ein und dasselbe ist.

Eine Mitfahrgelegenheit

Und dann steht man mit herausgestrecktem Daumen am Straßenrand, während das Leben an einem vorbei fährt. Und man brüllt ihm hinter her “Halt an und nimm mich mit, Du Arschloch!”
Ja, und dann geht es in die Eisen und bleibt stehen. Es lässt sich nämlich nicht gerne als Arschloch bezeichnen, dieses Leben, denn es ist ja auch keins. Im Gegensatz zum Tod. Oder der Liebe. Das sind zwei Riesen-Arschlöcher.

Und dann steigt man ein, lässt sich den Fahrtwind ins Gesicht wehen und singt lauthals jeden Song mit, der aus dem Tapedeck kommt. So geht es dann etliche Kilometer, bis man bemerkt, dass sich die Songs nicht ändern. Man stellt erschrocken fest, dass dieses Leben nur eine einzige verfickte Mix-Kassette zu bieten hat.

Und dann hört man auf mitzusingen und die Songs, die vor nicht allzu langer Zeit noch gefeiert wurden, hängen einem zum Hals raus. Genau jetzt fängt das Leben an, Dich komisch anzuschauen. So kennt es Dich ja auch nicht. Ab diesem Moment hat man 3 Möglichkeiten:

Möglichkeit 1: Man grinst das Leben an und fängt an, wieder euphorisch die Songs mitzusingen. Denn egal wie einem das alles zuwider ist, man möchte weiter mitfahren.

Möglichkeit 2: Man greift dem Leben ins Lenkrad und zwingt es rechts ran zu fahren, damit man endlich aussteigen kann.

Möglichkeit 3: Man sagt dem Leben bei jedem Song, der einem nicht passt, dass man ihn hasst und fängt an die Radiofrequenzen nach seiner Musik zu durchsuchen. Das wiederholt man dann Lied für Lied. Bis einen das Leben hinaus wirft.

Wie Herr Schmidt sein Glück fand (4/4)

Fortsetzung zu Wie Herr Schmidt sein Glück fand
Teil 01, Teil 02, Teil 03
(unbedingt vorher lesen)

Der weltbeste Liebesbrief befand sich nun auf meinem Schreibtisch und ich konnte es kaum erwarten ihn F. zu überreichen.

Am nächsten Tag meinte es das Schicksal gut mit mir und es ergab sich die Möglichkeit F. nach Hause zu fahren. Das war meine Chance: Kein Kunstlehrer samt Kamera, kein Reinhold und auch keine 2qm Herzverkleidung – nur sie und ich. Kurz bevor sie mein Auto verlassen konnte, überreichte ich ihr den Brief und quittierte ihre fragenden Blicke mit relativierenden Halbsätzen. Man, war ich nervös. Ich war noch nervöser als dieser TV-Reporter.

Danach hieß es für mich abwarten. Ich streunte durch mein Zimmer, wie ein sibirischer Amurtiger durch sein Zoogehege und starrte öfter auf mein Telefon als ich es mein ganzes Leben zuvor getan hatte. Der Vergleich, dass die Zeit sich wie Kaugummi zog, wäre eine beschönigende Sichtweise auf meine damalige Situation gewesen.

Irgendwann meldete sie sich und wir trafen uns am gleichen Abend bei ihr zu einem Gespräch. Danach wollten wir mit ein paar Leuten in einen örtlichen Pub gehen. “Das hört sich doch ganz positiv an.” sagte ich mir und stellte mich der Aussprache. Sie empfing mich herzlich, bedankte sich für den Brief, meine Offenheit und fand es alles total lieb und nett und überhaupt süß und was nicht alles. Wenn ich ehrlich bin, ich kann mich an die genauen Worte nicht mehr erinnern, da ich nur eins wissen wollte: Ja oder Nein. Während sie also eine positive Aussage nach der anderen von sich gab, pendelte sich meine Abfuhr-Warnanzeige langsam aber sicher im grünen Bereich ein. Ich wähnte mich auf der Zielgeraden: 50m, 40m, 30m, 20m, 10m, gleich hast Du gewonnen, gleich wird sie Deine Liebe erwidern, 5m, sie öffnete ihren Mund, 4m, und sagte etwas, 3m. Ich hörte nur ein Wort: Freundschaft. 2,5m vor der Ziellinie trat man mir die Beine weg. Autsch!

“Freundschaft ist auch in Ordnung.” entgegnete ich und fügte mich meinem Schicksal. Ihr könnt Euch denken, dass der restliche Abend eher qualvoll als spaßig war. Na ja, ich stand es irgendwie durch und vier Tage später überreichte F. mir einen Brief. Nicht wissend, ob es eine schriftliche Bestätigung ihrer Freundschaftsbekundung ist oder vielleicht doch eine Erwiderung meiner Gefühle, ließ ich ihn erstmal ungeöffnet…

Machen wir es kurz: Ich öffnete den Brief und dann ging alles relativ schnell. Mittlerweile sind wir seit knapp 7 Jahren ein Paar. Und was für eins!

Diese Schwelgerei ist ein Wunschkonzert von Madame Sauvage.



Headphones on I made my escape. I’m in a film of personal soundtrack. I’m leaving home and I’m never gonna come back
Art Brut

© 2012 Herr Schmidt | Dieses Blog basiert auf Wordpress und verwendet das Theme Modern Clix von Rodrigo Galindez. Lesespass bieten 613 Beiträge und 7714 Kommentare. champagnerdusche!


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