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Wie Herr Schmidt sein Glück fand (4/4)

Fortsetzung zu Wie Herr Schmidt sein Glück fand
Teil 01, Teil 02, Teil 03
(unbedingt vorher lesen)

Der weltbeste Liebesbrief befand sich nun auf meinem Schreibtisch und ich konnte es kaum erwarten ihn F. zu überreichen.

Am nächsten Tag meinte es das Schicksal gut mit mir und es ergab sich die Möglichkeit F. nach Hause zu fahren. Das war meine Chance: Kein Kunstlehrer samt Kamera, kein Reinhold und auch keine 2qm Herzverkleidung – nur sie und ich. Kurz bevor sie mein Auto verlassen konnte, überreichte ich ihr den Brief und quittierte ihre fragenden Blicke mit relativierenden Halbsätzen. Man, war ich nervös. Ich war noch nervöser als dieser TV-Reporter.

Danach hieß es für mich abwarten. Ich streunte durch mein Zimmer, wie ein sibirischer Amurtiger durch sein Zoogehege und starrte öfter auf mein Telefon als ich es mein ganzes Leben zuvor getan hatte. Der Vergleich, dass die Zeit sich wie Kaugummi zog, wäre eine beschönigende Sichtweise auf meine damalige Situation gewesen.

Irgendwann meldete sie sich und wir trafen uns am gleichen Abend bei ihr zu einem Gespräch. Danach wollten wir mit ein paar Leuten in einen örtlichen Pub gehen. “Das hört sich doch ganz positiv an.” sagte ich mir und stellte mich der Aussprache. Sie empfing mich herzlich, bedankte sich für den Brief, meine Offenheit und fand es alles total lieb und nett und überhaupt süß und was nicht alles. Wenn ich ehrlich bin, ich kann mich an die genauen Worte nicht mehr erinnern, da ich nur eins wissen wollte: Ja oder Nein. Während sie also eine positive Aussage nach der anderen von sich gab, pendelte sich meine Abfuhr-Warnanzeige langsam aber sicher im grünen Bereich ein. Ich wähnte mich auf der Zielgeraden: 50m, 40m, 30m, 20m, 10m, gleich hast Du gewonnen, gleich wird sie Deine Liebe erwidern, 5m, sie öffnete ihren Mund, 4m, und sagte etwas, 3m. Ich hörte nur ein Wort: Freundschaft. 2,5m vor der Ziellinie trat man mir die Beine weg. Autsch!

“Freundschaft ist auch in Ordnung.” entgegnete ich und fügte mich meinem Schicksal. Ihr könnt Euch denken, dass der restliche Abend eher qualvoll als spaßig war. Na ja, ich stand es irgendwie durch und vier Tage später überreichte F. mir einen Brief. Nicht wissend, ob es eine schriftliche Bestätigung ihrer Freundschaftsbekundung ist oder vielleicht doch eine Erwiderung meiner Gefühle, ließ ich ihn erstmal ungeöffnet…

Machen wir es kurz: Ich öffnete den Brief und dann ging alles relativ schnell. Mittlerweile sind wir seit knapp 7 Jahren ein Paar. Und was für eins!

Diese Schwelgerei ist ein Wunschkonzert von Madame Sauvage.

Wie Herr Schmidt sein Glück fand (3/4)

Fortsetzung zu Wie Herr Schmidt sein Glück fand
Teil 01, Teil 02
(unbedingt vorher lesen)

Manchmal bin ich ja wie der spongebob‘sche Seestern: “Hat nicht geklappt. Probier ich’s doch nochmal.” So auch dieses Mal:

Mein großartiger Plan, F. unter dem Vorwand der Fotosession-Optimierung in den Kunstraum zu locken, um dort unserer Freundschaft ein Upgrade zu verpassen, bekam ja kleine Risse als Reinhold bei meinem Gespräch mit F. anwesend war und sich kurzerhand anschloss. Liebesgeständnisse vor Publikum sind etwas für das Sonntagvorabendprogramm deutscher Privatsender aber nicht für Herrn Schmidt. Aus diesem Grund war die gewählte Alternative, mein persönlicher Plan B, die Belastungsgrenze von F. durch ein gemeinsames Fotoshooting auszutesten, grundsätzlich nicht verkehrt. Aber, seesternig, wie ich nunmal bin, habe ich bei dieser Frage nicht bedacht, dass Reinhold immer noch anwesend war. Ihr ahnt es, am Ende standen wir zu dritt vor der Kamera…

Obwohl es mir gelang auch ein paar Fotos nur mit F. zu bekommen, war dieser Nachmittag alles andere als zufriedenstellend. Ich zog mich also in meine Denkerhöhle zurück und ließ mich von meinem iTunes WinAmp berieseln. Mit der richtigen Musik im Hintergrund konnten sich meine Gedanken entfalten und neue Pläne schmieden. Das war schon immer so und das wird auch immer so bleiben.

