Fortsetzung zu Wie Herr Schmidt sein Glück fand
Teil 01, Teil 02, Teil 03
(unbedingt vorher lesen)
Der weltbeste Liebesbrief befand sich nun auf meinem Schreibtisch und ich konnte es kaum erwarten ihn F. zu überreichen.
Am nächsten Tag meinte es das Schicksal gut mit mir und es ergab sich die Möglichkeit F. nach Hause zu fahren. Das war meine Chance: Kein Kunstlehrer samt Kamera, kein Reinhold und auch keine 2qm Herzverkleidung – nur sie und ich. Kurz bevor sie mein Auto verlassen konnte, überreichte ich ihr den Brief und quittierte ihre fragenden Blicke mit relativierenden Halbsätzen. Man, war ich nervös. Ich war noch nervöser als dieser TV-Reporter.
Danach hieß es für mich abwarten. Ich streunte durch mein Zimmer, wie ein sibirischer Amurtiger durch sein Zoogehege und starrte öfter auf mein Telefon als ich es mein ganzes Leben zuvor getan hatte. Der Vergleich, dass die Zeit sich wie Kaugummi zog, wäre eine beschönigende Sichtweise auf meine damalige Situation gewesen.
Irgendwann meldete sie sich und wir trafen uns am gleichen Abend bei ihr zu einem Gespräch. Danach wollten wir mit ein paar Leuten in einen örtlichen Pub gehen. “Das hört sich doch ganz positiv an.” sagte ich mir und stellte mich der Aussprache. Sie empfing mich herzlich, bedankte sich für den Brief, meine Offenheit und fand es alles total lieb und nett und überhaupt süß und was nicht alles. Wenn ich ehrlich bin, ich kann mich an die genauen Worte nicht mehr erinnern, da ich nur eins wissen wollte: Ja oder Nein. Während sie also eine positive Aussage nach der anderen von sich gab, pendelte sich meine Abfuhr-Warnanzeige langsam aber sicher im grünen Bereich ein. Ich wähnte mich auf der Zielgeraden: 50m, 40m, 30m, 20m, 10m, gleich hast Du gewonnen, gleich wird sie Deine Liebe erwidern, 5m, sie öffnete ihren Mund, 4m, und sagte etwas, 3m. Ich hörte nur ein Wort: Freundschaft. 2,5m vor der Ziellinie trat man mir die Beine weg. Autsch!
“Freundschaft ist auch in Ordnung.” entgegnete ich und fügte mich meinem Schicksal. Ihr könnt Euch denken, dass der restliche Abend eher qualvoll als spaßig war. Na ja, ich stand es irgendwie durch und vier Tage später überreichte F. mir einen Brief. Nicht wissend, ob es eine schriftliche Bestätigung ihrer Freundschaftsbekundung ist oder vielleicht doch eine Erwiderung meiner Gefühle, ließ ich ihn erstmal ungeöffnet…
Machen wir es kurz: Ich öffnete den Brief und dann ging alles relativ schnell. Mittlerweile sind wir seit knapp 7 Jahren ein Paar. Und was für eins!
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Diese Schwelgerei ist ein Wunschkonzert von Madame Sauvage.