Ich ratterte gedanklich das ganze Romantik-Seminar runter, dass mir die klassischen Liebesfilme beigebracht hatten und sah mich schon mit 2qm große Pappherz-Ummantelung vor F.’s Haustüre stehen, während eine Milliarde Rosenblüten den Boden bedecken, auf dem ich stehe. DAS wäre romantisch, dachte ich mir. DAS wäre verdammt kitschig, dachte ich mir allerdings auch. Also verwarf ich die cineastischen Ansätze und besonn mich auf das, was wir Deutschen mal am besten konnten: Schreiben!

Goethe, Schiller, Schmidt. Das passt, wie Faust (*räusper*) auf’s Auge. Wenn ich meine Gefühle in der klassischen Briefform ausdrücke, dann ist das in Zeiten von SMS und eMails genauso romantisch wie das Riesenherz aber nicht halb so kitschig, da war ich mir sicher. Außerdem kam es mir sehr gelegen, dass ich auf diesem Wege eine eventuelle Abfuhr nicht unmittelbar ins Gesicht gesagt bekommen würde.

Ich setzte mich also hin und verfasste den weltbesten Liebesbrief.

Fortsetzung folgt…

…und zwar nächste Woche Dienstag. Und was wäre eine Fortsetzungsgeschichte ohne Competition??? – Richtig, eine Fortsetzungsgeschichte ohne Competition. Ja, und das wollen wir ja nicht. Also: Welcher Satz gehört in den weltbesten Liebesbrief? Welche Zeilen würdet Ihr niederschreiben, um Eure Herzdame / Euren Herzbuben für Euch zu gewinnen? Schreibt Euren Satz in die Kommentare. Der Vorschlag, der mir am besten gefällt, wird belohnt: Eine Woche lang, gibt es unter jeden Eurer (in dieser Woche verfassten) Blog-Beiträge, mindestens einen Kommentar von mir. Ein blogloser Gewinner wird anderweitig belohnt.

Wie Herr Schmidt sein Glück fand (2/4)

Fortsetzung zu Wie Herr Schmidt sein Glück fand
Teil 01
(unbedingt vorher lesen)

Ich saß also im Mathe-Unterricht und versuchte einerseits die Texte zu entschlüsseln, die unser Lehrer an die Tafel kritzelte, andererseits zermarterte ich mir aber auch mein Hirn, wie ich in Sachen F. vorgehen könnte. So kam ich zwar zu der Erkenntnis, dass die vermeintlichen Texte in Wirklichkeit ellenlange Formeln waren, zu einem Geistesblitz hinsichtlich der anderen Frage, kam ich allerdings nicht. Ich wollte den Status Quo ja auch nicht gefährden: Lieber eine Freundschaft, als die Dame komplett zu verjagen. Gut, mit so einer Herangehensweise kommt man in etwa so weit, wie eine Dipsochelys dussumieri, der die Sonne auf den Bauch scheint, aber so wirklich weit ist das nicht. Und so kam ich zu meiner elften Lebensweisheit: Man muss Dinge auf’s Spiel setzen, um sich verbessern zu können.

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Wie Herr Schmidt sein Glück fand (1/4)

Das Jahr 2000 begann ja nicht gerade optimal für mich. Ihr erinnert Euch, die Geschichte mit der Biologie-Studentin. Und dennoch: Das Jahr 2000 sollte ein besonderes werden.

Ich kam gut erholt aus meinem Sommerurlaub, den ich mit zwei Freunden, zwei Frauen, einem holländischen Geschichtslehrer und drei kiffenden Holländerinnen auf einem Zeltplatz verbringen durfte, und fühlte mich mehr als bereit dem Abitur entgegen zu treten. Die Schulfächer hatten sich auf das Nötigste reduziert und ich minimierte meine Anwesenheit noch zusätzlich. Wenn ich so darüber nachdenke, kann ein tolpatschiger Sägewerk-Azubi an den verbliebenen Fingern seiner rechten Hand abzählen, wie oft ich meine einzige Freitagsstunde (mittags Biologie Leistungskurs, hallo?!?) wahrgenommen habe. Ich war damals schon Kaufmann und fand es viel wichtiger in dieser Zeit die Wirtschaft anzukurbeln. Während meine Mitschüler über dominante und rezessive Vererbung der Drosophila informiert wurden, verhalf ich dem Café “Stadtgeflüster” zu Rekord-Absätzen im Bereich der koffeinhaltigen Warmgetränke.

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Headphones on I made my escape. I’m in a film of personal soundtrack. I’m leaving home and I’m never gonna come back
Art Brut

© 2012 Herr Schmidt | Dieses Blog basiert auf Wordpress und verwendet das Theme Modern Clix von Rodrigo Galindez. Lesespass bieten 628 Beiträge und 7775 Kommentare. champagnerdusche!


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